Aufsatz 
Unser Landheim zu Niedernhausen i. O. : Warum strebte die Eleonorenschule nach einem Landheim? / Dr.Heldmann
Entstehung
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der Bergpredigt, ein Lied kirchlicher Dichter ver⸗ tiefen kann. 6elegenheit zum Beſuch des 6ottes⸗ dienſtes beider Konfeſſionen iſt ſchon dadurch ge⸗ boten, daß wir den Uechſel im Landheim auf den Montag verſchoben haben. Wiederholt haben die rein⸗evangeliſchen klaſſen an kirchlichen Feſten des Ortes tätig teilgenommen. jedenfalls haben wir Freunde des Landheims auf 6rund unſerer Beobachtungen die Überzeugung gewonnen, daß die ſittlichen und religiöſen Werte, die im Land⸗ heimleben liegen, den ſachteil der Störung des Unterrichts und den Hufwand der Koſten wohl überwiegen. Es wurde überdies von einzelnen Hmtsgenoſſen erhöhte Leiſtungsfähigkeit und Huf⸗ merkſamkeit im Unterricht nach der Rückkehr ihrer Klaſſen feſtgeſtellt. Es kommt hier wie bei jedem Erziehungswerk auf die perſönlichkeit des Lehrers oder der Lehrerin an. Don der rbeit des Lehrers müſſen wir auch ſprechen. Denn

für den Lehrer bedeutet der Hufenthalt im Land⸗ heim nicht etwa Erholung und berlängerung der Ferien. Er bringt ein Opfer; er übernimmt, wenn er in das Tandheim geht, eine ſchwere Hufgabe. Schon das dauernde Zuſammenſein mit den Schüle⸗ rinnen erfordert Nervenkraft; auf ihm laſtet die Derantwortung. Wenn wohlmeinende Eltern etwa am Bahnhof bei der breiſe dem Klaſſenführer »gute Erholung⸗ wünſchen, ſo haben ſie wohl die beſte Rbſicht, aber nicht die volle éinſicht in die Rnforderungen, die dort geſtellt werden, wo der Lehrer oder die Lehrerin Dater oder IMutter einer ſo großen Kinderſchar ſein müſſen. ber freilich, der rechte Erzieher braucht nur in die Hlugen der Kinder zu ſchauen, die ihm dankbar ſind, und er erhält hier ſeinen Lohn für ſeine reichliche Mühe und hört daneben auch manches Dankeswort aus Elternmund.

(husUnſer Candheim- 1920.) Kkiſſinger.

Wie wir unſer Landheim verwalten.

Der»Reichsbund der deutſchen Schullandheime⸗, der vor zwei jahren unter ſlitwirkung des Berliner Zentralinſtituts für Erziehung und Unterricht ge⸗ gründet wurde, um»die Schullandheimbewegung in Deutſchland zu fördern und damit erneuernd auf das Schulweſen einzuwirken«, umfafßzt jetzt über 150 Heime. Sie alle dienen dem gleichen Zweck, ſind jedoch nach 6röße und Einrichtung ſehr ver⸗ ſchieden. Manche von ihnen ſind für eine Hnzahl von Schulen beſtimmt, die meiſten gehören indeſſen nur einer einzigen. Die einen werden ausſchließ⸗ lich in den Ferien benützt(»Ferienheime«), die andern während der Schulzeit, in einigen dauert der Hufenthalt einen oder zwei lage(Samstag und Sonntag), in anderen eine bis 4 Wochen. In den einen wird Unterricht erteilt, in den andern nicht. Das größzte beſtehende Landheim iſt das der Stadt Frankfurt a. WI. auf dem ehemaligen Iruppen⸗ übungsplatz Wegſcheide im Speſſart. Es ſteht allen Frankfurter Schulen zur Derfügung und hat Raum für 1700 Inſaſſen. Unſer Landheim, das Betten für 25 Schülerinnen hat, gehört demnach zu den kleineren. Es iſt 25 Kilometer von Darmſtadt ent⸗ fernt. ndere heime liegen noch viel näher bei der Schule, wieder andere machen eine weite Reiſe nötig: Das Landheim der Düſſeldorfer Oberreal⸗ ſchule am Fürſtenwall ſteht im Hllgäu, 500 kilo- meter vom Schulort entfernt.

ſlur eine geringe Zahl dieſer feime wird von Kommunen oder Wohlfahrtsorganiſationen unter⸗ halten, die weitaus meiſten wurden von den Schulen ſelbſt geſchaffen, die im Derein mit der Elternſchaft die nötigen Mittel aufbringen. Huch die Eleonoren⸗ ſchule ſchuf ſich 1922 ihr Landheim aus eigener Kraft. Kurz entſchloſſen mietete ſie ein gerade frei werdendes, der ev. Kirche zu Hliedernhauſen im Odenwald gehöriges Rnweſen. Die Leitung über⸗ nahm ein aus dem Lehrkörper gebildeter Husſchuß. Ein Teil der Einrichtung wurde mit dem haus über- nommen, oieles ſtifteten Eltern und 6önner, anderes wurde gekauft, z. B. die 25 Betten aus Militär⸗ beſtänden mit den dazu gehörenden Strohſäcken.

Die erſten notwendigen 6eldmittel wurden aufgebracht durch Sammlungen unter den Schüle⸗ rinnen, durch Dortragsabende und Stiftungen. Die laufenden Husgaben für liete uſw. ſollten durch Hufenthaltsgebühren beſtritten werden, die trotz ihrer geringen föhe fürs erſte auch ausreichten. Dann aber zehrte die immer gröfjer werdende In⸗ flation die geringen vorhandenen Mittel auf, ſo daß in Zeiten, in denen das heim nicht belegt war (und die gab es damals!), ſelbſt für die kleinſten Husgaben keine Deckung vorhanden war. So wur⸗ den die Husſichten für die Zukunft des Landheims immer trüber und ſchließlich ſogar ſein Fortbeſtehen aufs ernſteſte gefaͤhrdet, als das Mietjahr im ferbſt

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