Aufsatz 
Griechischer Unterricht auf homerischer Grundlage
Entstehung
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entsprechender Form verarbeiten; das ist namentlich bei den Arbeiten aus Homer der Fall; oder sie sollen den Schüler lehren, ein grösseres Ganze, ein Buch, eine Broschüre inhaltlich genau zu exzerpieren und eine knappe und doch vollständige Inhaltsangabe zu geben.

Freilich sind die Schüler von den deutschen Aufsätzen her gewöhnt, phrasenreiche und schwungvoll sein sollende Einleitungen und Schlüsse zu ihren Arbeiten zu schreiben. Ich habe nur selten Vorträge bekommen, die nur Material, aber in hübscher sprachlicher Dar- stellung enthalten hätten. Das ist aber das Ziel, nach dem gestrebt wird es ist die Art, wie ein Mittelschüler lernt, wissenschaftlich zu arbeiten. Ich lasse als Anhang, einige von den im abgelaufenen Schuljahr gehaltenen Vorträgen abdrucken, nicht etwa als Musterbei- spiele, sondern um zu zeigen, wie verschiedenartig die, bei diesen Arbeiten ganz sich selbst überlassenen Schüler vorgehn. Man wird sehn, dass die meisten auch bei diesen Arbeiten einen»deutschen Aufsatz« schreiben.

Soviel ich beobachtet, macht es den Schülern grosse Freude, derartige Vorträge zu halten; ich schlage in der Klasse Themen vor, wer Lust hat, wählt sich eins aus. Doch ist es mir auch vorgekommen, dass Schüler sich selbst ein Thema bestimmten, das sie bearbeiten wollten. Manch- mal werden ja auch ungeschickte Zusammenstellungen, krause Gedankengänge geboten; einmal wollte einer sogar selbständige Forschungsergebnisse geben und aus dem Homer beweisen, dass der u6x des homerischen Hauses nicht ausserhalb des pérapev zu suchen sei, sondern ein Winkel hinten im pe raον sein müsse was schadet das alles, wenn dann in der Besprechung auf das Richtige hingewiesen wird. Die offenbare Freude, die die Schüler aber an solchen selb- ständigen Produktionen haben, ist geeignet, ernste Gedanken über unser ganzes Unter- richtssystem zu wecken, wenn man sie mit der dumpfen Unlust namentlich in den obersten Klassen vergleicht, die die Schüler so oft in den Schulstunden zeigen. Könnte man doch den ganzen Unterricht so gestalten, dass die Schüler selbsttätig produktiv sich alles erarbeiteten, statt der rezeptiv-passiven Rolle, zu der sie so oft der jetzige Schulbetrieb verurteilt! Wie viel»Schulelend«, von dem man jetzt in Deutschland soviel schreibt, würde dadurch behoben, wie sebr würde das schwinden, was Tolstoi den»Schulzustand der Seele« genannt hat, eine Mischung von Angst, Anspannung des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit, durch die grade die höhern Fähigkeiten: Phantasie, Kombinationsgabe, schöpferisches Vermögen gelähmt werden. Freilich hätte Tolstoi auch nur gezeigt, wie man es besser machen kann; bekanntlich hat seine»freie« Schule in lasnaja Poljana keine positiven Erfolge und keine neue Methode zutage gefördert.

Was nun die systematischen Vorträge des Lehrers über Religion, Kunst, Literatur, Philosophie betrifft, so soll sich in der griechischen Matura zeigen, wieviel der Schüler davon behalten. Bisher begnügte man sich in der Matura den Abiturienten 10 12 Hexameter aus Homer oder ebensoviel Zeilen aus einem Prosaschriftsteller übersetzen zu lassen. Meiner Meinung nach genügt eine UÜbersetzung von 58 Hexametern, damit der Schüler zeigen kann, ob er einen passenden Text beherrscht. Das Schwergewicht der Matura aus Griechisch sollte eine zusammenhängende Antwort auf Fragen aus dem Gebiete der Kulturleistungen der Griechen sein, soweit sie eben im Unterricht behandelt worden sind.

Zum Schluss noch ein Wort über die Lektüre deutscher UÜbersetzungen in und ausserhalb der Schule. Vor allem muss man zugestehn es ist ein Notbehelf. Aber man muss hinzufügen, ein unumgänglich notwendiger. Bei dem Stundenausmass, das das Griechische bei uns hat, muss man am Ende des vierten Schuljahres zufrieden sein, wenn der Abiturient den Homer leidlich fliessend zu lesen versteht, dazu einen leichten attischen Prosatext. Soweit, dass die