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Unfall den Fortgang des Baues störte; dem Herrn Stadtbaumeister Schmidt, der mit Geschmack und Verständnis den Plan erdacht und entworfen und die Bauausführung mit scharfen umsichtigen Augen überwacht hat; den Handwerkern allen, die ihn ausführten, bis zu dem einfachen Arbeiter, der an ihm des Tages Last und Hitze empfunden.— Herzlichen Dank spreche ich auch Herrn Oberlehrer Kredel aus für das Gastrecht, das einzelne unserer Klassen vier Jahre lang in seinem Schulhause mit seiner Einwilligung genossen haben. Wir sind in dieser Gemeinschaft friedlich und einträchtiglich mit einander ausgekommen, und heute spreche ich öffentlich meinen Wunsch aus, daß wir auch in alle Zukunft in treuer Freundschaft und guter Nachbarschaft mit einander weiter leben mögen.
Wir alle aber, die wir unserer Schulgemeinde angehören, wir wollen alles aufbieten, damit der schöne Schatz, den man uns heute anvertraut, auch wohl erhalten bleibe. Und da wir wissen, daß nicht stolze Hallen, nicht künstlerischer Schmuck den Wert einer Er-— ziehungsanstalt ausmachen, sondern der Geist, der in ihren Räumen waltet, und die Herzen der Lehrenden und Lernenden erfüllt, so wollen wir alle, Männer und Frauen, die wir zurzeit berufen sind, lehrend und erziehend an dieser Stätte zu wirken, in dieser Feierstunde geloben, allezeit unsere beste Kraft einzusetzen, daß der innere, der geistige Bau der Schule immer mehr dem jetzt so herrlichen äußeren Bau gemäß sich gestalte, daß die Schule immer mehr werde eine Stätte des Segens für die uns anvertraute Jugend, in der sie durch den Geist der echten Frömmig- keit, der Pflichttreue und Vaterlandsliebe auch die Vorbereitung erhalte auf das Leben außerhalb der schützenden Mauern des Elternhauses und der Schule.“—
Nun sprach der Redner in ausfürlicher Weise über Gründung und Organisation der Schule und fuhr dann fort:
„Mit aufsteigender Sexta haben wir den allgemeinen Realschullehrplan weiter eingeführt, und bis heute sind wir mit dieser Entwicklung so weit gekommen, daß wir nächste Ostern, also mit Beginn des neuen Schuljahres, die Real-Obertertia errichten. Durch diese Organisation ist unserer Anstalt bei fortschreitender Entwicklung die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst in Aussicht gestellt, und auf dieses Ziel richten sich zunächst alle unsere Hioffnungen und An— strengungen. Denn die ideale Liebe zur Bildung allein sichert nicht die ungestörte Entwicklung und Dauer einer Schulgattung; sichere gesetzlich geregelte Berechtigungen müssen der idealen Liebe zur Bildung entgegenkommen und ihr auch einen Erfolg im praktischen Leben sichern.— Als Domizil waren bei Gründung unserer neuen Schule seitens des Stadtvorstandes bis auf weiteres die Räume der seitherigen Lorenz'schen Höheren Privatschule für Mädchen, Luther-— straße 10, angewiesen worden. Leider erwiesen sich schon gleich bei Beginn des Unterrichts die Räume dieses Schulhauses als zu klein. Die Klasse Sexta mit 33 Schülern und Schülerinnen mußte in einem noch freien Saale des Stadtschulgebäudes untergebracht werden; für Kombinations- stunden wie Singen, Zeichnen und Handarbeiten, waren die vorhandenen Räume ungeeignet und kaum ausreichend, und wir mußten schon in unserem ersten Jahresbericht Ostern 1906 schreiben: „Sollte bei weiterem Anwachsen der Schülerzahl, was ja im Interesse unserer Schule nur zu wünschen ist, die Notwendigkeit eintreten, noch andere Klassen auszuquartieren, dann wird den Stadtverordneten nichts anderes übrig bleiben, als einen Neubau für unsere höhere Bürgerschule für die nächste Zeit ins Auge zu fassen.“ Und schon im Schuljahr 1900/07 reichten für die Kombinationsstunden, wie Singen, Schreiben, Zeichnen und Handarbeiten, die vorhandenen Räume nicht aus, und es mußte im Stadtschulgebäude ein zweiter Lehrsaal für diese Zwecke in Be— nutzung genommen werden. Wenn auch durch diese Einrichtung dem dringendsten Bedürfnis vorerst abgeholfen war, so blieb doch im Interesse unserer Schule die baldige Beseitigung dieses provisorischen Zustandes um so dringender zu wünschen, als die Stadtschule durch Teilung überfüllter Klassen in der allernächsten Zeit die von uns benutzten Räume selbst benötigt.
Auf diese unsere Vorstellungen zog die Stadtvertretung, damit eben unsere Schule in ihrer Entwicklung ungehemmt bliebe und das sichtbare Gedeihen unserer Anstalt durch räum- liche Schwierigkeiten nicht behindert würde, die Frage der Gewinnung neuer Schulräume ernstlich in Erwägung und beschloß die Errichtung eines Neubaues, zu dessen Weiheakte wir heute hier versammelt sind.
Und nun wird vielleicht im Stillen aus manchen Elternkreisen die Frage an mich gerichtet werden, warum wird aber unseren Mädchen durch Einführung des Realschullehrplans der Un- terricht erschwert? Ich möchte darauf erwidern, daß eine Reform der höheren Mädchenschulen


