Jahrgang 
1906
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Es wurde 1. den Oberlehrern und Assessoren a) falls verheiratet, eine Ortszulage von 500 Mark, b) falls ledig von 300 Mark, 2. den seminaristisch gebildeten Lehrern und Schulverwaltern a) falls verheiratet von 400 Mark, b) falls ledig, sowie den Lehrerinnen von 200 Mark bewilligt.

Fräulein Graf, Industrielehrerin an der hiesigen Stadtschule, übernahm den Hand- arbeitsunterricht; Herr Pfarrer Wissig war so freundlich den evangelischen Religionsunter- richt in den mittleren und oberen Klassen zu erteilen; Herr Pfarrkurat Erker die katho- lischen und Herr Lehrer Oppenheimer die israelitischen Religionsstunden.

Als Schuldienerin fand Frau Franke, die Witwe des verstorbenen Schuldieners Martin Franke, Verwendung. So vorbereitet trat dann unsere neue Anstalt mit einem Bestand von 102 Schülern und Schülerinnen zu Ostern 1905 ins Leben.

Am ersten Mai fand unter einer sehr zahlreichen Beteiligung aus den Kreisen der Eltern, der Stadtverordneten, des Kuratoriums und sonstiger Freunde der Anstalt in der geräumigen Turnhalle der Stadtschule ihre feierliche Eröffnung statt. Herr Bürgermeister Dr. Kayser führte im Auftrage der Grossherzogl. Regierung den unterzeichneten Rektor in sein Amt ein, begrüsste im Namen der städtischen Behörden den Leiter der Schule und das versammelte Kollegium und sprach allen, die bei dem überaus betriedigenden Zustande- kommen der Schule mitgewirkt, vor allem dem Grossherzoglichen Ministerium, der Stadt- verordnetenversammlung und den Leitern und Lehrern der früherenHöheren Privatschule für Mädchen aufrichtigen Dank aus. Der Unterzeichnete wies sodann auf die Notwendig- keit eines ständigen Einvernehmens zwischen dem Elternhause und der Schule hin, be- zeichnete es als ein Ziel der Schule, nicht blos Kenntnisse, sondern auch eine innige Gemüts- bildung in die Herzen der Kinder zu pflanzen und bat den Allmächtigen um seinen Segen für die unter seine Leitung gestellte Höhere Bürgerschule, für Lehrer und Schüler, welche heute in dieselbe eintreten. Er dankte dem geehrten Herrn Vorredner für seine soeben an ihn gerichteten Begrüssungsworte, er dankte den hohen Behörden für das grosse Vertrauen, welches sie auf ihn setzten, indem sie ihm ein so verantwortungsreiches Amt, übertrügen, begrüsste das Lehrerkollegium und die Kinder der Anstalt und wies die Lehrer, Schüler und Schülerinnen auf den Ernst und die Grösse der Aufgabe hin, die vor ihnen liege. An das Lehrer-Kollegium richtete er die Bitte, mit ihm zu wirken an den hohen Aufgaben der Erziehung und ihm das Vertrauen entgegenzubringen, welches zu einem vereinten gedeih- lichen Wirken für das Wohl der Schule unerlässlich sei. Speziell an die Kinder sich wen- dend, sagte er:lch fordere von Euch nicht wenig, ein offenes Herz und willigen Gehorsam, treuen Fleiss und nimmermüde Teilnahme am Unterricht. Kommt Euren Lehrern mit Ehr- erbietung stets entgegen. Drückt Euch aber einmal etwas das Herz, so kommt getrost zu mir. Ich bin nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, Eure Wünsche anzuhören und gewissenhaft zu prüfen. Im Namen des Kollegiums richtete sodann Kollege Dr. Strecker von Ebrerbietung und Vertrauen getragene Worte an die beiden Vorredner und legte Zeugnis ab von dem inneren Ernst und der Berufsfreudigkeit, mit welcher die Lehrerschaft an ihre hohe Aufgabe herantritt.

Darnach versammelten sich die Schüler und Schülerinnen in ihren Klassenzimmern, um über den am folgenden Tag, am 2. Mai 1905 beginnenden Unterricht das Nötige zu erfahren. Leider erwiesen sich schon gleich bei Beginn des Unterrichts die Räume unseres von der Stadt auf 5 Jahre gemieteten Schulhauses als zu klein. Die Klasse Sexta(VI) mit, 33 Schülern und Schülerinnen musste in einem noch freien Saale des uns benachbarten Stadtschulgebäudes untergebracht werden; für Kombinationsstunden wie Singen, Zeichnen und Handarbeiten waren die vorhandenen Räume ungeeignet und kaum ausreichend. Sollte bei weiterem Anwachsen der Schülerzahl, was ja im Interesse unserer Schule nur zu wünschen ist, die Notwendigkeit eintreten, noch andere Klassen auszuquartieren, dann wird den Stadtverordneten nichts anderes übrig bleiben, als einen Neubau für unsere Höhere Bürger- schule für die nächste Zeit ins Auge zu fassen.

Noch vor Beginn des Schuljahrs waren auf Wunsch des Unterzeichneten kleinere bauliche Veränderungen im Gebäude, so namentlich in der Abortanlage vorgenommen worden. Lehrer-