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im fernen Osten heute noch einen Abschnitt aus meiner Erstlingsarbeit auf diesem Gebiete wörtlich zu wiederholen und nur durch einige Zusätze zu ergänzen, die sich auf das Ver- halten der Griechen gegenüber der Religion ihrer Erbfeinde, der Perser, beziehen. ¹)
„Es ist bekannt, daß in der von Zoroaster in ein einheitliches System gebrachten und mannigfach modifizierten Naturreligion der alten Perser sich ein auf den physischen Ver- hältnissen des iranischen Hochlands beruhender, schroffer Dualismus zwischen guten und bösen Göttern als Repräsentanten heilsamer und schädlicher Naturkräfte bemerklich macht. An der Spitze eines Heeres von Lichtgeistern(Nazatas) kämpft Ormuzd, der Weltschöpfer, für die Erhaltung des Erschaffenen gegen Ahriman, der mit seinen Daevas durch Kälte und Finsternis allem Lebenden Verderben droht. Vor allen Naturreligionen aber zeichnet sich die Lehre Zoroasters aus durch den in ihr enthaltenen ethischen Wert, durch die enge Beziehung, in welche die naturreligiösen Anschauungen zum inneren Leben des Menschen gebracht werden. Nicht in behaglich sinnlicher Objektivität wie der Grieche soll der Verehrer des Ormuzd dem Walten der Götter zuschauen, nicht bloß durch abergläubisch ängstliche Beobachtung von Formen soll er gleich dem Römer ihren Zorn abwehren, sondern mitkämpfen muß er den Kampf des Ormuzd gegen Ahriman, indem er durch Fernhalten alles dessen, was Leib und Seele befleckt, den Sieg des Lichtes über die Finsternis, des Guten über das Böse, zunächst in sich und dadurch auch in der ganzen Welt beförden hilft.
Der oberste von allen Lichtgeistern des Ormuzd, allen Yazatas, ist Mithras, die göttliche Kraft, die sich im Lichte des anbrechenden Tages offenbart, im menschlichen Leben der erste Vertreter der dem Lichte entsprechenden sittlichen Mächte. Wie er aber als Natur- gott an der Grenze zwischen Nacht und Tag, zwischen Dunkel und Licht steht, so ist er im Weltkampf nicht nur der tapferste Streiter des Ormuzd, sondern zugleich der Mittler (usctrns), der durch Kampf zu Frieden und Versöhnung führt, wie er als Totenbegleiter die menschliche Seele zu neuem Leben geleitet.
Aus dieser Mittlerstellung erklärt es sich, daß Mithras bereits unter der Achämeniden- herrschaft auch neben Ormuzd als höchster Lichtgott erscheint, der besonders als Beschützer des königlichen Hauses verehrt wurde und bei dem die Perserkönige schwuren. Die Aus- dehnung des persischen Reichs aber und die Toleranz, welche die Achämeniden fremden Kulten bewiesen, führte allmählich zu einer Vermengung der altiranischen Lichtreligion mit den Anschauungen der semitischen Völker Babyloniens, Syriens und Kleinasiens.
An Stelle der rein geistigen Auffassung Zoroasters, wie sie sich nach wie vor in Ormuzd darstellte, trat ein System mehr persönlich gedachter Götter, in dem Mithras die erste Stelle einnahm. Vor allem aber wirkte der babylonische Gestirndienst umgestaltend auf die alte Lehre der Magier ein, indem neben der physisch-agrarischen Seite des Mithras als Beförderer der Fruchtbarkeit der Erde und seiner ethischen als Vertreter des Guten und Reinen im Menschenleben jetzt die astrale Bedeutung der Sonne als Himmelskörper besonders zur Geltung kam.“
In den von den Persern abhängigen Ländern Vorderasiens, wo, wie in Kappadocien, Armenien und Syrien, seit langer Zeit nationale Kulte gepflegt wurden, in welchen semitische
¹) Vgl. Festschrift 1882, S. 33 ff.


