Jahrgang 
1913
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Lt. Ministerial-Verfügung vom 17. April 1912 wurde dem Herrn Lehramtsreferendar Lut= die Verwaltung einer Lehrstelle an der höheren Bürgerschule zu Schotten übertragen. Am 14. Mai konnte Herr Lutz seinen Vorbereitungsdienst bei uns wieder fortsetzen.

Am 21. Mai und 12. Dezember 1912 beehrte Herr Geh. Oberschulrat Block aus Darmstadt die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterricht in mehreren Klassen bei.

Den Tagesausflug unternahmen sämtliche Klassen am 14. juni. Die Obersekunda fuhr mit der Bahn über Gießen und Wetzlar nach Sinn. Nach einer 3ͦstündigen eingehenden Be sichtigung der dortigen, hochinteressanten industriellen Anlagen, der Neuhoffnungshütte mit Hochofen, Puddel- und Walzwerk von E. Haas& Sohn, der Maschinenfabrik von A. Dörig und der Rinckerschen Glockengießerei, in der vor 6 Jahren das Geläute unserer Dankeskirche gegossen wurde, erfolgte von hier aus eine schöne Wanderung über den Creifenstein zurück nach der Bahnstation Katzenfurt. Die Heimfahrt, die in Wetzlar unterbrochen wurde, erfolgte abends mit der Bahn. Die Untersekunda fuhr auf 2 Sommerwagen über Usingen nach Hunstall i. T. Eine reizende Fußtur über den Pferdkopf und die Tenne führte die muntere Schar nach Neu-Veilnau, von wo nach recht preiswürdigen Erfrischungen die Heimfahrt angetreten wurde. Die Obertertia begann ihre Fußwanderung in Butzbach und ging über Ebersgöns, Volkskirchen, den Stoppelberg nach Wetzlar. Nach Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten erfolgte am Nachmittag die Heimfahrt mit der Bahn. Die Untertertia beabsichtigte, den Hoherodskopf und Taufstein zuù ersteigen. Durch heftige Regenschauer belästigt, mußte sie sich mit der bescheideneren Tour von Schotten über das Lehrerheim nach Busenborn und zurück begnügen. Die Quarta fuhr mit der Bahn nach Wetzlar. Von hier erfolgte eine schöne, abwechslungsreiche Wanderung nach dem schön gelegenen Braunfels, wo auch das Schloß besichtigt wurde. Ein kurzer Marsch durch das idyllische Mühltal zur Station Braunfels, von wo aus die Rückfahrt mit der Bahn erfolgte, beschloß die Tour. Die Quinta wanderte von Butzbach nach dem Hausberg, wo gerastet wurde. Dann ging es weiter über Münster nach Ziegenberg. Die Rückkehr nach Bad-Nauheim erfolgte zu Fuß über den Winterstein. Die Sexta besichtigte die Ueberreste der nahen Kapersburg. Am Nachmittag ging sie nach der Saalburg und in das Limesmuseum. Die Heimfahrt erfolgte von Homburg aus.

Außer diesem Tagesausflug wurden am Vormittag von den einzelnen Klassen verschiedene, meist 2 bis 3stündige Klassengänge nach den schönsten Punkten der nächsten Umgebung unserer Stadt unternommen.

Für Herrn Lehramtsassessor Salomon wurde laut Ministerial-Verfügung vom 28. Juli 1012 fierr Lehramtsassessor Magsaam am Schullehrerseminar zu Alzey mit der Verwaltung einer Lehrerstelle an der Ernst-Ludwig-Schule zu Bad-Nauheim mit Wirkung vom 1. Oktober 1912 beauftragt.

Bernhard Magsaam, geboren am 25. Dezember 1885 zu Wimpfen a. B., evang. Konféssion, besuchte die Realschule zu Wimpfen und dann das Realgymnasium zu Darmstadt. 1004 erhielt er das Zeugnis der Reife an dieser Anstalt und bezog dann die Universität. Er studierte in Gießen und in München. Im Februar 1908 bestand er die Staatsprüfung für das höhere Lehramt und erwarb sich die Lehrbefähigung im Deutschen, Französischen und Englischen für die Ober- klassen. Von Ostern 1908 bis Ostern 1900 war er am pädagogischen Seminar zu Oppenheim. Im 2. Vorbereitungsjahr verwaltete er eine Lehrstelle an der Oberrealschule zu Alsfeld. Am 1. April 1910 wurde er zum Lehramtsassessor ernannt. Von Mai 1910 bis September 1012 war er am Lehrerseminar zu Alzey tätig. Am 17. Dezember 1912 wurde ihm auf Grund einer Dissertation und einer mündlichen Prüfung die Doktorwürde von der philosophischen Fakultät der Universität Gießen verliehen.

Am 29. August 1912 hielt Herr August Einwald im hiesigen Kursaal einen interessanten Vortrag überUnsere Kolonien und gewährte den Schülern der Ernst-Ludwig-Schule Eintritts- billette zu ermäßigten Preisen. Herr Otto Brömme hatte die Liebenswürdigkeit, unseren Schülern zu dem am 12. Oktober 1012 im Theatersaal des Kurhauses veranstalteten Lieder- und Balladen- Abend 12 Freikarten zu überlassen, die uns durch die Großh. Kurdirektion zugestellt wurden. Auch der Vorstand des hiesigen Vortragsvereins sandte unseren Schülern 25 Freikarten zu dem am 25. Januar 1913 von RHierrn Prof. Baur aus Darmstadt im Sprudelhotel gehaltenen Vortrag: Napoleons Feldzug 1812. Wir sprechen auch hier Herrn Einwald sowohl als auch Herrn Brömme, der Großh. Kurdirektion und dem Vorstand des hiesigen Vortragsvereins geziemenden Dank für diese Vergünstigungen an unsere Schüler aus.