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Anhang. Schülerarbeiten aus 1912/1913.
J.
Das homerische Familienleben.
»Nichts gibt's, was mehr das Herz erfreut, als Mann und Weib zu schauen,
wann sie in trauter Einigkeit
ihr eigen Heim sich bauen.
Dem Feind bereitet's Leid und Groll,
dem Freunde Lust und Scherz;
jedoch des Hauses tiefstes Glück
fühlt nur ihr eigen Herz.
Diese wenigen Worte des Odysseus an Nausikaa enthalten die ganze Wertschätzung einer glücklichen Ehe bei den homerischen Griechen.
»Nichts gibt's, was mehr das Herz erfreut!« Der homerische Grieche ist idealistisch. Wenn er zurückkehrt aus dem Krieg, wo er unbarmherzig und grausam gewütet, aus dem Kampfgetümmel, dann erwartet ihn zu Hause der traute Familienkreis, die harrende Gattin, die lieben Kinder..
Im Krieg grausam und unbarmherzig! Von Jugend auf ist er in den Waffen erzogen, seine liebste Zerstreuung fand er in Waffenspielen, fast verwachsen ist er mit Schwert und Bogen, denn als Mann muss er sich schützen und wehren können, mit Freude zieht er in den Kampf, und hoch leuchtet ihm ein Achill und Hektor vor— aber doch schätzt er den Frieden höher! Das sagen uns diese wenigen Worte der Odyssee.—
Wo kann ein schönerer Frieden herrschen als in dem Familienkreis? Denken wir an ein Bild dieses deutschen Malers, der wie kein anderer es verstanden hat, den Hausfrieden darzustellen. Denken wir an ein Bild Richters: im Lehnstuhl der Grossvater mit der Pfeife, am Tisch das strickende Mütterchen, am Herd die schaffende Hausfrau und ringsum die spielenden Kinder, lauter Lust und Freude.— Wir können uns wahrlich kein anheimelnderes Idyll vor Augen führen! Und so war auch der homerische Grieche.—
Die schönsten Züge in seinem Familienleben sind die Gemütlichkeit und Traulichkeit, die Zärtlichkeit und die Gattentreue.
Der homerische Grieche ist überaus gemütlich veranlagt. Im Kampf, in der Schlacht verspürt er Lust, sich zu unterhalten, und bevor er den Kampf auf Leben und Tod mit seinem Gegner ausficht, kann er es nicht unterlassen, diesem seinen Stammbaum aufzuzählen, und stellt es sich heraus, dass jener sein Gastfreund einmal war, so meiden sie den Kampf und tauschen Geschenke. Diese Gemütlichkeit erfüllt auch das Familienleben.
Immer wieder tritt die Gattentreue hervor. Zwanzig Jahre wartet Penelopeia auf den „heissersehnten« Gemahl, obzwar schon alle Hoffnung gefallen ist, ihn wiederzusehen. Wieder und wieder weist sie die Freier ab, die immer lästiger um sie werben.


