Jahrgang 
1909
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Am 15. Oktober 1904 bestand er als Nichtschüler die Reifeprüfung an der Oberreal- schule zu Worms, trat dann aus dem Schuldienste aus und bezog im Winter-Semester 1904/05 die hessische Landesuniversität. Hier widmete er sich, nachdem er noch die Reifeprüfung in Latein am Realgymnasium zu Gießen bestanden hatte, dem Studium der neueren Sprachen. Im Juli 1908 unterzog er sich an der genannten Universität der Prüfung für das höhere Lehramt und erhielt die Lehrbefähigung für die Fächer Englisch, Französisch und Deutsch.

Durch Verfügung Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, vom 30. August 1908 wurde ihm, mit Rücksicht auf seine mehrjährige Verwendung im Volks- schuldienst, die Ableistung des Probejahres erlassen. Am 7. November bestand er an der philosophischen Fakultät der Universität Gießen auf Grund seiner Dissertation überDas Verbum substantivum im Englischen die mündliche Doktorprüfung.

An Stelle des nach Wallenrod, Kreis Lauterbach, versetzten Herrn Pfarrer Knott übernahm zuerst Herr Pfarrer Wissig in dankenswerter Weise den Religionsunterricht in den kombinierten Klassen Sexta und Quinta in 2 wöchentlichen Stunden. Vom 23. November ab übernahm Herr Pfarrassistent Widmann diesen Unterricht.

Während des Wintersemesters hielt die Schulverwalterin Frl. Lorenz einen Kursus in Gabelsberger Stenographie ab, zu dem 12 Schülerinnen der Klassen IÜb, Illa und IIIb zu gelassen wurden.

Am 27. Oktober erwarb sich Herr Oberlehrer Dr. Stockhausen vor der Königl. Prüfungs- komission in Berlin die Lehrbefähigung für Französisch.

Der Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde in den einzelnen Klassen durch Ansprachen seitens der Klassenlehrer in entsprechender Weise gefeiert.

Am 6. Januar wurde unser Neubau eingeweiht(vergl. Seite 3). Ferr Stadtbaumeister Schmidt hat uns eine Beschreibung desselben nebst einer Anzahl ihn erläuternder Abbildungen für den 1. Teil unseres Jahresberichts in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.

Schon bald nach der Feier ließ Herr Oberlehrer Dr. Strecker auf allgemeinen Wunsch seine Festdichtung im Druck erscheinen; sie kann heute noch durch die beiden hiesigen Buch- handlungen bezogen werden. In dankenswerter Weise stellte der Verfasser den Erlös zur Aus- schmückung des neuen Schulhauses dem Unterzeichneten zur Verfügung. Unseren auswärtigen Lesern übergeben wirDie Arbeit der Schule als Anlage zu unserem jJahresbericht.

In Anbetracht der Vorbereitung, welche uns die Einweihungsfeier des neuen Schulhauses verursachte und die manche Störung im Schulbetriebe im Gefolge hatte, sahen wir von einer öffentlichen Schulfeier an Kaisers Geburtstag ab. Nur im Kreise der Schule fand eine gemein- same Festlichkeit statt, wobei Herr Oberlehrer Fuldner über das ThemaDie Entwickelung der erklärenden Naturwissenschaften in der Neuzeit und ihre Bedeutung für das Kulturleben unserer Tage sprach.

Im Monat Januar wurden einigemal die Turnstunden unter Aufsicht des Turnlehrers zum Eislauf benutzt.

Das L. A. der Ministerialabteilung für Schulangelegenheiten vom 5. Februar 1900 be- stimmt, daß fortan in allen Schul- und Prüfungszeugnissen das Urteil über die Leistungen der Schüler in einem der 5 nachstehenden Noten auszudrücken ist: I= sehr gut; II= gut; III= im ganzen gut; IVV= genügend; V= ungenügend.

Die gleichen Noten sind bis auf weiteres auch für die Beurteilung des Fleißes und der Aufmerksamkeit zu verwenden. Bei der Zensierung des Betragens bleiben vorerst die seitherigen Noten in Anwendung.

Der Gesundheitszustand der Schüler und Schülerinnen war ein recht befriedigender. Von den Lehrenden wurde Herr Oberlehrer Dr. Stockhausen durch eine Kniegelenkentzündung und die Handarbeitslehrerin E. Graf durch ein ernstes Augenleiden mehrere Wochen vom Unterricht

ferngehalten.