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Harles) Angaben über erhaltene aber nicht edirte Werke des A. in orientaliſchen Hand⸗ ſchriften*) mögen auf Wahrheit beruhen. Freilich bleibt es dann Sache der Kritik, Wahres und Falſches zu ſcheiden, was bei der arabiſchen Literatur noch mehr zu be⸗ herzigen iſt, als bei der griechiſchen. Hier und dort finden wir berühmten Namen oft erbärmliche Machwerke Späterer zugeſchrieben, und wenn in dem von Abrahamus Ecchellensis 1661 aus einer arabiſchen Handſchrift herausgegebenen und ins Lateiniſche überſetzten Liber Archimedis Adsumtorum sive Lemmatum nach Torelli wenn nicht Alles, ſo doch Einiges von Archimedes herrührende ſich befinden mag, ſo gehört gewiß zu den läppiſchſten Produkten eine Epistota suppositia sive problema Archimedis an Eratosthenes, in alexandriniſchen(?) Verſen griechiſch geſchrieben, de bobus Soli sacris, die nach Fabricius(IV. 187, 188 ed. Harles) und dem Pariſer Handſchriftkatalog(ed. 1740) in einer Pariſer Handſchrift 2448(ancien fonds) ſich befinden ſoll.
Gegen die Aechtheit unſeres Briefes erregen zunächſt die Umſtände ſeiner Ueber⸗ lieferung Verdacht.
Es iſt ſchon eigenthümlich, daß nur eine einzige Handſchrift dieſen Brief bietet, dazu eine Handſchrift aus der neueſten Zeit; ebenſo eigenthümlich, daß er mitten zwiſchen surgical aud medical receipts ſteckt, die, wie der Verfaſſer des neuen Separatkatalogs der Sloane Collection richtig bemerkt, der Cod. 2623 meiſt enthält. Noch auffälliger, daß dieſe receipts meiſt Schriften des 17. sec. ſelbſt ſind, keine aus dem Alterthum herrührt.
Am auffallendſten aber iſt, daß die Schrift von keinem älteren oder neueren Schrift⸗ ſteller erwähnt wird und ſchließlich auch zu unſrer Kenntniß nur in lateiniſcher Sprache gelangt iſt. Da Archimedes nicht lateiniſch geſchrieben, ſo mußte der Brief alſo überſetzt worden ſein(vergente imperio et superante barbarie, wie der typographus meint); entweder direkt aus dem Griechiſchen, oder durch Vermittlung des Arabiſchen. Ueber⸗ ſetzungen aus dem Griechiſchen ins Lateiniſche ſind bis zum 6. sec. n. Chr. überhaupt wenige gemacht worden, ſeitdem hören ſie aber mit der Kenntniß des Griechiſchen von ſelbſt auf, um erſt im 14. u. 15. sec. von den früheſten Kennern des Griechiſchen en gros zubereitet und als Abſchlagszahlung, bis es Griechiſch gelernt, dem wißbegierigen Publi⸗ kum vorgelegt zu werden. Während der Periode der Unkenntniß des Griechiſchen treten freilich die Araber als Vermittler des Oſtens und Weſtens auf und wurden nach ihren Ueberſetzungen andere in lateiniſcher Sprache angefertigt. Daß das Schriftchen aber nicht aus dem Arabiſchen überſetzt iſt, möchte ich poſitiv behaupten; da einmal, auch in der arabiſchen Literatur, ſoweit mein Suchen ging***), des Briefes keine Erwähnung ge⸗ ſchieht, und das Latein des Briefes rund, klar, verſtändlich und völlig ungleich iſt der
mandinus haben ihre lateiniſche Texte in verſchiedenen MSS vorgefunden, beide in ſchlechter Form, die Tartalea beibehielt, Commandinus aber verbeſſerte und ergänzte. Möglich iſt es, daß dieſe Fehlerhaftigkeit darin ihren Grund hat, daß die Schrift urſprünglich aus dem Griechiſchen ins Ara⸗ biſche, vom Arabiſchen ins Lateiniſche überſetzt worden. S. Einl. pg. 9.
*) Angeſichts deſſen, was Hadschi Chalifà(ed. Flügel) und Caaziri(Biblioth. Arab. Hisp. pg. 383), ſowie J. G. Wenrich(de auctorum Graecorum versionibus—— Syriacis, Arabicis etc. Lipsiae 1842) anführen.
**½) Vgl. beſ. Hadschi Chalifa und J. G. Wenrich de auct. Gr. vers. arab.


