Aufsatz 
Über die Gedichte Theodor Storms
Entstehung
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Das Ghasel mag dann, weil es an die gleiche geliebte Frau gerichtet war, nachgetragen worden sein.

Wie verhält es sich aber mit den übrigen dreizehn Gedichten? Sind es auch ältere, hier eingefügte Gedichte; gehört bloß ein Teil von ihnen einer zurückliegenden Zeit an? Wo wäre dann zwischen Altem und Neuem die Grenze zu setzen?

Jedenfalls wird man annehmen dürfen, daß sie in annähernd chrono- logischer Folge diesen Blättern anvertraut wurden. Es wäre dann schon das Ghasel oder mindestens das erste Gedicht, das ihm folgt, älter als alle übrigen. Es geht aber nicht an, alle dreizehn Stücko ohne Ausnahme unter diese Gruppe zu vereinigen. Man müßte sonst annehmen, daß zwischen jenen ersten drei Gedichten, die der Zeit um den Herbst 1846 angehören, und den Strophen an die todte Schwester aus dem November 1847, ein ganzes Jahr also, kein einziges neues Gedicht aufgezeichnet worden sei. Will man gar nur einen Teil davon einer älteren Zeit zu- weisen, so widerspricht dem einigermaßen die Erwägung, es würde Storm

ganz gewiß früher oder später einmal, wie er es verschiedenen Ortes sonst getan, durch eine Note Altes und Neues von einander geschie- den haben. ¹

So wird man denn, bis das genaue Datum eines der in Rede stehen- den Gedichte wird ermittelt werden können, als eine ziemlich begründete Vermutung äußern dürfen, es habe an dieser Stelle, mit Ausnahme des Ghasels, der größere Teil der übrigen Gedichte nachträglich erst Autnahme gefunden; vielmehr seien sie überhaupt in die Zeit zwischen dem Herbst 1846 und dem November des Jahres 1847 einzuordnen. Der größere Teil davon 8 sind überdies jene kleinen Herbst- und Monatsgedichte. So erklärt sich der Mangel einer genauen Zeitangabe, bis mit dem wuch- tenden Datum jenes Sterbetages eine ziemlich stetige Datierung sich durchsetzte.

Ist die Schwierigkeit, die an dieser Stelle erwuchs, einigermaben behoben, so bleiben noch 22 Gedichte in diesem Bande, die mit keinem Datum versehen sind. Nur mit Vorsicht wird bei ihnen von dem Platz, den ein jedes in diesem Manuskript einnimmt, auf die Zeit der es angehört, geschlossen werden dürfen. Denn eben aus dem Vorhandensein einer Anzahl undatierter Gedichte an verschiedener Stelle, aus einigen im ersten Bändchen enthaltenen Entwürfen, läßt sich erweisen, es seien manchmal in ihrer ersten unvollkommenen Fassung einer früheren Zeit entstammende Verse später erst hier aulgenommen worden, als ihre Form den Dichter endlich befriedigte. Woraus sich auch der Mangel eines ge- nauen Datums ergäbe, das eben nicht vorhanden gewesen. Der Platz, den sie einnehmen, bezeichnet demnach bloß. die Zeit ihrer endgiltigen Vollendung, worüber bei jedem einzelnen gesondert noch einiges nachge- tragen werden wird.

Immerhin ist dieser vierte Band von allen der wichtigste. Er umfabt einschließlich die erwähnten Verse aus der Universitätszeit«unter Möõrikes Einfluß entstanden⸗ bezeichnete sie Storm in den Jahren 1840/41 bis 1881, eines der kostbarsten deutschen Manuskripte dieser Art, in der ganzen Anlage zugleich ein lebendiges Andenken an die schlicht- innige Eigenart des Mannes, der ihm seinen Wert gegeben.

⸗Was der Tag giebt⸗ hat Storm auf den Umschlag des letzten. des Altersmanuskriptes(Mrs 5) geschrieben. Es ist am 30. September 1881