Aufsatz 
Griechischer Unterricht auf homerischer Grundlage
Entstehung
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Schüler ein Sophokleisches Drama mit Genuss als Kunstwerk lesen können, wird man sie nie bringen. Und als Schlachtbank für grammatikalische Zerstückelung ist Sophokles denn doch zu schade. Also muss man Sophokles wie soviel anderes in guten Ubersetzungen lesen. Denn kennen und gelesen haben sollen die Schüler das Alles denn doch jedenfalls. Da sie nun den ganzen Homer z. B. in der Schule griechisch aus Zeitmangel nicht lesen können, so sollen sie den Rest zu Hause deutsch lesen. Das sind Sätze, die dem Philologen strenger Observanz freilich schlecht in die Ohren gehn mögen; indessen man überlege: wenn man alles im Urtext lesen sollte, wie viele Menschen würden dann Shakespeare, Molière und Dante lesen können, während sie doch an guten Ubersetzungen tiefen und fördernden Genuss und Erhebung finden. Dieser Satz tut der Forderung keinen Abbruch, dass man, soweit es geht, die Originaltexte allen Ubersetzungen vorziehn soll. Ich möchte zum Schluss den Satz wiederholen, wegen dessen die vorstehenden Ausführungen alle geschrieben wurden: das Ziel des griechischen Unterrichtes ist die Vermittlung der von den Griechen geschaffenen Kulturwerte, deren Kenntnis auch heute noch zum Verständnis unserer eigenen Kultur unumgänglich notwendig ist; die Erlernung der Sprache ist nur Mittel zur Erlangung dieses Zweckes.

Erreicht wird dies Ziel aber nur dann, wenn der Unterricht so war, dass der Abiturient das Gymnasium verlässt mit der grossen Neugierde, noch mehr, noch viel mehr später erfahren und lesen zu wollen von dem so merkwürdigen Volk der Griechen, ihrer geistigen Eigenart, ihrer Literatur, ihrer Kunst, ihrer Philosophie.

Anhang.

Schülerarbeiten aus 1912/1918.

I. Homerisches Familienleben VI. Gymnasialklasse. II. Odysseus und Achilleus

III. Das Opfer am Grabe(Choephoren) des Aschylos und die Elektra des Sophokles(ein Vergleich) VII. Gymnasialklasse.

IV. Die Behandlung des Elektrastoffes durch die klassischen Dichter Aschylos und Sophokles und den modernen Dichter Hofmannsthal.

(Vier Referate von drei Schülern der VII. und einem Schüler der VIII. Gymnasialklasse.)