II. Schulnachrichten.
1I. Bericht über die Einweihungsfeier.
In der Geschichte unserer Anstalt wird das Schuljahr 1908/00 für immer zu den denk- würdigsten gehören. Mancherlei ereignete sich, das verdient, genannt zu werden; ein Ereignis aber übertraf alle anderen an Bedeutung und soll daher an 1. Stelle dargestellt werden, da es auch für spätere Geschlechter Interesse haben wird: Die Einweihung des neuen Schulgebäudes am 6. Januar 19090.
Zu Beginn der Weihnachtsferien war der Neubau fertig, und ungestört konnte man bis zum Wiederbeginn der Schule den Ueberzug aus dem alten Schulhaus bewerkstelligen und alle Räume mit dem nötigen Mobiliar versehen. Mit Rücksicht auf die auswärtigen Gäste, zu denen auch Lehrer der nahegelegenen Gemeinden gehörten, wurde der letzte Ferientag, ein Mittwoch, als Tag der Einweihung festgesetzt.
In Scharen kamen die festlich gekleideten Schüler und Schülerinnen herbei, denen Freude aus den Gesichtern strahlte, und bis 11 ½ Uhr vormittags hatten sich die Eltern und eine stattliche Anzahl geladener Ehrengäste in unserer geschmackvoll festlich ausgestatteten Turnhalle eingefunden, an deren Rückseite die Büste unseres Großherzogs aus einem Fahnen- und Pflanzenschmuck sich wirkungsvoll abhob.
Eingeleitet wurde die Fest-Feier mit der Mendelssohn'schen Ouverture zu 4 Händen „Heimkehr aus der Fremde“, vorgetragen von den Schülerinnen A. Homeyer(IIb) und M. Gra- senick(III a).
Nach dem Chorgesang„Hebe deine Augen auf“« von Mendelssohn bestieg Herr Bürger- meister Dr. Kayser die Rednerbühne und führte etwa folgende Gedanken aus:
„Bereits vor 4 Jahren hat man sich mit dem Gedanken eines Neubaues getragen und einer Reihe glücklicher Umstände ist es zu danken, daß der Plan jetzt zur Durchführung gekommen ist. In erster Linie muß natürlich der Tüchtigkeit der Lehrkräfte gedacht werden, deren Tätigkeit einen wachsenden Besuch der Schule zur Folge gehabt hat. Dann hat sich die oberste Schul- behörde der jungen Pflanze sehr liebevoll angenommen und ihr Aufblühen gefördert. Das Haus, welches heute eingeweiht wird, hat den Zweck, in seinen Mauern unter einer tüchtigen Lehrer- schaft eine an Geist und Körper frische Jugend heranzubilden, welche dereinst für Staat und Gemeinde brauchbare Kräfte liefert. Ein besonderer Dank muß denen ausgesprochen werden, welche den Bau ausgeführt haben, so den Beamten des städtischen Bauamts, den Handwerks- meistern und Gesellen. Dieser Dank hat um so mehr Berechtigung, als der Bau ohne irgend einen Unfall zustande gekommen ist. Gern hätte man heute bei der Einweihungsfeier manchen Interessenten mehr gesehen, aber leider gestatten die Raumverhältnisse keine weitere Ausdehnung der Einladungen. Es ist für eine Stadt wie Bad-Nauheim, die sich nicht gerade übermäßigen Wohlstandes zu erfreuen hat, keine Kleinigkeit gewesen, die Geldmittel für das neue Schulhaus aufzubringen. Aber das Interesse unserer Stadtverordneten an den Schulverhältnissen unserer


