Aufsatz 
Griechischer Unterricht auf homerischer Grundlage
Entstehung
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Und Odysseus in der Ferne bleibt ebenso standhaft in seiner Treue: Alkinoos trägt ihm seine Tochter an:

»Und ich wollte du dächtest so wie ich; dann bliebst du, bekämst mein Töchterchen, wärst mein Eidam, hättest ein Haus und die schönsten Besitzungen«.

Kalypso,»die flechtengeschmückte Nymphe, die nach melodischem Klang mit der goldenen Spindel am Webstuhl schafft«, sie verspricht ihm Unsterblichkeit, wenn er bei ihr bleibt, doch Odysseus ist unerschütterlich:

»Ich weiss wohl,.

dass du schöner und herrlicher bist als Penelopeia;

Ist sie doch sterblichen Stammes, du aber lebst ewig und alterst niemals. Aber ich will trotzdem nach Hause, die Sehnsucht lässt mir nicht mehr Ruhe«.

Rührend ist dann die Zärtlichkeit, wie sich Odysseus und Penelopeia wiederfinden:

»Tränen der Wehmut weinte der Held jetzt, Tränen der Freude; Schluchzend hielt er die lange verlorne teure Gemahlin.

Wie wenn rettendes Land vor schwimmenden Menschen emportaucht, denen das wackere Schiff auf offenem Meere Poseidon

durch den entfesselten Sturm und die rollende Woge zerschellt hat; wenige finden den Weg durch brandende Flut an das Ufer, schwimmend, die Glieder umstarrt vom salzigen Schlamme des Meeres; doch sie erklimmen das Ufer vom grässlichen Tode gerettet.

Also freute sie sich in dem Augenblick ihres ersehnten

Helden und hielt ihn fest mit den Armen umschlungen«.

Rührend ist der Abschied Hektors von Andromache und seinem kleinen Skamandrios:

»Und es ging nach Hause die teure Gemahlin, sie blickte wieder und wieder sich um und vergoss dann schmerzliche Tränen«.

Dieses traute, dieses zärtliche und treue Familienleben ersehnt sich der homerische

Die Unsterblichen, hoch oben am Olymp, wo kein Schnee fällt, sondern ewig blauer Himmel ist, sie selbst beneiden die Sterblichen um ihr Glück, in trauter Familie zu leben. Keiner aber darf die glückliche Ehe stören, denn Zeus hält schützend seine Hand über ihr.

Betrachten wir Mohammedaner und Christen. Wie grundverschieden ist bei beiden das Familienleben. Wir brauchen nicht lange nach dem Grund zu suchen: es ist die verschiedene Stellung der Frau: hier die Sklavin, dort die Genossin des Mannes. Die Stellung der Frau ist das Wichtige, was die Innigkeit und Traulichkeit des Familienlebens bestimmt.

Aus dem Verkehr des Odysseus mit Penelopeia, Hektors mit Andromache, Alkinoos's mit Arete sehen wir, dass die homerische Frau hohe Achtung geniesst, jedoch

»Nicht nur bei dem Gemahl und den trefflichen Kindern; im Volke grüsst, wenn sie sich zeigt, der begeisterte Jubel der Menge.

Aber sie ist auch einsichtsvoll; in befreundeten Häusern

schlichtet die Königin Streit; sie bewegt selbst Männer zum Frieden«.

Arete nimmt teil an den Beratungen der Männer, Helena unterhält sich im Saal mit den Fremden, und Penelopeia erscheint auch im Megaron im Kreise der Freier;

Nabe der Herdglut stand ihr Lehnstuhl, silberbeschlagen«. 3*