Aufsatz 
Über die Gedichte Theodor Storms
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

herr, den die Stadt gehabt hat⸗.(Nachgelassene Blätter» Deutsche Rundsch. 57. B. S. 342). Es ist unerklärlich, wieso ⸗Stifters bilderfrohe Erstlinge- (8 449) im Anschluß an Storms Uebertritt zur Universität Ostern 1837 erwähnt werden, da doch Stifter erst 1840 in der Wiener Zeitschrift» und in der Iris, vor die Oeffentlichkeit trat, seine ersten Bücher gar, aus denen Storm ihn kennen lernen mochte, erst 1844 erschienen.

Auch darf es gestattet sein, daran Anstob zu nehmen, daß Joh. Ant. Röse, der unglückliche Jugendfreund des Dichters, mit dem Epitheton zein wunderlicher Gesell-(S. 449) kurz abgetan wird, da doch die philosophische Kritik, einzig maßgebend für den Wert dieses Mannes seinen Werken an- dauernde Aufmerksamkeit schenkt.(Dr. Rich. Falckenberg. Geschichte der neueren Philosophie 3. Aufl. 1898 S. 500).

Dergleichen Irrtümer und Verstöße werden leicht von Ort zu Ort getragen. Dafür ein Beispiel: in dem ersten Lebensbericht, den Pietsch gab, war offenbar infolge eines Druckfehlers die Heirat Storms in das Jahr 1847 verlegt. Darnach schrieb Schütze ebenfalls 1847 mit ihm die grobe Zahl derer, die ihn allein benützten, obwohl aus einem unterdes veröffent- lichten Briefe Storms(Mörike-Storm-Briefw. S. 10) die Angabe längst hätte berichtigt werden können.

Eine eingehende Biographie Theodor Storms gibt es nicht trotz der angeführten Schriften, der veröffentlichten Erinnerungen und Briefe. Was um ihn geschah, ist ziemlich bekannt: seine Umwelt. Von ihm selbst, und was er in sich erlebte, weiß man nicht viel. Seine Werke, bisher der ein- zig ausführliche poetisierte Bericht seines Lebens sind noch nicht darauf hin betrachtet worden, was an Selbsterlebnissen in sie überging. Eine jede Biographie stellt ein Problem auf. Man hat bisher sein Leben bloß beschrieben, nicht dargestellt. Es fehlte noch manche wichtige Nachricht. So wird auf Grund dieser Blätter erst bekannt, daß seiner Liebe zu Constanze Esmarch. seiner ersten Gattin, ein Verhältnis zu einem Fräulein von B.... vor- aufging, davon in seinen Gedichten und Novellen sich Spuren werden nachweisen lassen.

Aehnliche Mitteilungen, die mit der Zeit sich mehren, werden den Reiz einer künfttigen Biographie erhöhen, die Werke Storms in einen lebendigen Zusammenhang mit dem Leben des Dichters bringen, da sie bisher zumeist auf seine Kunst bezogen wurden, und diese endlich in die Betrachtung seines Leben miteinbeziehen, insofern gezeigt werden wird. daß ihre Art und Ausdrucksform ihm ein Erlebnis war und wie es dazu kam. Probleme einer jeden Künstlerbiographie, die einer rationalistischen Aesthetik entgegenarbeitet.

Die Mayaskripte.

In einem Gedenkblatt, das er im Juni 1899 in der Deutschen Rund- schau veröffentlichte, als des Dichters jüngster Sohn Karl Storm starb, hat Prof. Ferdinand Tönnies zuerst von einem Manuskript des Dichters berichtet, von ⸗einem Lederband*, wie er schrieb,»der seine eigenen Gedichte im Originalmanuskripte enthielt⸗ Es ist unterdes möglich geworden, über den Bestand an Manuskripten in dem Nachlasse Theodor Storms Genaueres mitzuteilen. Vorher mag noch einmal an den erwähnten Aufsatz ange- knüpft werden. Tönnies erzählt, der Dichter selbst hahe seinem Sohne ein schönes Denkmal gesetzt.Fin stiller Musikant« das ist unser Karl