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Herr Dr. Schindling übernahm den Unterricht des Frl. Wissig bis auf 2 Zeichenstunden, die Frl. Lorenz, und 2 Singstunden, die Herr Walther erhielt. Dafür gab Frl. Lorenz Geschichte in UIb und Herr Walther Geographie in VI an Herrn Schindling ab.—
Da der Sedanstag(2. September) dieses Jahr auf einen Sonntag fiel, wurde am 1. September unter Aussetzung des Unterrichts eine der Bedeutung des Tages entsprechende Schulfeier ver-— anstaltet. Nach der Feier machten die einzelnen Klassen Spaziergänge nach schön gelegenen Punkten der Umgebung Bad-Naüheims.—
Am 17. September, dem Geburtstage J. K. H. der Großherzogin, fiel der Unterricht aus.
Mit Beginn des Wintersemesters wurde der Lehramtsreferendar W. Schmidt dahier zur Vollendung seines Akzesses der Oberrealschule zu Darmstadt überwiesen.
Die Wiederimpfung der 12 jährigen Mädchen fand am 5. Oktober, die Nachschau am 12. Oktober statt.
Am 24. November wurde der Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs in den einzelnen Klassen durch Ansprachen seitens der Klassenlehrer in entsprechender Weise gefeiert.
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde am 26. Januar 1907 durch einen Schul- aktus gefeiert. Die Festrede hielt Oberlehrer Dr. Strecker.
Verlauf der Feier: 1. Chorgesang:»Herr, Deine Güte reicht so weit« von Orell. 2. Vortrag: Mein Vaterland« von J. Sturm, Bechdoldt VI. 3. Chorgesang:»Kennt ihr das Land« von Nägeli. 4. Ansprache des Oberlehrers Dr. Strecker:»Blick über die Entwickelung des deutschen Kaiser-— tums«: An das römische Cäsarentum anknüpfend vereinigt dieses die Gedanken politischer und religiöser Weltherrschaft. Das führt zu schweren Konflikten mit dem kirchlichen Oberhaupt, dem Papst. Im Innern wird das Kaisertum geschwächt durch die fortschreitende Entwicklung der kurfürstlichen und fürstlichen Selbstständigkeit. So erklärt sich der Zusammenbruch vor Napoleon. — Das neue Kaisertum beschränkt sich auf die nationalen Aufgaben und ist begründet auf die Mitarbeit des gesamten Volkes. An Schwierigkeiten und Kämpfen wird es auch in Zukunft nicht fehlen. Redner schloß dann mit den besten Wünschen zum Geburtstage des Herrschers und mit der Mahnung, sich allerseits treu und eifrig an den großen vaterländischen Aufgaben zu be-— teiligen.— An den entsprechenden Stellen des Vortrags waren folgende Gedichte eingeflochten, die zur Veranschaulichung der bedeutsamsten Epochen in der Geschichte des Kaisertums dienten: »Karls des Großen Kaiserkrönung« von E. Hobein, Heimbrecht IIla;»Heinrich der Vogler« von J. N. Vogl, Dieter V;»Wahl Konrads II« von L. Uhland, Mittelbach Illa;»Barbarossa« von Fr. Rückert, Hirsch IV;»Der Pilgrim vor St. Just« von A. von Platen, Lentz IIb;»Auflösung des Reiches 1806 von J. Braun, Hartmann lla;»Januar 1871 von Geibel, Birnbaum IIIb;»Mein Vaterland« von G. Kinkel, Kissel IIb. 5. Kaiserhoch und Feil dir im Siegerkranz.
Im Monat Januar wurden einmal die 2 letzten Vormittagsstunden zum Schlittschuhlaufen freigegeben und die Turnstunden, so lange Gelegenheit dazu vorhanden war, unter Führung der Turnlehrer zum Eislauf benutzt.
Dienstag, den 26. Februar 1907 fuhr die Klasse IIla unter Führung ihres Ordinarius Dr. Stockhausen nach Frankfurt a. Main zur Besichtigung des Kaisersaals, des Gœthehauses und Gœthemuseums.
Der Gesundheitszustand der Schüler und Schülerinnen war während des verflossenen Schuljahres ein recht befriedigender. Nur in den Monaten Januar—Februar wurden einige Kinder durch Erkrankung der Atmungsorgane längere Zeit vom Schulbesuche abgehalten. Auch im Lehrerkollegium kamen gegen Ende des Schuljahres durch Krankheit verursachte teils kürzere teils längere Unterbrechungen vor.
Da der Unterricht auch in diesem Jahre wieder nach den Herbstferien durch Versäum- nisse der Schülerinnen recht empfindlich gestört wurde, so wiederholen wir hier im Interesse eines gleichmäßigen Fortschreitens unserer Schüler und Schülerinnen unsere bereits im vorigen Jahresbericht ausgesprochene Bitte an die verehrten Eltern, ihre Reisepläne nach den durch ministerielle Verfügung festgelegten Ferien einzurichten und ihre Kinder weder vorzeitig noch über die Ferien hinaus oder später dem Unterrichte zu entziehen. Wir bemerken wieder- holt, daß wir fernerhin nur dann Dispens vom Unterricht erteilen werden, wenn entweder ein ärztliches Zeugnis beigebracht oder durch zwingende Notwendigkeit der elterliche Haushalt vor- übergehend aufgelöst wird.
Im§ 4 unserer Schulordnung sind die Vorschriften über Versäumnisse enthalten; trotz- dem kommen noch Verstöße gegen unsere getroffenen Anordnungen vor. Wir sehen uns des-—


