— 4—
nehmen sollte. Der Rektor fand es bei seiner Berufung bereits vor. Es besteht gegen- wärtig aus dem Herrn Bürgermeister Dr. Kayser als Vorsitzendem, sowie den„ Hotelbesitzer Aletter,
„ Stadtverordneten Breidenbach,
„ Dr. med. Hirsch,
„ Dr. med. Homeyer,
„ Stadtverordneten Lentz,
„ Hotelbesitzer Sprengel,
„ Herrn Stadtverordneten Wörner
und dem Rektor der Schule.
Den neuen Verhältnissen entsprechend musste eine grössere Zahl zum Teil recht eingehender Beratungen erfolgen. Es ist dem Unterzeichneten ein Bedürfnis, für das sehr freundliche Entgegenkommen sämtlicher Herrn und die verständnisvolle und tatkräftige Unterstützung, welche er bei den schwierigen ersten Organisationsarbeiten von ihrer Seite gefunden hat, an dieser Stelle öffentlich seinen warmempfundenen Dank auszusprechen.
Gleich in der ersten Sitzung des Kuratoriums am 6. April 1905, welcher der unter- zeichnete Rektor auch beiwohnte, war man einstimmig der Ansicht, dass an dem Vormittags- unterricht, der sich an vielen Orten und auch an der hiesigen Lorenzschen„Höheren Privat- schule für Mädchen“ vom unterrichtlichen wie gesundheitlichen Standpunkt vollkommen be- währt hatte, festzuhalten sei. Der Leiter beantragte demgemäss bei hoher Schulbehörde die entsprechende Genehmigung.
Auf Anordnung der oberen Schulbehörde stellte der Rektor am 11. April 1905 einen Lehrplan, d. h. die Verteilung der Lehrgegenstände auf die einzelnen Klassen nach der Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden(siehe 3. Lehrplan, a) auf, den das Ministerium bei Besetzung der nötigen Lehrstellen zu Grunde legte.
Durch Ministerialverfügung vom 11. April 1905 wurde dem Lehramtsassessor Dr. Strecker an der Realschule zu Oppenheim die provisorische Verwaltung einer Lehrerstelle an der Höheren Bürgerschule zu Bad-Nauheim mit Wirkung vom 1. Mai 1905 übertragen.
Reinhard Strecker, geboren am 22. Januar 1876 zu Berlin, evangelisch, besuchte die Gymnasien zu Siegburg, Köln(Friedrich-Wilhelm-Gymnasium), Colmar i. Els. und Mainz. An letztgenannter Anstalt bestand er im Herbst 1896 die Reifeprüfung. Er studierte darauf an den Universitäten Greifswald, Heidelberg, Leipzig und Giessen. Hier promovierte er im März 1901 mit einer Abhandlung über den„ästhetischen Genuss“* und bestand die Prüfung für das höhere Lehramt im August desselben Jahres. In das pädagogische Seminar am Gymnasium zu Giessen eingetreten, wurde er von Dezember 1901 bis Februar 1902 mit der Vertretung eines erkrankten Kollegen an der höheren Bürgerschule in Hungen betraut. Ostern 1902 bis Ostern 1904 war er an der Realschule zu Butzbach tätig, wo er im Ok- tober 1903 zum Lehramtsassessor befördert wurde. Ostern 1904 bis Ostern 1905 wirkte er an der Realschule zu Oppenheim am Rhein. Im Januar 1906 wurde er als Oberlehrer an der Höheren Bürgerschule zu Bad-Nauheim definitiv angestellt.
Durch Ministerialverfügung vom 13. April 1905 wurde dem Lehramtsassessor Dr. Stockhausen in Offenbach a. M. die provisorische Verwaltung einer Lehrerstelle an der Höheren Bürgerschule zu Bad-Nauheim mit Wirkung vom 1. Mai 1905 übertragen.
Hermann Stockhausen, geboren am 19. November 1872 zu Offenbach a. M., evangelischer Konfession, besuchte daselbst die Realschule von Ostern 1878 bis Herbst 1884; von da ab das Städtische Gymnasium(jetzt Lessing-Gymnasium) zu Frankfurt a. M., das er Ostern 1892 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Vom 1. April 1892 bis dahin 1893 genügte er seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger in Giessen und war gleichzeitig an der dortigen Universität immatrikuliert. Von Ostern 1893 bis dahin 1897 studierte er an der Berliner Universität deutsche Sprache und Litteratur sowie Englisch, bestand im Juli 1898 nach Einreichung einer Dissertation„Studien zu Platens Balladen“ in Berlin die mündliche Doktorprüfung und wurde im Februar 1899 zum Dr. phil. promoviert. Nach vorübergehendem Aufenthalt in England und 1 ½ jähriger privater Tätigkeit als Redakteur legte er im Juni 1902 vor der Wissenschaftlichen Prüfungskommission Berlin die Prüfung für das höhere Lehrfach ab und erhielt die Lehrbefähigung im Deutschen für die erste, im Englischen und der Geschichte für die zweite Stufe.— Von Mitte August 1902 bis Ostern 1903 war er
* Als Buch erschienen im Verlage der Rickertschen Universitätsbuchhandlung in Giessen.


