Jahrgang 
1909
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Den Tagesausflug unternahmen sämtliche Klassen am 9. September. Die Ober- und Untersekunda machten von Butzbach aus eine schöne Fußwanderung über Ebersgöns, Volks- kirchen, den Stoppelberg nach Wetzlar, von wo aus gegen Abend die Rückkehr mit der Bahn erfolgte. Die Obertertia benutzte die Bahn bis Ostheim und ging zu Fuß über Hochweisel, den Hausberg durch das reizende Isseltal nach Butzbach. Die Untertertia fuhr nach Homburg, von wo aus über den Sandplaken der große Feldberg erstiegen wurde. Die Quarta machte von Butzbach aus eine 5stündige abwechselungsreiche Fußtour durch das Solmser Tal nach dem herrlich gelegenen Braunfels und kehrte mit der Bahn über Cießen nach Bad-Nauheim zurück. Die Quinta besichtigte, von Friedrichsdorf über die Lochmühle wandernd, die Saalburg und das Museum und ging über den Hirschpark nach Hiomburg zurück. Die Sexta begnügte sich mit einer Wanderung durch unsere nahen schönen Wälder, erreichte auch das Jagdhaus am Steinkopf und ruhte später im gastlichen Forsthaus Winterstein und in dem angrenzenden Walde bei recht preiswürdigen Erfrischungen aus. Der Tag war vom herrlichsten Wetter begünstigt.

Außer diesem Tagesausflug wurden am Vormittag von den einzelnen Klassen verschiedene, meist 2 3stündige Klassengänge nach den schönsten Punkten der nächsten Umgebung unserer Stadt unternommen.

Auch in diesem Jahre wurden an Schüler und Schülerinnen der mittleren und oberen Klassen unserer Schule geeignete Pflanzen in Pflege gegeben. Wenn schon im Vorjahre erfreuliche Resultate erzielt waren und die versuchsweise beschrittene Bahn ein glückliches Ziel verheißen hatte, so durfte in diesem Jahre nicht unterlassen werden, auf gleicher Bahn zur Erweckung einer erzieherischen Tätigkeit unserer Schuljugend vorwärts zu schreiten. Die Firma Gebrüder Siesmayer stellte uns aus ihren hiesigen Beständen die gewünschte Anzahl Pelargonium peltatum zur Verteilung an Schulkinder zur Verfügung. Auch der hiesige Kur- und Verschönerungs- verein förderte unsere Bestrebungen durch Bewilligung eines namhaften Geldbetrags. Die am 13. September 1908 in der Turnhalle der Stadtschule stattgehabte öffentliche Ausstellung der gepflegten Gewächse hatte gezeigt, daß die lieben Kinder Floras unter den schützenden und pflegenden Händen der Schüler herrlich gediehen waren. Unsere Veranstaltung wurde auch diesmal einstimmig als eine wohlgelungene und in den angestrebten Zielen als eine segens- reiche bezeichnet.

Die Wiederimpfung der 12jährigen Kinder fand am 15. September, die Nachschau am 22. September statt.

Am 17. September, dem Geburtstag Ihrer Königlichen ioheit der Großherzogin, fiel der Unterricht aus.

Jugendspiele fanden im verflossenen Sommerhalbjahr wöchentlich einmal, und zwar jeden Dienstag nachmittag von 57 Uhr, auf dem in der Nähe der katholischen Kirche gelegenen städtischen Spielplatz statt. Einige unserer Schülerinnen widmeten sich auch fleißig dem Lawn Tennis Spiel im Park. Immer noch läßt die Beteiligung an den Jugend- und Turnspielen seitens unserer Zöglinge zu wünschen, weshalb wir den verehrten Eltern wiederholt und eindringlich empfehlen, diese von uns zum Nutzen der Jugend geschaffene Spieleinrichtung tatkräftig unter- stützen und fördern zu wollen. Den Lehrern und Lehrerinnen sei für die freiwillig ausgeübte Beaufsichtigung und Ueberwachung der spielenden Kinder herzlich gedankt. 1

Der Hitze halber mußte die 5. Vormittagsstunde, beziehungsweise der Nachmittags- unterricht, fast während des ganzen Monats Juni ausgesetzt werden.

Am 1. Oktober 1908 schied kierr Lehramtsreferendar Dr. Schindling aus dem Verbande unserer Schule aus, um seiner Militärpflicht zu genügen. An seine Stelle trat Herr Lehramts- aspirant Dr. Georg Made, dem durch ministerielle Verfügung vom 31. August die provisorische Verwaltung einer Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Bad-Nauheim mit Wirkung vom 11. Oktober 1908 an übertragen worden war.

Georg Made, geboren am 14. Januar 1877 zu Brensbach im Odenwald, evangelisch, be- suchte bis zu seinem 14. Jahre die Volksschule seines Heimatsortes. Nach zweijähriger privater Vorbereitung trat er Ostern 1803 in das Lehrerseminar zu Bensheim ein und besuchte diese Anstalt 3 jahre lang bis Ostern 1896. Nach seinem Abgang war er, nachdem er im Frühjahr 1808 die Definitorialprüfung für Schulamtsaspiranten bestanden hatte, fast 9 jahre im hessischen Volks- schuldienst tätig