aber die ſausordnung muß beachtet werden. Sie darf auch durch Beſuch des Elternhauſes nicht ge⸗ ſtört werden, darum hat ſich der Brauch heraus⸗ gebildet, einen lLag für dieſen Beſuch ſich auszu⸗ bitten. Das ſchliefft nicht aus, daß auch an einem Wochentag der Direktor— vielleicht mit herrn IMliniſterialdirektor Urſtadt oder hHerrn Staatsrat Block— zum Kaffee aus der heimat herüberge⸗ wandert kommt, ſich an der Freude ſeiner Mädchen zu ergötzen.
Worin beſteht nun die erzieheriſche Kraft des TLandheims? Im Landheim ſtehen die Schüle⸗ rinnen mehr wie in der Schule in dau⸗ erndem derkehr mitdem Lehrer oder der Lehrerin, die hier unendlich viel mehr Möglichkeit haben, die Iläd⸗ chen kennen ꝛu lernen und erꝛiehe⸗ riſch auf ſie einzu⸗ wirken, als dies die Unterrichtsſtun- den geſtatten. Dor allem wirkt aber auch die Erziehung durch die Gemein⸗ ſchaft. Notwendig iſt bei ſolchem Zu⸗ ſammenleben die Ordnung. Im Zimmer, auf der Waſchbank, an der Wand iſt nur wenig platz. Ohne ſtrengſte Ordnung geht es da nicht. Da gilt es, darauf ꝛu achten, ob die Betten glatt ſind, wo die Ruckſäcke liegen, ob die Kleider richtig hängen, die Schüſſeln, Kannen, Waſchzeuge uſw. ſauber ſind. Der klaſſen⸗ geiſt verlangt Unterordnung; er duldet nicht un⸗ freundliches Benehmen, tadelt Eigenwilligkeit, ver⸗ weiſt Unduldſamkeit, entwickelt 6emeinſchafts⸗ eigenſchaften auch beim éinzelkind. Einem ver⸗ wöhnten Kinde mag es anfangs merkwürdig vor⸗ kommen, daß es ſelbſt ſeine Schuhe putzen mußz. Zaghaft erfaßt es anfangs den putzlumpen und erfüllt dann gern, vom 6emeinſchaftsgeiſt getrieben, auch weniger willkommene Obliegenheiten.
Dieſes 6emeinſchaftsgefühl zu pflegen, iſt eine wichtige fufgabe des Erziehers. Hlles ſoll er ver⸗ meiden, was die berſchiedenheit der häuslichen Derhältniſſe hervorheben könnte. Im Landheim
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Herr Miniſterialdirektor Urſtadt bei der F Ib im Landhelm.
ſoll es nicht reich und arm geben. Dir nehmen alle Schülerinnen mit, auch wenn ſie die Koſten des Hufenthaltes nicht tragen können. Wer Kuchen aus dem Elternhauſe erhält, muß lernen, daß Mit⸗ teilen Freude macht. Die Schülerinnen ſollen ſich gemeinſam freuen. Don beſonders gemeinſchafts⸗ bildender Kraft iſt das Spiel, der 6eſang. hHier muß die einzelne ſich einfügen. Eés wird darum auch draußen viel geſungen, mit und ohne Zupf⸗ geige, bei den 6ängen, bei der hausarbeit, bei der Hbendunterhaltung, beim Spiel im Hof und 6arten. — Zu dieſer 6emeinſchaft gehört auch der Lehrer; bei uns iſt es der klaſſen⸗ lehrer. Er teilt voll⸗ ſtändig das Leben der Schülerinnen. In der Schule lernt er an ihnen nur einzelne Seiten kennen, die für den Unterricht wertvoll ſind, hier aber den ganzen Ilenſchen. mManche Schülerin gewinnt hier ge⸗ waltig; der Lehrer bekommt einen tie⸗ feren Einblick in ihr Weſen, und um ſo wichtiger und ver⸗ antwortungsvoller wird ihm ſeine erzieheriſche Hufgabe. Die Schülerin empfindet dies dankbar. Freilich ſind dies Dinge ſo feiner frt, daß ſie dem Hußenſtehenden ſich oft verſchließfen. Wer aber ein offenes Huge hat, merkt es an vielen Einzelheiten. hier entwickelt ſich das dertrauensverhältnis, das wir erſtreben und im Unterricht nicht immer erlangen. 6erade die Seele des Mädchens enthüllt ſich leichter bei ſolch engem berkehr, wie ihn das Landheim bietet; es entwickelt ſich die emporſchauende Liebe zum Lehrer oder zur Lehrerin, die uns Erzicher mit ihrer Blüte belohnt.
Erwächſt das 6emeinſchaftsgefühl auf dieſer ſitt⸗ lichen 6rundlage, ſo iſt auch der Boden bereitet für die religiöſe 6emeinſchaft, zumal wenn es der Lehrer verſteht, hier taktvoll anzuregen. Das Sternenmeer, der rauſchende Bergwald er⸗ wecken in empfänglichen Kindesgemütern religiöſe Rhnung, die ein Wort aus den Pſalmen, ein Stück


