Jahrgang 
1906
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und Rektorzimmer wurden freundlich ausgestattet und die in einzelnen Klassen noch fehlenden Subsellien und Lehrgeräte neu angeschafft. Wir sprechen den städtischen Behörden, insbesondere Herrn Bürgermeister Dr. Kayser und den Herren Stadtverordneten für bereitwilliges Entgegen- kommen unsern besten Dank aus

Am 9. Mai wurde die hundertste Wiederkehr des Todestages unseres grossen Dichters Schiller mit allen Klassen in Gegenwart sämtlicher Lehrer in dem grossen Singsaale der Stadt- schule gefeiert. Die Chorklassen leiteten die Feier durch den Gesang des Liedes:Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren ein, worauf Herr Dr. Strecker die Festrede hielt. Der Redner hob hauptsächlich diejenigen Züge an dem grossen Dichter und Menschen hervor, die eine reiche innere Beziehung seines Denkens und Schaffens zur Lehr- und Lerntätigkeit der Schule herzustellen geeignet sind. Er betonte, wie Schiller selbst seine besondere sowohl wie die ver- antwortungsreiche Lebensaufgabe aller Künstler dahin bestimmt habe, dass sie Bildner und Er- zieher der Menschheit seien. Sowohl in seinen ästhetischen Briefen als in dem bekannten Gedicht Die Künstler und an vielen sonstigen Stellen findet diese Auffassung klaren und schönen Aus- druck, und die Bemerkungen, die da über die ungeheure Wichtigkeit der Gefühlsbildung(neben der Verstandesübung und der Willenszucht) gemacht werden, verdienen auch heute noch seitens aller Lehrenden herzliche Beachtung. Den Lernenden aber möge Schiller als Beispiel eines sich selbst unermüdlich fortbildenden und unter den widrigsten äusseren Verhältnissen mit eisernem Fleiss schaffenden Menschen vorleuchten.

An passenden Stellen waren in die Rede die folgenden Deklamationen eingeflochten:

1) Der Schütz(Paul Zimmer VI).

2) Rätsel(E. Kegelmann IV).

3) Der Taucher(Fr. Hartmann, G. Heinrich, M. Huber, H. Mittelbach, M. Sturmfels, IIIb). 4) Die Teilung der Erde(Dora Happel IIIa).

5) Kassandra(Lisbeth Weber und Alice Höper IIb)

6) Pikkolomini III, 8 u. 9(Else Wicke und Auguste Lentz IIa)

Wir hoffen, dass diese schöne Feier die Liebe zu unserem Dichter in den Herzen unserer Kinder vertieft und verstärkt hat und mit dazu beitragen wird, dass auch die heranwachsende Generation des Dichters Werke gern liest und dem Dichter selbst ein bewunderndes und dank- bares Andenken bewahrt. Am Schlusse der Feier wurde den Schülern und Schülerinnen je eine Schillerlocke überreicht, die von einer hiesigen Familie zum Andenken an diese Feier gestiftet worden waren. Es sei gestattet, den gütigen Gebern unseren Dank hier öffentlich abzustatten.

Der Schulausflug fand am 17. Juni statt. Die 7 Klassen fuhren in Begleitung ihrer Lehrer und Lehrerinnen mit der Bahn über Friedberg und Nidda nach Schotten. Von hier aus erfolgte eine schöne Fusswanderung über den Altenburgskopf, das Lehrerheim und Michelbach nach Breungeshain, von wo aus der Hoherodskopf erstiegen wurde. In dem gastlichen Klubhaus daselbst und in dem angrenzenden Walde ruhte dann später die muntere Schar wauderfroher Knaben und Mädchen bei recht preiswürdigen Erfrischungen aus, an der herrlichen Aussicht und der wunderbaren Farbenpracht der Heide sich ergötzend. Und wer jemals Gelegenheit hatte, in dem majestätischen Dom der Wälder des Vogelsberges dem süssen Flüstern der Bäume zu lauschen, wenn der Abendwind Wipfel zu Wipfel neigte, wer daselbst am grünen Ufer der klaren Bäche geruht und dem Plätschern der hüpfenden Wellen zugehorcht, wer auf seinen Höhen ge- standen und die reine Luft geatmet und den Blick über die schöne Landschaft hat streifen lassen, wird mit uns empfinden, wie herrlich die Partie war, die sich unsere Schule als Tagesausflug wählte. Leider mahnte der Heimweg nur zu bald zum Abstieg vom Berge. Drei in Breunges- hain gemietete Leiterwagen brachten uns, wenn auch mit einigen Hindernissen, so doch in recht animierter Stimmung gegen 5 Uhr nach Schotten und der Eisenbahnzug über Nidda und Fried- berg gegen Abend wieder nach Bad-Nauheim zurück.

Ausser diesem Tagesausfluge wurden von den einzelnen Klassen verschiedene meist 2 bis 3stündige Spaziergänge nach den schönsten Punkten der nächsten Umgebung unserer Stadt unter- nommen. Der Hitze halber musste die 5. Vormittagsstunde, beziehungsweise der Nachmittags- unterricht verschiedenemal ausgesetzt werden.

Im Monat Juni nahmen 3 Töchter des hier zur Kur weilenden Londoner Arztes Dr. Walter Amsden als Gastschülerinnen am Unterricht in den Klassen IIIa und IIa teil.

Donnerstag, den 17. August, nahm Herr Direktor Dr. Landmann von der Viktoriaschule und dem Lehrerinnenseminar zu Darmstadt im Auftrage des Grossherzoglichen Ministeriums, Ab- teilung für Schulangelegenheiten, eine eingehende Prüfung der Höheren Bürgerschule vor.