Jahrgang 
1909
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Stadt hat dennoch alle Schwierigkeiten zu überwinden vermocht. Und für das dargebrachte Opfer dürfen die Stadtväter aber auch des lebhaftesten Dankes aller Kreise für die Zukunft ge wiß sein. Zu danken gilt es auch noch der Lehrerschaft der Volksschule für die bisher erwiesene Gastfreundschaft. Eine wichtige Mitteilung ist zu machen und zwar, daß S. K. H. der Groß- herzog am 12. Dezember 1908 Allergnädigst zu genehmigen geruht haben, daß die Höhere Bürgerschule zu Bad-Nauheim den NamenErnst Ludwig-Schule führe. Aber nicht nur die Aufmerksamkeit S. K. H. des Großherzogs ruht auf unserer neuen Schule, sondern die der ganzen hessischen Regierung. Möge denn das neue Schulhaus eine Stätte des Friedens sein, in welchem neben der Wissenschaft auch die Erziehung zur Menschenliebe gepflegt wird. Und somit über- gebe ich Ihren getreuen Händen, Herr Rektor, das neue Haus.(Entnommen dem hiesigen General-Anzeiger.)

Nach dieser Rede, die ihren Eindruck nicht verfehlte, sang der Chor der Schüler und Schüle- rinnen unter Leitung von Herrn Lehrer Walther und unter Herrn L. Marguths Klavierbegleitung aus dem OratoriumDie Schöpfung v. HaydnDie Himmel erzählen die Ehre Gottes. Hieran schloß sich die Festrede des Unterzeichneten, die etwa folgenden Inhalt hatte:

lch habe zuerst eine freudige Pflicht zu erfüllen. Nachdem S. K. H. der Großherzog Aller- gnädigst zu genehmigen geruht haben, daß unsere Schule den NamenErnst Ludwig-Schule führe, so beehre ich mich, mit aufrichtiger Freude unseren ehrfurchtsvollsten Dank hierdurch auszusprechen. Unsere Anstalt wird mit Stolz den NamenErnst Ludwig-Schule fürderhin führen, einen Namen, der uns allen, Lehrenden und Lernenden, stets ein Ansporn sein soll, auch fernerhin freudig unsere Pflicht zu tun in treuer, selbtloser Arbeit für Fürst und Vaterland.

Wir verbringen hier eine weihevolle Stunde und im Namen unserer Schule, die ich die Ehre habe, zu vertreten, danke ich Ihnen allen, hochgeehrte Damen und Herren, daß Sie unserer Einladung zu diesem Weiheakt bereitwilligst gefolgt sind und heiße Sie alle mit Ehrerbietung herzlichst hier willkommen. Lassen Sie mich Ihr Erscheinen als wertvolle Bürgschaft für eine glückliche Zukunft unserer Schule betrachten und gestatten Sie mir zugleich die ergebenste Bitte um Erhaltung Ihrer Teilnanme und Ihres Wohlwollens auch für alle folgenden Jahre.

Wenn lang gehegte Wünsche in Erfüllung gehen, dann ist des Menschen Herz von reiner Freude voll. Was wir in den vier Jahren unseres Bestehens erhofft und erlangt haben, dessen dürfen wir uns heute erfreuen, eines Schulhauses, das nicht allein allen Anforderungen der Gegenwart in pädagogischer und gesundheitlicher Hinsicht voll und ganz entspricht, sondern auch äußerlich schon als ein solcher Schmuck unserer Stadt erscheint, daß der Vorübergehende stille steht und sich an der harmonischen und ruhigen Schönheit desselben erfreut. Lehrenden und Lernenden wird man die Freude nachfühlen können, wenn es ihnen heute vergönnt ist, aus den engen und beschränkten Räumen des alten Gebäudes in diese lichten hohen Räume einzuziehen, wo die Lunge freier atmen und der Geist sich voll und ganz entfalten kann, in Räume, die in ihrer äußeren Gestaltung täglich an das Hauptziel jedes Unterrichts, an die Erziehung zum Schönen, mahnen, und jeder, der berufen ist, hier im Dienste des Schönen zu stehen, und was gibt es Schöneres als eine reine Kinderseele! wird ehrlichen und ernsten Sinnes an seinem Teile dazu beitragen, daß der Schönheit im Aeußeren die Schönheit im inneren Leben und Walten voll und rein entspreche. Neben der Empfindung dieses Frohgefühls, das Herz und Brust durchströmt, ist es das Gefühl des Dankes, das uns bewegt, und unser Dank gilt heute nicht wenigen.

Unser herzlichster Dank gebührt heute der Stadt Bad-Nauheim, Ihnen, hochverehrter Herr Bürgermeister Dr. Kayser, und Ihnen, meine hochverehrten Herren vom Kuratorium und vom Stadtvorstand, Ihnen allen, die Sie durch Bewilligung der Mittel zur Errichtung dieses Baues bekundet haben, wie sehr Ihnen das Gedeihen unserer Schule am Herzen liegt und wie hoch Sie die Bedeutung unserer Anstalt würdigen. Die Kraft des Pulsschlages für die idealen Güter der Menscheit läßt sich in jeder gleichviel, ob großen oder kleinen Gemeinde am besten an dem Schulwesen derselben und an den Opfern wahrnehmen, welche das Gemeinwesen all- jährlich für die Bildungsanstalten seiner Jugend aufwendet. Und ein Blick in unsere allernächste Umgebung legt durch die Größe und innere Ausstattung der beiden Schulgebäude ein glänzendes Zeugnis für die Wertschätzung des geistigen Lebens ab, dem unsere städtischen Behörden in weiser Fürsorge stete Pflege angedeihen lassen.

erzlichen Dank spreche ich auch allen denen aus, welche werktätig an diesem Bau gearbeitet und ihn in verhältnismäßig kurzer Zeit vollendet haben, ohne daß auch nur der geringste