Aufsatz 
Über die Gedichte Theodor Storms
Entstehung
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was gerade Einsichtigere gerne vermeiden. Aber diese Gedichte führten immer wieder dazu, was Wunder, daß Storm selbst einige Aufsätze über Lyrik und Lyriker hinterlassen hat.

Man erfährt aus ihnen, wie er über die Kunst des Lyrikers urteilte; und einige Kritiken über lyrische Dichter seiner Zeit, über die lyrische Kunst seiner Vorgänger deuten an, nach welchem Maſßstab er seine eigene Produktion bewertete und von andern billiger Weise bewertet wissen wollte.

Es ist bisher nirgend der Versuch gemacht worden, diesen Aufsätzen nachzuforschen. Erich Schmidt erwähnt in seinem Artikel in der Allge- meinen deutschen Biographie aus dem Jahr 1893«ein paar kleine Recen- sionen für das Eggers'sche Kunstblatt». Er scheint sie indes nicht gelesen zu haben, es lautete sonst der eben herangezogene Satz ganz anders. Die Beiträge im ⸗Literaturblatt» erschienen ohne den Namen der Verfasser. Es ließ aber ein Brief Storms an Mörike über einige dieser Kritiken von vornherein keinen Zweifel zu. Storms Mitteilung, von ⸗Mitte Oktober 1854⸗ datiert, lautet: Falls Ihnen das Eggers'sche Kunstblatt dort zur Hand sein sollte, so sehen Sie sich vielleicht einmal die von mir geschriebenen drei Artikel über Niendorffs Lieder der Liebe und Klaus Groths Paralipomena in dem dazu gehöõrigen Literaturblatt pr. 1854 an. Die besprochenen Bücher sind unbedeutend und die Artikel nur geschrieben, um Freund Eggers in seinen Redaktionsnöthen beizustehen; aber ich habe dabei Ge- legenheit genommen, meine Meinung über dies und das in lyricis zu sagen, und ich möchte wohl, daß Sie davon Notiz nähmen-.(a. a. O. S. 34.) Worte, die gewiß die nachfolgende Untersuchung rechttfertigen.

Storm erwähnt drei Artikel und gibt nur von zweien den Titel an. Es hat aber im Ganzen fünf Beiträge dem ⸗Literatur-Blatt des Deutschen Kunstblattes⸗(Verlag von H. Schindler, Berlin) so lautet der genaue Titel im Jahr 1854 beigesteuert.

Seite 14/15. Lieder der Liebe von M. Ant. Niendorf, Berlin 1854.

25/26. Lieder von Julius Bodenberg, Hannover 1854. 26/27. Neunzig Lieder und neun polemische Episteln von Carl Heinrich Preller, Hamburg 1854.

Seite 46/47. Des Knaben Wunderhorn, Vierter Band. Nach A. v. Arnims handschriftlichem Nachlaß, herausgegeben von L. Erk.

Seite 75/76. Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn von Klaus Groth, Hamburg 1854.

Die erste und letzte dieser Kritiken erwähnt Storm selbst. Den wenigen Sätzen über den vierten Band des Wunderhorns ist als Citat ein längeres Gedicht angereiht, das in das«Hausbuch⸗(IV. Aufl. S. 155/56 die junge Schnur und die alte Schwieger-) auflgenommen wurde. Uebrigens läßt schon die Diktion allein an Storm denken, wie denn in einem Satz der Eindruck des Buches auf den Leser sich wiedergegeben findet. Es ist wie ein Gang auf freier Haide; nur einzeln blüht zwar die Rose, aber es grünt und duftet doch überall, und überall ist man in der Natur und überall auf deutscher Erde-». Auch wird W. Grimm autfgefordert, die Biographie Arnims herauszugeben, und man weiß, wie sehr innig Storm diesen Dichter verehrt hat. Aber der Lyrik wird da mit keinem Wort Erwähnung getan, und es kann deshalb nicht dieser der dritte der von Storm empfohlenen Artikel sein.

Vielmehr war damit der umfangreichere Aufsatz über Rodenberg und Preller gemeint, wofür sich ausreichender Beweis erbringen läßt. Im ersten