Jahrgang 
1910
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haupt beim ÜUnterricht, so insbesondere in unserem Badeorte, der schon seit jahren im Zeichen des Haus- und Balkonschmuckes steht, nicht zu kurz kommen durfte.

Auf dem Umfassungsbeete, auf dem Bäume und Sträucher den nötigen Schatten spenden, und auf den beiden Rasenplätzen bringen wir mit den Jahren die verbreitetsten Formen der Lokalflora zur Anzucht.

Der Boden des Gartens ist gut verrotteter Lehm, dem je nach Bedürfnis Humus und Sand beigemengt wird, und in dieser Bodenart gedeihen fast alle für unseren Schulgarten in Frage kommenden Gewächse. Die Bäume, Sträucher und die Beete des Pflanzlandes sind mit dauerhaft und deutlich beschriebenen Etiketten versehen. Zwischen den beiden Pflanzbeeten liegt ein zementiertes Wasserbecken mit Springbrunnen. Darin hatten wir angepflanzt: Nymphäa, Nuphar, Sagittaria, Iris, Calamus und Typha.

Die weitere Entwickelung unseres Schulgartens soll sich in den folgenden Jahren auf eine stetig fortschreitende Vermehrung des wild wachsenden Pflanzenmaterials erstrecken, und auf eine Vergrößerung seines Nutzens dadurch, daß wir Aquarien, Terrarien und vielleicht auch Raupenkasten und anderes mehr aufstellen und meteorologische Apparate anbringen, die zur Beobachtung und Messung der Boden- und Lufttemperatur, der Luftfeuchtigkeit, der Regenmenge und Windstärke dienen.

Ein anderer Wunsch erstreckt sich auf die Anlegung einer geologischen Felsgruppe, die aus Blöcken der wichtigsten Gesteinsarten herzustellen wäre. Dieselbe würde ein vorzügliches Anschauungsmittel für den Unterricht in der Gesteinskunde abgeben, da ein größerer Block die charakteristischen Eigenschaften des Gesteins viel besser zur Schau stellt, als ein Handstück der Sammlung. Am Fuße der Felsen und auf oder zwischen denselben könnten auch die Familie der Saxifragaeen und viele Kryptogamen ihre Wohnstätte finden..

Was den Besuch des Gartens durch die Schule anlangt, so ist er den einzelnen Klassen nur unter Führung eines Lehrers gestattet; den Mädchen der beiden oberen Klassen stand er zu jeder Zeit frei. Zahlreiche Lehrstunden wurden im Garten abgehalten, teils wurde das letzte Viertel der Klassenstunde zu einem Rundgang durch den Garten verwendet, um die Schüler auf die neuen Erscheinungen aufmerksam zu machen und Beobachtungsaufgaben für die nächste Zeit zu stellen.

Aber auch außerhalb der Schulkreise hat sich die Anlage bei Gartenfreunden und Gönnern unserer Anstalt wohlwollender Teilnahme, die sich durch Besuch und mancherlei Zuwendungen von Pflanzen, Sämereien und dergleichen äußerte, zu erfreuen gehabt. Hier sei auch erwähnt, daß der hiesige Kur- und Verschönerungsverein auf unsere Anregung hin in unserem Schulgarten ein Futterhäuschen aufstellen ließ, das der zweckmäßigen Winterfütterung der Vögel dienen soll. Wir sind dem obigen Verein für diese Einrichtung sehr dankbar, umsomehr, als der Vogelschutz nicht nur eine wirtschaftliche, auch nicht nur eine wissenschaftliche und ästhetische, sondern vor allem eine ethische, volkserzieherische Bedeutung hat.

Wenn unsere Anlage in ihrer Entwickelung am vorgesteckten Endeiele angelangt ist, beabsichtigen wir, eine ausführliche Beschreibung ihrer Einrichtung im Jahresbericht zu geben.

Mit dem neuen Semester wird Herr Lehramtsassessor Dr. Made unsere Anstalt verlassen, um einem ehrenvollen Rufe als Oberlehrer ans städtische Realgymnasium zu Kassel zu folgen. Unsere Schule verliert in ihm einen gewissenhaften, fleißigen, begabten und erfolgreichen Lehrer und seine Amtsgenossen sehen den tüchtigen Kollegen mit Bedauern scheiden.

Durch Ministerial-Verfügung vom 20. Februar 1910 wurde die Einführung von wahlfreiem Handarbeitsunterricht für die Mädchen der Ernst Ludwig-Schule statt des obligatorischen ge- nehmigt. Die Eltern können jetzt selbst bestimmen, ob ihre Töchter an diesem Unterricht teéil- nehmen sollen oder nicht. Wir ersuchen die beteiligten Eltern, uns ihren diesbezüglichen Entschluß spätestens bis zum 21. März mitteilen zu wollen.

Die Ferien im Schuljahr 1910/11 verteilen sich wie folgt:

Osterferien: 20. März bis 2. April 1910.

Pfingstferien: 15. Mai bis 21. Mai 1910.

Sommerferien: 3. Juli bis 30. Juli 1910..5 Herbstferien: 25. September bis 8. Oktober 1910.

Weihnachtsferien: 22. Dezember 1910 bis 4. Januar 1911.

Schuljahrsschluß: 8. April 1911.