Aufsatz 
Griechischer Unterricht auf homerischer Grundlage
Entstehung
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werden schwierigere Formen besprochen, darauf versucht der Schüler zu übersetzen. Am Ende der Stunde sollte immer der Lehrer oder ein Schüler das ganze in der Stunde über- setzte Stück wiederholen. Leider kommt man nicht immer dazu. Am Beginn der nächsten Stunde frägt der Lehrer die in der vorigen Stunde vorgekommenen Vokabeln aus, lässt einen Schüler die Wiederholung sagen, dann geht die Neuübersetzung los. Man muss durch häufige Kontrolle darauf dringen, dass die Vokabularien nett und rein geführt werden, ferner, dass die Schüler wissen, dass für die Beurteilung die Wiederholungen, nicht die Neuübersetzungen ausschlaggebend sind.

Hier möchte ich auch eine Formalität zur Sprache bringen. Ist es notwendig, die homerischen Hexameter»skandieren« zu lassen? Fördert das Skandieren das Verständnis des Textes? Erhöht es den Wohllaut des gelesenen Textes? Man kann leicht beobachten, dass die Schüler beim erstmaligen Lesen eines Hexameters ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Quantität der Silben verbrauchen, um das Versmass herauszubekommen. Es bedarf eines zweiten Uber- lesens, um auf das Erkennen der Formen, des Sinnes zu kommen. Von diesem Gesichtspunkt aus ist das Skandieren Zeitvergeudung. Ferner ist das antike Versmass mit seinem quanti- tierenden Prinzip unserem Gefühl für Versrhythmus so fremd man skandiere doch einmal einige Hexameter aus Hermann und Dorothea. Dann leidet die Einprägung des Wortakzentes ausserordentlich durch das Skandieren, da Wort- und Versakzent ja fast nie zusammenfallen. Schliesslich, sollten wohl die Aöden an den jonischen Fürstenhöfen die Gesänge Homers skandierend gesagt und gesungen haben? Ist bei uns das Skandieren nicht nur eine alte Gewohnheit, und wird, wie so Vieles andere, eben nur deshalb, weil es alte Gewohnheit ist, als sakrosankt angesehn, obgleich es keinen innern Wert hat? Wäre es nicht praktischer, die Verse Homers mit dem Wortakzent zu lesen, ohne zu skandieren, dafür aber den Sinn des Gelesenen beim Lesen mehr zu betonen, was beim Skandieren unmöglich ist? Man versuche es; die Sprache Homers singt und klingt ganz anders, als wenn man mit dem Finger auf dem Katheder vorklopft; Lang, kurz, kurz, täk, täk, täk.

Was die schriftlichen Arbeiten betrifft, möchte ich den, wie ich glaube, freilich hoffnungslos fragenden Seufzer ausstossen, wann man denn endlich in allen obern Klassen die schriftlichen Hausarbeiten abschaffen wird? In der achten Klasse verlangt der landeskon- sistoriale Lehrplan sie nicht mehr. Die allermeisten Schüler schreiben sie ja doch ab. Wenn nun einer der Herrn Kollegen, der dies liest, bei sich denkt:»nun, bei mir kommt das ja nicht vor«, so möchte ich ja an seinem schönen Glauben nicht rütteln, aber den andern Lesern kann ich im Vertrauen bestimmt mitteilen, dass auch bei ihm die allermeisten Schüler die Hausarbeiten abschreiben. Schriftliche Hausübersetzungen aus dem griechischen Text ins Deutsche sind besonders von zweifelbaftem Wert, da die Schüler ja die deutsche Übersetzung gedruckt in der Hand haben.

Sollte man statt der Hausaufgaben nicht ein paar Schularbeiten mehr schreiben lassen?

Ich habe in der fünften und sechsten Klasse sowohl als Haus- wie als Schularbeiten die kleinen systematisch geordneten deutschen Sätzchen in Agahds Elementarbuch übersetzen lassen, der Inhalt und die in Verwendung kommenden Vokabeln sind sehr geschickt dem griechischen Text der Odyssee aus dem neunten Gesang entnommen.

Mit den von den einzelnen Schülern gemachten, in der Schule gelesenen und be- sprochenen Vorträgen habe ich recht gute Erfahrungen gemacht. Ausser der Beschäftigung mit dem Stoff sollen sie folgende Aufgabe erfüllen. Sie sollen den Schüler lehren, aus einem grossen Ganzen nach bestimmtem Gesichtspunkt Material sammeln und sichten, sodann dies Material in