Aufsatz 
Griechischer Unterricht auf homerischer Grundlage
Entstehung
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20 Ihr folgen zwei dienende Frauen, denn sie sagt:

»Ich kann nicht wohl unter Männern allein sein«. »Doch sie erscheint nur selten im Saale, zumeist bleibt sie für sich an dem Webstuhl«.

Hier verbringt sie den Tag spinnend, um sie die dienenden Frauen, über die sie gebietet. Hier ist ihr eigentlicher Wirkungskreis; verweist doch Telemach seine Mutter hieher:

»Geh' jetzt aber hinein; dort gib' auf deine Geschäfte, Webstuhl und Spindel, acht! Ich bin hier Herr im Palaste«..

Wohl ist bei Homer die Frau geachtet und geschätzt, aber die Stellung, die die germanische Frau einnahm, die fast göttliche Verehrung des Weiblichen, haben die Griechen nie gekannt. Das üppige Leben im Süden war immer geneigt, das reine Familienleben in ein Haremsleben umzuwandeln. Kaum 500 Jahre nach Homer ist auch wirklich schon alle Traulich- keit aus dem griechischen Familienleben gewichen.

Die Ehe, die uns Homer zeigt, ist die schönste und reinste des heidnischen Griechen. Doch schon hier finden wir manches, was sie trübt, so der schon jetzt vorkommende Brauch, sich Nebenfrauen zu halten. Doch werden im zäürtlichen Familienkreis die Kinder solcher Neben- frauen mit den Kindern der Gattin zusammen erzogen; nur an dem Nachlass des Vaters haben sie keinen Anteil; sie sind darauf angewiesen, was ihnen die rechtmässigen Söhne des Vaters schenken.

Die Ehen wurden zu den verschiedensten Zeiten verschieden geschlossen. In urältester Zeit haben die Männer die Frauen geraubt. Gelang es ihnen, der Verfolgung des Vaters des Mädchens zu entgehen, so blieben die Frauen in ihrem Besitz. Später setzten die Heiratslustigen sich mit dem Vater des Mädchens wohl in Verbindung und lösten oder kauften von diesem die Tochter um eine bestimmte Anzahl Rinder oder um Gold und Silber. Zuletzt wurde auch auf den Willen und die Neigung der Tochter Rücksicht genommen.

Die älteste Art der Eheschliessung, die in den homerischen Werken erwähnt ist, ist die, wo die Mädchen vom Vater an die Freier verkauft werden. Ein einziges Adjektivum lässt uns diesen Schluss fassen. Im XVIII. Gesang der Ilias, im 593. Hexameter führen die Jung- frauen das Beiwort:»àν*ρςοαoαιιε, die»einträglichen« Mädchen, weil sie dem Vater bei ihrer Verheiratung vom Schwiegersohn viele Rinder als Kaufpreis eintragen. Weil aber bloss diese einzige Stelle diesen Kulturzustand anzeigt, müssen wir annehmen, dass die homerischen Griechen diese Zeit schon hinter sich hatten. Tatsächlich finden wir auch die homerischen Griechen an allen andern Stellen soweit in der Kultur fortgeschritten, dass das Mädchen auch etwas bei der Verheiratung dreinzureden hat.

Der Vater hätte sie selber längst mit dem Manne verlobt, der ihm und der Tochter genehm ist.«

heisst es in der Odyssee. Die ältere Sitte, dem Vater den Kaufpreis zu bringen, hat sich in der Form erhalten, dass die Freier dem Vater Brautgeschenke bringen. Dazu die begründende Stelle der Odyssee:

»Die Freier mögen sie umwerben und Hochzeitsgaben bereiten dem Vater.«

Dass wir verschiedene Arten von Eheschliessung bei den Griechen Homers finden, ist mit dafür ein Beweis, dass Odyssee und Ilias, und dann die einzelnen Gesänge derselben