Jahrgang 
1910
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durch den 2stimmigen Gesang des Liedes:Mit dem Pfeil, dem Bogen ein, worauf Herr Ober- lehrer Dr. Strecker die Festrede hielt und etwa folgende Gedanken ausführte:

Das jJahr der Gründung unserer Schule war ein Schillerjahr(1905, Hundertjahrgedächtnis an Schillers Tod) und nun auch dieses Jahr der Einweihung unseres Neubaues: Erinnerung an Schillers Geburtstag vor 150 Jahren. Möge ein Hauch seines Geistes stets über unserer Arbeit walten, vor allem sein lIdealismus, der darin besteht, daß einerseits der Mensch sich geistig möglichst erhebt, daß er andrerseits über seinen eignen Interessen das Schicksal seines Volkes und der Menschheit nicht vergißt. Schiller hat es sich schweren Kampf kosten lassen, seinen inneren, geistigen Beruf als Dichter trotz des herzoglichen Verbotes, trotz der zehrenden Krank- heit zu erfüllen. Er zeigt uns in seinen Dramen, wie der echte Idealist sogar sein Leben(Max) oder seinen Stolz(Maria Stuart) zum Opfer bringt, wie durch den ldealismus allein das Gedeihen des Vaterlandes gesichert ist(Jungfrau, Tell), während blinde Selbstsucht Verderben bringt(Braut von Messina). Manche Leute spotten über den ldealismus, als ob es klüger wäre, immer nur an sich selbst zu denken. Wenn wir aber sehen, daß durch solche Selbstsucht der Menschen nur Uneinigkeit und Unglück über die Völker kommt, dann erkennen wir den ldealismus als sittliche Pflicht.

Dann trugen Schüler und Schülerinnen aus IIb und lIlIa, dasLied von der Glocke vor, und mit dem frisch gesungenen LiedWohlauf Kameraden usw. schloß die schöne und würdige Feier. Tief waren die Eindrücke, die die Zuhörer, Schüler und Lehrer, mit nach Hause nahmen. Möge alles dazu beitragen, daß auch die heranwachsende Generation des Dichters Werke gern liest und dem Dichter selbst ein bewunderndes und dankbares Andenken bewahrt.

Anläßlich des Geburtstags Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs fand eine öffentliche Schulfeier statt, wozu die Eltern und Angehörigen der Schüler und Schülerinnen, sowie alle Freunde der Anstalt eingeladen waren. Programm der Feier: 1)Waldmeister und Reben- blüte, ein Elfenmärchen mit teilweiser Benutzung eines Roquette'schen Werkes von Joh. Siedler, in Musik gesetzt von A. Klughardt. Die Klavierbegleitung hatte Agnes Hiomeyer Ila übernommen. (Das Klavier war aus der Baldur-Pianoforte-Fabrik von Ferdinand Schaaf& Co., Frankfurt a. M.- Bockenheim, entliehen.) Bei der Deklamation waren beteiligt: Lisi Hirsch IIb, Elis. Breidenbach IIla, Fritz Reinhardt IIla, Hugo Schwab IIIb, Elis. Kleinsteuber IV, Friedr. Mörler V. 2) Festrede des Herrn Oberlehrer Pabst: Karoline, diegroße Landgräfin. 3) Allgemeiner Gesang:Heil unserm Fürsten, Heil!

Am 18. Dezember beehrte der Großherzogl. Landesturninspektor, Herr Schulrat Schmuck aus Darmstadt, die Ernst Ludwig-Schule mit seinem Besuche und besichtigte den Turnunterricht in mehreren Klassen.

Der Geburtstag des deutschen Kaisers wurde in den einzelnen Klassen durch Ansprachen seitens der Klassenführer in entsprechender Weise gefeiert.

Der Gesundheitszustand war im Sommerhalbjahr durchaus günstig; es fehlten nur wenige Kinder und diese nur auf kürzere Zeit; zahlreicher waren hingegen die Versäumnisse in der letzten Häifte des Winterhalbjahrs; meistens wurden die Schüler und Schülerinnen durch leichte Erkältungen(Schnupfen, Husten, Halsentzündung, Influenza usw) vom Besuche der Schule ab- gehalten. Erkrankungen an Lungenentzündung und Scharlach sind nur vereinzelt vorgekommen.

Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums war im ganzen Schuljahr ein recht be friedigender.

Während des Wintersemesters hielt Frl. Lorenz, Schulverwalterin an der Stadtschule, einen Kursus in Gabelsberger Stenographie ab, zu dem 11 Schülerinnen aus den 3 oberen Klassen zugelassen waren.

Unsere Schülerbibliothek hat auch in diesem Jahre eine ansehnliche Bereicherung erfahren so daß jetzt Bücherausgaben aus den Klassenbibliotheken allwöchentlich möglich sind und die Auswahl der Bücher den Schülern so freigelassen werden kann, daß sie die Bibliothek mit Lust benutzen. Die gemeinsame Lektüre dieser Bücher im Familienkreise ist durchaus gestattet; sie sei sogar als ein Mittel, das Band zwischen Schule und Hiaus fester zu knüpfen, hiermit ganz besonders empfohlen. Wir raten auch den Eltern, sich mit ihren Kindern häufig über ihre Lektüre zu unterhalten und sich von ihnen vorlesen zu lassen. Ein solches Hand in Handgehen der Eltern mit der Schule wird es uns auch möglich machen, im Kampfe gegen die Schund- literatur, die in verderblichster Weise die unschuldige und so empfängliche Kindesseele zum unermeßzlichen Schaden des Volkes vergiftet und den Erfolg der sorgfältigsten Erziehung in Gefahr bringt, segensreich zu wirken. Wir wollen vor allem dafür sorgen, daß das Kind nur