Jahrgang 
1908
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Eltern die Möglichkeit geboten, ihre Söhne, die später auf das Gymnasium sollen, die 3 ersten Jahre hier zu behalten, was in Anbetracht der großen Gefahren, welche durch die Bahnfahrt gerade den jüngeren Schülern drohen, nicht hoch genug geschätzt werden kann.

Den Eltern, welche ihre Kinder unserer Anstalt anvertrauen wollen, wird dringend empfohlen, sie möglichst früh aufnehmen zu lassen, da der Eintritt in eine höhere Klasse als die Sexta für solche Schüler, die nicht von einer Realschule kommen, mit großen Schwierigkeiten verbunden ist und nur auf Grund einer eingehenden Prüfung erfolgen kann.

Ostern 1907 bestanden unsere ersten Quintanerabiturienten Fritz Hofmann und Paul Zimmer von hier die Aufnahmeprüfung in die Quarta des Friedberger Gymnasiums.

Während der Osierferien 1907 wurde durch Allerhöchstes Dekret vom 30. März 1907 der Lehramtsassessor Jakob Fuldner zum Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Bad-Nauheim mit Wirkung vom 1. April 1907 an ernannt.

Infolge Einführung des Realschullehrplans in Quarta und der damit verbundenen Tren nung kombinierter Klassen im Zeichnen, Singen und Turnen waren 13 Stunden mehr erforderlich. Schon bei Beginn des vorigen Schuljahres mußten außerordentliche Lehrkräfte zur Erteilung von Furnen und Religion herangezogen werden. In Anbetracht dieser Verhältnisse stellte der Stadt- vorstand auf Antrag des Kuratoriums eine weitere neue Oberlehrerstelle in den Voranschlag für 1907/08 ein und durch hohe Verfügung vom 5. April 1907 wurde die provisorische Verwaltung dieser neuen Lehrerstelle dem Lehramtsreferendar am Neuen Gymnasium zu Darmstadt Theodor Heuß übertragen.

Theodor Heuß, geboren am 15. Oktober 1870 in Gernsheim am Rhein, besuchte die Volksschulen in Oppenheim und Armsheim, wurde von seinem Vater für die Quarta vorbereitet und absolvierte das Progymnasium in Alzey Ostern 1807, hierauf das Neue Gymnasium in Darm stadt Ostern 1899. Er studierte klassische Philologie in Berlin, Straßburg, Heidelberg, Gießen und bestand Juli 1905 das Staatsexamen für das höhere Lehramt in Latein, Griechisch, Deutsch. Von Oktober 19006 1907 machte er seinen Akzeß am Neuen Gymnasium in Darmstadt, war von Oktober bis Weihnachten als Volontär am Gymnasium in Bensheim beschäftigt und von januar bis Ostern 1907 provisorisch am Neuen Gymnasium in Darmstadt verwendet.

Wir betrachten es als eine angenehme Pflicht der Dankbarkeit, auch an dieser Stelle es auszusprechen, daß die städtischen Behörden durch ihre Fürsorge von neuem gezeigt haben, wie sehr ihnen das Gedeihen unserer Schule am Herzen liegt, und dem Stadtvorstand und ganz insbesondere Herrn Bürgermeister Dr. Kayser gebührt für das bewiesene Verständnis für die Be dürfnisse unserer Schule und für bereitwilliges Entgegenkommen wärmster Dank.

Durch die Besetzung dieser neu gegründeten Oberlehrerstelle mit einem Philologen war es uns ermöglicht, in der Klasse Sexta(VI) den deutschen und den französischen Unterricht in eine Hand zu legen. Von dieser Konzentration des sprachlichen Unterrichts erhofften wir in sofern einen Erfolg, als der Lehrer nun imstande war, in der deutschen Stunde mit seinen Schülern das vorzubereiten, was diesen zum Verständnis des fremdsprachlichen Lehrstoffes un- bedingt nötig war. Aber auch bei dieser Unterrichtsmethode blieben noch die Leistungen der Sexta im Französischen hinter den gehegten Erwartungen zurück, und da unsere bisherigen Er- fahrungen, daß die meisten Schüler nach 3jährigem Besuch der Volksschule zum Erlernen einer Fremdsprache noch nicht reif seien, auch in diesem Jahre bestätigt wurden, so entschlossen wir uns, wie schon vorn erwähnt, den französischen Unterricht in der Quinta beginnen zu lassen.

Schon bald nach Beginn des Schuljahrs erlitt der Unterricht eine Störung. Da Herr Pfarrer Wissig durch Krankheit im Hause der Schule ferngehalten wurde, so mußten wöchentlich zwei Religionsstunden ausfallen; glücklicherweise konnte Herr Pfarrer Wissig nach den Pfingstferien seinen Unterricht wieder übernehmen.

Nach dem Amtsblatt No. 6 vom 20. April 1907 betreffend:Die Ferienordnung wurden für die Folge unsere Pfingstferien vom Pfingstsonntag bis zum Sonntag Trinitatis, die Osterferien aber vom Sonntag Palmarum bis zum Sonntag Quasimodogeniti festgelegt. Diese Aenderung trat zu Pfingsten 1907 in Kraft.

Am 31. Mai wurde der Unterricht um 10 Uhr geschlossen; sämtliche Klassen besuchten unter Führung ihrer Klassenlehrer die von den Ortsgruppen des deutschen Flottenvereins in Friedberg veranstaltete Kriegs-Marine-Ausstellung.