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schon seit Jahren gewünscht und erstrebt wird, eine Reform, die auf einen Um- und auf einen Ausbau abzielt, eine Reform, die im nächsten Schuljahr von unserem größten Bundesstaat Preußen tatsächlich vorgenommen wird. Und wenn von dem Umbau der höheren Mädchenschulen eine stärkere Berücksichtigung der Verstandesbüdung, ein weiterer Raum für Naturwissenschaften und die Einfünrung in die Mathematik verlangt wird, Forderungen, denen man grundsätzlich und unbedenklich zustimmen kann, so dürfen wir erfreulicher Weise mit Genugtuung konstatieren, daß unser Lehrplan den Mädchen schon das bietet, was die höheren Mädchenschulen zu erreichen bestrebt sind. Wir haben einen Lehrplan, der auch unseren weiblichen Zöglingen die ungestörte Fortsetzung ihrer Bildungsarbeit auf der Ober-Realschule gestattet, ein Vorteil, der unter den heutigen Zeitverhältnissen, wo die drei Mittelschulen: Gymnasium, Realgymnasium und Ober— Realschule gleiche Berechtigung haben, von dem gesamtén hiesigen Publiſcum, von allen Eltern nicht hoch genug geschätzt werden kann.“
Der Rektor sprach dann noch eingehend über den Wert des letzten Schuljahres für die Mädchen und richtete im Interesse aller der Anstalt anvertrauten Zöglinge an die Eltern die ergebenste Bitte, die Schülerinnen, wenn es irgend angeht, doch den vollen Lehrgang der Schule durchmachen zu lassen. Dann wandte er sich speziell an die Schüler und Schülerinnen und ermahnte sie, ihr neues Schulhaus wie ein ihnen anvertrautes Kleinod zu behüten und schloß ungefähr mit folgenden Worten seine Ansprache:
„So lassen Sie uns denn, meine verehrten Kollegen und Kolleginnen, mit unsern Schülern und Schülerinnen Besitz ergreifen von unserem neuen Heim, durch welches speziell mir, dem Leiter der Anstalt, die Wege geebnet worden sind, einer gedeihlichen, zeitgemäßen Weiterent-— wicklung unserer Schule ungehindert meine Kräfte widmen und diesbezüglichen Fragen jederzeit näher treten zu können. Dieser Ehrenpflicht zu genügen, d. h. die Schule in zielbewußter, aber jede Ueberhastung ausschließender Weise weiter zu entwickeln, soll im neuen Schulhaus das erstrebenswerte Ziel meiner Arbeit sein, dem ich in den neuen Verhältnissen, wenn möglich noch freudiger als seither in den alten, von Tag zu Tag wacker entgegenzueilen bestrebt sein werde. Und zu diesem Vorhaben bitte ich den allmächtigen Gott um seinen Segen.“
Nach dieser Festrede trugen 9 Schüler und Schülerinnen der Klasse IIIb„Die Arbeit der Schule“ vor, eine Festdichtung zur Einweihung des neuen Schulhauses von Herrn Oberlehrer Dr. Strecker. Die„Bad-Nauheimer Zeitung“ sagte darüber:
„Sämtlichen Lehrfächern der Schule: Spiel und Turnen(E. Breitenstein), Handarbeiten
(H. Hoddes), Zeichnen und Gesang(H. Markwardt), Deutsch(M. Kayser), Geschichte(M. Fischer), Sprachen(A. Fisch), Natur- und Erdkunde(O. Stoll), Chemie und Physik(F. Reinhardt), Mathematik (E. Dieter) war je ein kleiner Abschnitt der Dichtung gewidmet. Als die 9 Schüler im Anfang der Dichtung eine Begrüssung des neuen Hiauses gemeinsam gesprochen hatten, folgte nach je 3 Lehrfächern, immer von den 3 Vortragenden gesprochen, je ein kleines, sehr hübsches Gedicht: Schönheit, Sittlichkeit, Wahrheit. Die Dichtung endete schließlich in einer groß angelegten Hymne an die Religion, die wiederum von sämtlichen Schülern gesprochen wurde. Tiefen Ein- druck hinterließen die Verse, die Bezug auf das grauenvolle Unglück in ltalien nahnmen:
Selbst wo vor grauenvollen Ungewittern
Die Herzen uns in bangen Aengsten ittern,
Soll zu dem Ew'gen noch der Blick sich wenden Soll uns den letzten Trost sein Name spenden.
Es ist nicht hier der Ort, um die wahrhaft schöne Arbeit des Dichters zu würdigen und noch weniger kann auch nur ein Bruchteil davon wiedergegeben werden. Vielleicht bietet sich die Möglichkeit, diese Festdichtung im Druck erscheinen zu ſassen; es dürfte nicht zum Schaden der Schule sein.“
Mit den Klängen des„Weihelieds“ von Dr. Strecker fand die erhebende Feier ihren Ab- schluß. Darauf folgte nun ein gemeinschaftlicher Rundgang durch die Schulräume, deren Ein-— richtungen allseitig hohes Lob gespendet wurde.—
Ein gemeinsames Mahl vereinte etwa 80 Festteilnenmer im großen Saale des Sprudel- hotels. Toaste auf S. K. H. den Großherzog, die Abteilung für Schulangelegenheiten im Mini- sterium, auf die Stadt Bad-Nauheim, den Baumeister, die Schule, das Lehrerkollegium, ebenso Deklamationen und musikalische Vorträge würzten und verschönerten das Mahl. Allen, die sich


