Aufsatz 
Unser Landheim zu Niedernhausen i. O. : Warum strebte die Eleonorenschule nach einem Landheim? / Dr.Heldmann
Entstehung
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fahrungsgemäß doch meiſt in Haſchereien angelegt wird und außzerdem leicht Rnlaß zu Heid geben, ſowie 6egenſatze hervortreten laſſen kann, die im Landheim unter allen Umſtänden vermieden werden müſſen. Für nſichtskarten kann man allenfalls Freimarken oder einen ausdrücklich dafür zur Derfügung geſtellten kleinen Betrag mitgeben.

mitzubringen iſt außer dem notwendigen Waſchzeug und Erſatzwäſche ein zweites(nicht zu gutes Kleid, ein paar Pantoffeln, zwei handtücher, ein Küchenhandtuch und an Bettwäſche ein Bettuch, ein Überzug und ein Kiſſenbezug. Die Wäſche wird nach Rückkehr zu Hauſe gewaſchen.

Da alle täglichen frbeiten von den Schülerinnen ſelbſt in durchaus befriedigender Weiſe erledigt werden, können wir eine Wirtſchafterin, wie ſie andere Landheime haben, entbehren und die Koſten ſparen. Im Intereſſe einer ſtetigen und gleichmäßigen Führung des Betriebes wäre es indeſſen doch wünſchenswert, daß ſtändig eine Hufſichtsperſon im hauſe weilte. Dielleicht läßt ſich ſpäter auch das einmal ermöglichen. jetzt ſteht, wenn keine Klaſſe draußen iſt, das heim völlig leer. Die Hb⸗ ziehenden übergeben dann die Schlüſſel des blitz⸗ blank hinterlaſſenen! Hauſes unſerem Dorfnach⸗ barn, der während unſerer Hbweſenheit in liebens⸗ würdiger Weiſe für fufſicht ſorgt.

Die Lebensmittel kaufen wir im Dorfe ſelbſt von den Bauern und in den Läden, wobei wir möglichſt alle 6eſchäfte zu berückſichtigen ſuchen. Wir wiſſen, daß man darauf ſieht und uns als Hbnehmer ſchätzt.

Die Reihenfolge der ins heim gehenden Klaſſen wird am Rnfang des jahres feſtgelegt. Zuerſt wird jeder eine Woche zugeteilt, dann kann ſich, wer will, noch für eine zweite vormerken laſſen. Die ſich am Hufenthalt nicht beteiligenden Schüle⸗ rinnen werden während der Übweſenheit ihrer Klaſſe in der parallelklaſſe mitunterrichtet. Da wir Wert darauf legen, daß keine ſich wegen der Koſten ausſchließt(vergl. oben!), iſt außer in Krankheits⸗ fällen wohl meiſt übergroße fingſtlichkeit der Eltern daran ſchuld. Hlle ſollten indeſſen bedenken, welche großfen geſundheitlichen und vor allem auch welche erzieheriſchen Dorteile ihr Kind von einem ge⸗ meinſamen Landheimaufenthalt hat.

Wir benützen das heim das ganꝛe Jahr hindurch, im Winter allerdings nur, wenn das Wetter Winter⸗ ſport zu treiben ermöglicht. Da es unſeren Schüle⸗ rinnen auch in den kerien offenſteht, haben die

Eltern 6elegenheik, ihren Kindern einen billigen Ferienaufenthalt unter zuverläſſiger Hufſicht zuteil werden zu laſſen. ndere, die verreiſen, ohne ihre Kinder mitnehmen zu können, ſind dankbar dafür, ſie während ihrer bweſenheit in guter hut zu wiſſen. WManchmal laſſen ſich auch frühere Schülerinnen mit ihren chemaligen Lehrern während der Ferien für einige lage im heim nieder, andere benützen es für Zuſammenkünfte, ohne über Hacht zu bleiben. So bildet das Landheim zugleich auch ein wert⸗ volles Bindemittel zwiſchen der Schule und ihren chemaligen Schülerinnen. Fremden ſteht es in⸗ deſſen nicht zur Derfügung, denn es iſt nicht zu verwechſeln mit einer Jugendherberge.

Im Jahre 1927 war das Landheim von Ilärz bis Ende November faſt ununterbrochen belegt. Sämt⸗ liche Klaſſen, mit Husnahme einer neu aufge⸗ nommenen Sexta, waren mindeſtens einmal eine Woche lang dort. Im Ilärz und in den Oſterferien feierten die beiden abgehenden Unterſekunden draußen Hbſchied von Schule und Landheim. Die Sommerferien brachte eine gemiſchte Hbteilung im heime zu(darunter auch zehn Ilädchen aus der oben erwähnten Sexta), in den herbſtferien weilte eine frühere Klaſſe dort. Im November ſtellten wir das Haus, wie ſchon öfter, dem hauswirtſchaft⸗ lichen Seminar zur Derfügung, das zum großzen Teil aus ehemaligen Eleonorenſchülerinnen beſteht. Erſt im Dezember ruhte der Betrieb. Durch⸗ ſchnittlich genießt jede unſerer Schülerinnen alljähr⸗ lich ein- bis zweimal einen Landheimaufenthalt von je einer Woche. Die éinrichtung iſt in dieſer hinſicht günſtiger als ſonſt. Die Frankfurter Schul⸗ kinder z. B. bringen durchſchnittlich nur einmal in ihrem Schulleben einen Sommermonat auf der Wegſcheide zu. Bei uns hat die Eéinrichtung, wie wir ſie getroffen haben, ſich bewährt. Die Hin⸗ hänglichkeit unſerer Schülerinnen an ihr Land⸗ heim hat ſich in den ſechs Jahren ſeit ſeiner 6rün⸗ dung nicht vermindert, trotzdem der Reiz der Nleu⸗ heit vorüber iſt. Die Landaufenthalte ſind uns zu einer lieben 6ewohnheit geworden und das Land⸗ heim zu einem untrennbaren Beſtandteil der Eleo⸗ norenſchule. Schule und Elternhaus kennen ſeine werte und möchten es nicht mehr miſſen. Don Jahr zu Jahr iſt die Zahl der Beſucher und der Beitragzahlenden gewachſen, heute ſind es nur noch 10% unſerer Schülerinnen, die aus irgend⸗ welchen 6ründen noch keinen Landheimaufenthalt genoſſen haben. Dr. Heldmann.