Aufsatz 
Ein unächter Brief des Archimedes
Entstehung
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Ueberſchrift und Vorrede laſſen uns ſchließen, einmal daß die vorhandene Handſchrift nicht älter iſt als 1688 damit ſtimmt der Charakter der Schrift; kaum auch jünger, eben auch wegen der Schreibweiſe der Handſchrift und ihres Befindens in der Sloane Collection. Weiter, daß die Handſchrift, wie ſie iſt, von einem Drucker zur Veröffent⸗ lichung beſtimmt geweſen ſei; von wem, wo und wann, bleibt ungewiß, ſicher nicht lange nach 1688, wenn nicht in eben dieſem Jahre. Aus der Exiſtenz der Vorrede müßte man ſchließen, daß der Drucker unſeren Text aus einer älteren Handſchrift abgeſchrieben hat. Dieſe ältere Handſchrift wäre nach der Ueberſchrift im Jahr 1688 zu Alba Graeca= Belgrad gefunden worden; von wem? ob von dem Drucker, läßt ſie zweifelhaft. Warum es nicht zur Herausgabe des Briefes kam, darüber ſagt natürlich die Handſchrift nichts; daß es aber bis jetzt dazu nicht gekommen iſt, ſcheint mir ſicher zu ſein, nach meinen Nachforſchungen darüber und dem Schweigen von Fabricius, Bibliotheca Graeca(ed. Harles. IV. 173), Pauly's Reallexikon(ſ. Archimedes),*) und den älteren und neueren Aus⸗ gaben, Commentaren, Monographien zu Archimedes und deſſen Werken. Die beſte und neueſte der Geſammtausgaben derſelben iſt die von Torelli, Archimedis Syracusani quae supersunt onmia cum Eutocii Ascalonitae commentariis; cum nova versione latina; Accedunt lectiones variantes ex cod. Mediceo et Parisiensibus. Fol. maj. Oxonii 1792 e typ: Clarendoniano(J. H. Parker).

Sicher iſt nun, daß wir nicht alle von Archimedes(geb. wahrſcheinlich 287, 212 v. Chr.) verfaßten Werke beſitzen, ja daß wir noch mit ziemlicher Zuverſicht auf einigen Zu⸗ wachs zu den vorhandenen und uns zugänglichen rechnen dürfen. Noch Angelo Mai fand in zwei Vatikaniſchen Handſchriften in welchen, gibt er, wie oft, nicht an griechiſche Bruchſtücke eines bislang nur lateiniſch auf uns gekommenen Werkes eãt 10 OXouHuevwwr), welche Bruchſtücke er in Classic: Auctorum e Vatic: codd: edit. tom. I. 426 430, 1828 in Rom herausgab. Mehr und Neues iſt aber hoffentlich aus arabiſchen und hebräiſchen Handſchriften zu erwarten, und des Fabricius(ſ. Bd. 4, 180, ed.

*) Die zweite Ausgabe des I. Bandes habe ich leider nicht zu Geſicht bekommen können.

**) Mit dieſem Werk iſt es eine eigenthümliche Sache. Fabricius IV., 177 ſagt, daß es griechiſch und lateiniſch herausgegeben worden ſei, mit den übrigen Werken des Archimedes, durch David Rivaltus, Flurantia, in Paris bei Claud. Morellius 1615, Fol. Lateiniſch ſei es erſchienen in einer Ueber⸗ ſetzung des Fred. Commandinus, Bononiae 1565. Dieſer Commandinus(ſagt Fabric. in einer Anmerkung) habe eine griechiſche Handſchrift von dem Kardinal Marcellus Cervinus erhalten (S. Giornale d'Italia, tom. 19. pg. 156. ff.). Die Rivaltiniſche Ausgabe habe ich nicht zu Geſicht bekommen. Sicher iſt, daß Torelli nur den lateiniſchen Text bietet, wovon 1541 oder 1544 Nicolaus Tartalea aus einer alten lateiniſchen Handſchrift das eine, bald darauf das andere Buch veröffentlicht hatte. In beſſerer Geſtalt gab die Schrift dann Commandinus 1565 lateiniſch heraus. Nach dem, was Torelli, Vorrede pg. XIII, XVII und XVIII ſagt, kennt er zwar die Ausgabe des Rivaltus, weiß aber nichts von einer Exiſtenz dieſes Werkes in griechiſcher Sprache. Ich glaube daher, daß des Fabricius' Angabe entweder irrthümlich oder ungenau ſei. Bezüglich des griechiſchen MS des Cardinal Marc. Cervinus habe ich nichts Näheres erfahren können. Möglicherweiſe be⸗ ſtand ein ſolches damals noch, doch kaum jenes erwähnte in den Händen eines Commandinus, der es veröffentlicht haben würde. Die Zeit der Reſtauration hat zwar nicht Alles gefunden, hielt aber feſt, was ſie hatte oder fand; ſiehe weiter unten Seite 10 der Einleitung. Tartalea und Com-

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