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Mithras ¹), von welchen der eine eine brennende Fackel erhebt, der andere sie senkt. Cumont sieht in ihnen nur eine doppelte Inkarnation des Mithras selbst und deutet diese mithrische Trias nach der solaren Auffassung, wie sie sich im Occident durchgesetzt hatte, als die Sonne im Aufgange, am Mittag und am Abend oder im Frühling, Sommer und Herbst. Die Namen der beiden Fackelträger, wie sie eins unserer Heddernheimer Denkmäler nach Cumonts Ergänzung zeigt, Cautes und Cautopates, werden durch die neueren Funde von Stockstadt bestätigt, aber nicht erklärt. Repliken dieses Knabenpaares kommen auch an anderen Stellen der Speläen vor; so standen sie im dritten Heddernheimer Mithreum als Rundfiguren seitlich vor dem Reliefbild und noch einmal gegenüber dem Eingange an den Enden der Podien. Neben dem Knaben mit erhobener Fackel, dem Cautes, springt auf dem Frankfurter Relief— und so auch auf fast allen anderen— ein Hund an der Brust des Stieres empor, der mit seiner Schnauze fast die durch den Dolch des Gottes gerissene Wunde berührt, gierig, wie es scheint, nach dem aus derselben strömenden Blute leckend.
Unter dem Leibe des Stieres sieht man von links nach rechts zunächst einen Skorpion mit seinen Zangen die Hoden des Tieres erfassen. Während diese beiden Tiere den Kampf des Gottes gewissermaßen zu unterstützen oder wenigstens seinen Sieg zu benutzen scheinen und der auf manchen Bildern links oberhalb des fliegenden Mantels auf einem Felsen oder einem Baume sitzende Rabe dem Vorgange wenigstens teilnahmsvoll zuschaut ²), ist von drei anderen Gegenständen, die wie auf unserem Relief so auch auf den meisten anderen germanischen sich unter der Mitte des Stierkörpers befinden, während sie auf italienischen und den zu beiden Seiten der unteren Donau, besonders in Rumänien, gefundenen sämtlich oder zum Teil fehlen, die Beziehung zu der Szene über ihnen nicht erkennbar.
Die Mitte des Raumes nimmt eine Amphora ein, auf die von links her sich eine Schlange bewegt, den Kopf nach der Öffnung hin erhebend. Auf anderen Reliefs steckt sie ihn hinein, offenbar um von der in dem Gefäße befindlichen Flüssigkeit zu kosten. Von rechts her kriecht in kauernder Haltung ein Löwe an die Amphora heran, die er, wie es scheint, der Schlange streitig machen will. Die enge Beziehung des Skorpions und des Hundes zur Haupthandlung hebt auch Cumont hervor und weist zu ihrer Erklärung auf die Bedeutung hin, welche der Skorpion als das„böse Tier“, das Geschöpf des Ahriman, einerseits, der Hund als der hochgeehrte Begleiter und Diener des Ahuramazda andererseits in der Religion der Mazdäer hatte. Das Vorhandensein dieser Tiere auf dem Relief würde also auf die allerälteste Form des Mythos von der Weltschöpfung— so faßt Cumont die Bedeutung des Hauptbildes— hinweisen. Dagegen erklärt er die drei anderen allegorischen Figuren als die sich bekämpfenden Elemente: Erde(Schlange), Wasser(Amphora) und Feuer(Löwe) und führt ihre Aufnahme in den Kreis der mithrischen Vor- und Darstellungen auf kleinasiatisch-hellenistische Einflüsse
¹) Nur sind die Beinkleider oft weniger eng anschließend und reichen nur bis zur Wade, während die Füße mit bis über die Knöchel reichenden Stiefeln bekleidet sind.
²) Nach Cumont, Textes et Monuments I, p. 192 ff., wäre der Rabe der Oberbringer des Befehls von Ahuramazda an Mithras, den Stier zu töten, den dieser trauernden Herzens vollbringt. Dadurch erklärt er die auffallende Haltung des Kopfes bei Mithras, welcher dem ihm zugetragenen Befehle lauscht, und den auf den besten Reliefs hervortretenden trauernden Ausdruck des Gesichtes. Auch der Rabe würde demnach zu den ältesten Elementen der mithrischen Darstellung gehören


