Schulnachrichten.
1. Zur Geschichte der Anstalt.
Im nächsten Schuljahre wird die Umwandlung unserer 7 stufigen höheren Bürgerschule in eine Realschule mit der Berechtigung zum einjährigen Militärdienst fortgesetzt durch Ein- richtung der Realuntertertia. Die immer steigende Frequenz der Anstalt beweist am besten, wie berechtigt seinerzeit das Bestreben der hiesigen Bevölkerung war, seitens der Gemeinde eine eigene höhere Lehranstalt, d. h. eine solche von öffentlichem Charakter und von selbständiger Stellung zu besitzen. Erst wenn nach vollendetem Ausbau der Schule das wissenschaftliche Befähigungszeugnis zum einjährig-freiwilligen Militärdienst verliehen werden kann, dann werden auch diejenigen, die unserer Anstalt jetzt nicht sehr sympathisch gegenüber stehen, den eminenten Wert der Schule einsehen lernen. Wir veröõffentlichen auf Seite d' den auf Grund eingehender Beratungen des Lehrerkollegiums für Sexta(VI), Quinta(V), Quarta(IV) und Untertertia(IIIb) ausgearbeiteten und vom Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten genehmigten Unterrichtsplan, der die Eltern unserer Schüler und Schülerinnen über die von diesen Klassen zu lösenden Aufgaben orientiert und ein Verzeichnis der eingeführten Lehrbücher enthält.
Die Verteilung der Lehrpensen auf die Mädchenklassen Ober-Tertia(IIla) bis Ober- Sekunda(Ila) ist in unserm jahresberichte Ostern 1906 veröffentlicht, der jedem Interessenten kostenfrei zur Verfügung steht.
Dem lateinischen Unterricht der pProgymnasialklassen Sexta(VI) und Quinta(V) liegt der Lehrplan der Gymnasien des Großherzogtums Hessen vom Jahre 1893 zu Grunde.
Ostern 1908 tritt in der Organisation unserer Schule eine Aenderung ein. Der fran— zösische Unterricht wird aus zwingenden Gründen aus Sexta nach Quinta verlegt. Wenn sich auch begabte Kinder, falls die häusliche Beaufsichtigung nicht fehlte, das französische Sexta- Pensum aneignen konnten, so hat sich doch bei sorgfältigster Prüfung nach unseren bisherigen Erfahrungen ergeben, daß der Durchschnitt der normal begabten Kinder zum. Erlernen einer Fremdsprache noch nicht reif ist. Es fehlt eben an der Grundlage, der genügenden Kenntnis der Muttersprache. Wir erhalten auf diese Weise auch für die Sexta den eigentſichen Realschul- lehrplan, wie er in allen anderen Realanstalten des Landes eingeführt ist. Der deutsche Unter- richt in der Sexta wird um die 4 Stunden, die seither auf das Französische verwendet wurden, bereichert und kann dann sein reiches Pensum bequem erledigen und die solide Unterlage schaffen, die zur Erlernung einer Fremdsprache absolut nötig ist.— Durch diese Aenderung werden auch für die Schüler, die den in Sexta beginnenden wahlfreien Lateinunterricht besuchen, wesentliche Vorteile erzielt. Während seither bei mangelnder Begabung eines Knaben ein Wechsel zwischen Latein und Französisch mit großen Mühen verknüpft war, wird unter den neuen Ver- hältnissen ein Rücktritt vom Latein ohne weiteres möglich. Und da wir beabsichtigen, den Lateinunterricht auch auf ein drittes Jahr, die Quarta, auszudehnen, so wird dadurch den hiesigen


