Schulnachrichten.
1. Zur Geschichte der Anstalt.
Die vorjährige Obersekunda war der erste jahrgang, den unsere Ernst-Ludwig-Schule von der Sexta an durchgeführt hatte. Da der Ausbau unserer Schule zu einer Vollanstalt noch nicht bewilligt wurde, mußten die Schüler und Schülerinnen dieser Klasse ihre Studien an anderen Orten fortsetzen. Zu einer kleinen Abschiedsfeier versammelten sich deshalb das Lehrerkollegium und die Schüler in dem Klassenzimmer der Obersekunda am 20. März 1912 um 12 Uhr. Als Vorsitzender des Kuratoriums war auch Herr Bürgermeister Dr. Kayser anwesend. Das bekannte von Mendelssohn Bartholdy komponierte Lied:„Nun zu guterletzt geben wir dir jetzt auf die Wanderung das Geleite“ wurde von einem Schülerquartett stimmungsvoll vorgetragen. Dann wandte sich der Unterzeichnete mit einer Ansprache an die Schüler. Er riet ihnen, Frömmigkeit und Pflichtbewußtsein, aber auch ein fröhliches Gemüt sich im Leben zu wahren. Dadurch würden sie der Ernst-Ludwig-Schule, die in solchem Sinne zu wirken suche, die meiste Ehre machen. Er erinnerte an das schöne Verhältnis, das zwischen Lehrern und Schülern bestanden hätte und das für beide Teile den Abschied schwer mache. Für ihren ferneren Lebensweg gab er den Austretenden die herzlichsten Wünsche mit, die er in einem Gedicht von Karl Gehrock ausklingen ließ.
Im Namen der Klasse antwortete die Schülerin Magda Kayser, die dem Lehrerkollegium der Schule den Dank der Abgehenden aussprach.
Mit Schluß des Schuljahres 1912/13 entlassen wir unsere 2. Obersekunda. Möge diesen beiden Jahrgängen noch mancher weitere folgen und unsere Schule in absehbarer Zeit ihre Schüler auch noch ganz bis zum Abschluß durch Unter- und Oberprima führen können.
Das verflossene Schuljahr begann am 15. April 1912. Schon bald nach seinem Beginn brachte es recht eingreifende Störungen des Unterrichtsbetriebs mit sich. Durch schwere Er-— krankungen wurden die Handarbeitsſehrerin Fräulein E. Graf für beinane 4 Wochen und Herr Oberlehrer Fuldner für 2 ½ Wochen an der Ausübung ihres Berufes gehindert. Die Unterrichts- stunden der Lehrerin Fräulein Graf fielen aus; die Stunden des Herrn Oberlehrer Fuldner konnten zum Teil von den Lehrern der Anstalt gehalten werden.
Der Schülerbestand am 15. Mai betrug 188(gegen 169 im Vorjahr).
Zu Ostern 1912 schied von Bad-Nauheim err Pfarrer Erker, der katholische Religions- lehrer der Anstalt, um eine Pfarrstelle in Mainz zu übernehmen. Wenngleich wir mit dem Herrn Pfarrer nur in loserer Verbindung standen, so haben wir doch bei vielen Gelegenheiten sein reges Interesse für die Schule wahrnehmen können. Für seine segensreiche Tätigkeit als Religions- lehrer spreche ich ihm im Namen der Schule den herzlichsten Dank aus.
Der Nachfolger des Fierrn Pfarrer Erker ist Herr Pfarrer Hemmes geworden.
Die evangelischen Religionsstunden in IV bis Ub wurden Kerrn Pfarrassistent Clotz übertragen.


