Jahrgang 
1907
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führte. Die Sexta begnügte sich mit einer Bahnfahrt nach dem nahen Ostheim; von hier wan- derte sie durch das Isseltal über den Hausberg nach Butzbach und kehrte gegen Abend mit der Bahn zurück. Der Tag war vom herrlichsten Wetter begünstigt.

Außer diesem Tagesausfluge wurden von den einzelnen Klassen verschiedene meist 23 stündige Spaziergänge nach den schönsten Punkten der nächsten Umgebung unserer Stadt un- ternommen.

Nachdem uns die Stadtverwaltung einen größeren Spielplatz bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte, wurde in den Sommermonaten wöchentlich einmal und zwar in 2 Nachmittags- stunden den Schülern und Schülerinnen aller Klassen zu Bewegungsspielen im Freien unter Auf- sicht der Lehrer unentgeltlich Gelegenheit geboten. Dem Stadtvorstand gebührt für das bewiesene Verständnis für die Spielbedürfnisse unserer Jugend(durch Ueberlassung eines geeigneten Platzes) wärmster Dank, ebenso den Lehrern und Léehrerinnen für die freiwillig ausgeübte Beaufsichtigung und Ueberwachung der spielenden Kinder.

Der Hitze halber mußte die 5. Vormittagsstunde, beziehungsweise der Nachmittags- unterricht verschiedenemal ausgesetzt werden.

Aus Anlaß der Einweihung der Dankeskirche fiel Donnerstag, den 21. Juni der Unter- richt aus.

Durch Dekret vom 4. juli 1906 wurde der provisorische Lehrer Friedrich Walther mit Wirkung vom 1. Juli 1906 an zum Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Bad-Nauheim ernannt.

Fräulein Christel Wissig trat wegen ihrer bevorstehenden Verehelichung am 31. August aus dem Verbande der Schule aus, dem sie seit dem 1. Mai 1905 als Schulverwalterin angehört hatte. Der Rektor hielt vor versammelter Schule und in Gegenwart des Herrn Bürgermeister Dr. Kayser folgende Ansprache an die scheidende Lehrerin:

Sehr geehrtes Fräulein Wissig!

So groß seinerzeit unsere Freude war, als wir von Ihrer Verlobung Kenntnis erhielten, so sehr bedauern wir heute lhren durch dieses freudige Ereignis bedingten Austritt aus unserer Schule. Mit Ihnen scheidet aus unserer Mitte eine durch unermüdlichen Fleiß und wahrhaft vorbildliche Berufstreue ausgezeichnete Lehrerin, und es gereicht mir zur besonderen Freude, vor versammelter Schule und in Gegenwart des Herrn Bürgermeister Dr. Kayser Ihnen sagen zu können, daß Sie durch die lebensvolle Frische Ihrer Persönlichkeit in allen Klassen, in denen Sie unterrichtet haben, die besten Lehrerfolge erzielt und daß Sie in Ihrer kurzen Berufszeit eine an regende segensreiche Tätigkeit entfaltet haben, die von allen Seiten, von Seiten Ihrer vorgesetzten Behörde und von Seiten der Eltern Ihrer Schülerinnen vollauf gewürdigt wurde. Durch Ihre in unermüdlicher Unterrichtsarbeit sich betätigende Liebe zur jugend und Ihre milde, freundliche Sinnesart haben Sie sich die Anhänglichkeit, Dankbarkeit und Verehrung aller Ihrer Schülerinnen, und durch Ihren tüchtigen, lauteren Charakter und Ihr liebenswürdiges, echt kollegiales Wesen die Achtung und die Zuneigung des gesamten Kollegiums in seltenem Maße erworben. Ich danke Ihnen im Namen der Schule für alles, was Sie ihr geleistet haben, herzlich und aufrichtig. Leben Sie wohl und nehmen Sie unsere besten Wünsche mit in Ihren neuen Stand.

Anschließend an diese Feier, die durch den dreistimmigen Chorgesang»Ach bleib mit Deiner GCnade« eingeleitet und geschlossen wurde, fand die Vorstellung und Amtseinführung des Nachfolgers des Frl. Wissig, des Herrn Lehramtsreferendar Dr. Schindling, statt, dem durch ministerielle Verfügung vom 30. August die provisorische Verwaltung einer Lehrerstelle an der Höheren Bürgerschule zu Bad-Nauheim mit Wirkung vom 1. September 1006 übertragen worden war.

Bernhard Schindling, geb. am 3. März 1880 zu Hattersheim, Kreis Höchst a. M., katholischer Konfession, trat nach 3jährigem Besuche der Flementarschule seines Heimatsdorfes im jahre 1880 in das damalige Realprogymnasium zu Geisenheim a. Rh., das er 1895 mit dem Reifezeugnis für Einjährig-Freiwillige verließ. Er setzte seine Gymnasialstudien fort an dem Humanistischen Gymnasium zu Montabaur, wo er 1800 das Maturitätszeugnis erwarb. Er bezog nun nacheinander die Universitäten Freiburg i. B., München, Münster i. W., Paris, Straßburg i. E., wo er sich dem Studium der modernen Sprachen widmete. Am 1. August 1904 bestand er bei der philosophischen Fakultät der Universität Straßburg die Doktorprüfung auf Grund seiner Dissertation»Die Murbacher Glossen, ein Beitrag zur ältesten Sprachgeschichte des Oberrheins.« Am 27. Juli 1906 legte er vor der Prüfungskommission in Straßburg sein philologisches Staats-

examen ab.