Jahrgang 
1910
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Gutes liest und bestrebt ist, dasselbe Buch recht oft wieder zu lesen. Und da es wichtig ist, daß das Kind nicht nur aufs Bücherleihen angewiesen ist, sondern nach und nach eine eigne kleine Bibliothek erwirbt, was bei den zahlreichen heute vorhandenen Sammlungen guter billiger Bücher in jeder Familie möglich ist, so haben wir auch diesmal in gewohnter Weise vor Weih- nachten den Kindern und Eltern Verzeichnisse guter Schriften zur Anschaffung von Büchern empfohlen. Möge diese wirklich gute, auch vom pädagogischen Standpunkt vollkommen ein wandfreie Lektüre gute Samenkörner in das Gemüt unserer Jugend einpflanzen, auf daß ein starkes, charakterfestes und hilfreiches Geschlecht, gefestigt gegen alle Gefahren des modernen Lebens, zur Ehre unseres Volkes heranwachse.

Die Fenster des Zeichensaales wurden mit Stores und dunkelblauem Köperfutter versehen; die Stellung der Zeichentische wurde durch Bodenmarkierung gekennzeichnet. Wir sagen den städtischen Behörden, Großherzogl. Bürgermeisterei und Stadtverordnetenversammlung, für bereit- williges Entgegenkommen geziemenden Dank.

Unser neues Schulhaus hatte sich im vergangenen Sommer eines zahlreichen Besuches- seitens in- und ausländischer Kurfremden zu erfreuen gehabt. Von allen Seiten wurde ihm das höchste Lob gespendet; es wurde in bezug auf zweckmäßige Einrichtung und stilvolle Aus- arbeitung als eine Musterleistung bezeichnet.

Wenn auch unser Schulgarten bis jetzt noch keine mustergültige Anlage ist, weil er wünschenswerte Eigenschaften nur teilweise besitzt, so bot er doch schon gleich im ersten Jahre seines Bestehens ein recht erfreuliches Bild und hat die auf ihn verwendete Mühe reichlich be- lohnt. Wir dürfen behaupten, daß die Anlage auch in ihrer unfertigen Gestalt dem botanischen Unterricht lebhafte Anregung und Förderung gewährt hat, und daß sie schon im vergangenen Sommer für die Lehrer und die Schüler eine gern besuchte Stätte der Erholung und Belehrung gewesen ist.

Die gröberen Erdarbeiten, wie Rigolen und Wegebau, das Bepflanzen des Gartens mit Bäumen und Sträuchern hatte das städtische Hochbauamt ausführen lassen, während die allmähliche Besiedelung mit Gewächsen und überhaupt den ganzen Ausbau der Anlage wir selbst in die Hand genommen haben. Wir legen Gewicht darauf, die ganze Gartenanlage auf dem Wege der Entwickelung entstehen zu lassen und je nach Maßgabe der verfügbaren Mittel sie auf Grund eines genau entworfenen Planes fhrer Vollendung entgegenzuführen.

Als Zweck des Schulgartens ist in Aussicht genommen, durch Anzucht und Pflege ge- eigneter Gewächse, besonders aus der Flora der näheren und weiteren Umgebung unseres Bade- ortes, dem Schüler die Pflanze als lebendigen Organismus in ihrem ganzen Entwickelungsgang vorzuführen, ihn mit den natürlichen Bedingungen des Pflanzenlebens vertraut zu machen und ihn zu eigner Beobachtung anzuregen.

Eine Massenanzucht von Pflanzen für den Klassenunterricht, wie sie in großen Städten das Bedürfnis der Schule erheischt, ist für unsere Anlage in beschränkterem Maße in Aussicht genommen. Die überaus mannigfaltige Gliederung und die dadurch bedingte reiche floristische Entwickelung unserer allernächsten Umgebung, die Nähe und leichte Zugänglichkeit von Wald und Wiese, Flußufer und Teich, Bergabhang und Feldrain, erleichtern das Sammeln von Pflanzen, die für den Unterricht nötig sind, in jeder nur gewünschten Weise.

Auch eine systematische Anordnung der Gewächse ist nicht ins Auge gefaßt; dafür sind die zur Verfügung stehenden Pflanzländer zu klein.

Die aufgenommenen Pflanzen wurden den Verhältnissen ihres natürlichen Vorkommens entsprechend ausgepflanzt und womöglich zu kleinen Lebensgemeinschaften vereinigt.

Unser Schulgarten grenzt unmittelbar ans Schulhaus, liegt nach Westen und hat einen Flächenraum von 634 qm. An den Zäunen entlang rings um den Carten läuft ein 2 m breites Umfassungsbeet, das mit Bäumen und Sträuchern, welche die Firma Gebrüder Siesmayer geliefert hat, in reicher Auswahl besetzt ist. Die innere Gartenfläche ist von dem Umgrenzungsbeet durch einen 1,5 m breiten Gang getrennt und wird durch Wege von lm Breite in 4 Hauptabteilungen zerlegt. Die 2 nach Westen gelegenen sind Rasenplätze, die 2 nach Osten gelegenen sind Pflanzländer, auf deren Beeten besonders charakteristische Vertreter einzelner Pflanzenfamilien und solche Gewächse Aufnahme fanden, die für den Unterricht in Physiologie und Anatomie wert- volles Material lieferten. Besondere Berücksichtigung erfuhren Nutz-, Gewürz-, Arznei-, Cift-, Schling- und Schmarotzerpflanzen. Immer war bei der Auswahl der Pflanzen für deren Anbau hauptsächlich ihre Verwendbarkeit im Unterricht maßgebend gewesen. Auch war die Aufnahme von Zierpflanzen geboten durch das rein ästhetische Interesse an der Pflanzenwelt, das, wie über-