Aufsatz 
Über Mithrasdienst und Mithreen / von Georg Wolff
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Heranziehung aller antiken Quellen und der gleichfalls zerstreuten neueren Literatur erläutert waren. Die bis dahin einzige umfassende Sammlung mithrischer Skulpturen, der im J ahre 1847 erschienene Atlas des Franzosen Felix Lajard ¹), war längst antiquiert, überdies ninsichtlich des erläuternden Textes unvollendet geblieben. So mußte der, welcher in unseren Tagen an eine Neubearbeitung des Gegenstandes ging, für weitaus den größten Teil seines Stoffes direkt aus dem Rohen arbeiten. Zehn Jahre seines Lebens hat der junge belgische Gelehrte Franz GCumont eine Fülle von Zeit, Arbeit und Geld dieser Aufgabe gewidmet, wie sie selten an ein literarisches Unternehmen von einem einzelnen gewendet sein dürfte. Besonders gilt dies von den materiellen Opfern. Denn Fundstellen und Sammlungen von Kleinasien bis Madrid und von Nordengland bis Süditalien mußten durchforscht, zahllose Abbildungen unter oft erschwe- renden Umständen und mit Unkosten beschafft werden. Durch die glückliche Verbindung der hierfür erforderlichen materiellen Mittel mit den wissenschaftlichen Voraussetzungen und einem Eifer für die Sache, wie er eben nur einem bedeutenden Jugendwerke gewidmet wird, ist dann aber auch ein in jeder Hinsicht hochbedeutender und erfreulicher Erfolg erzielt und eine Lücke unseres Wissens nicht nur auf archäologischem, sondern auch auf religions- geschichtlichem Gebiete ausgefüllt worden, deren Vorhandensein selbst vielen Fachgelehrten erst durch das Erscheinen des Buches vollkommen zum Bewußtsein gekommen sein dürfte. ²)

Wesentlich ergänzt wird Cumonts Werk durch ein im Jahre 1903/04 erschienenes Buch von Albrecht Dieterich ³), in welchem derselbe den im Jahre 1888 von Wessely herausgegebenen Pariser Zauberpapyrus für die Erklärung des Mithraskults in liturgischer Hinsicht verwertet. Er weiß demselben soviele neue Seiten abzugewinnen, daß sich fortan niemand mit diesem Gegenstand wird beschäftigen können, ohne neben Cumonts großem Werke auch dieses Buch benutzt zu haben. Doch darf nicht verschwiegen werden, daß der Wert des erwähnten Papyrus für die Deutung der mithrischen Mysterien später durch Cumont von neuem bestritten ist.)

Wenn ich nun zu einer gedrängten Darstellung des Wesens der Mithrasreligion auf Grund derConclusions von Cumonts großem Werke übergehe, so bin ich in der Lage, bezüglich des Ursprungs jener Religion aus altarischen Elementen und ihrer Entwickelung

¹) Felix Lajard, Introduction à l'étude du culte public et des mystères de Mithra en Orient et en Occident Paris MDCCCXLVII. Mit 107 Foliotafeln.

²) Franz Cumont, Textes et monuments figurés relatifs aux mystères de Mithra. Tome premier, contenant 14 figures et une carte(XX+ 377 S. 4⁰). Bruxelles 1899. Tome second, contenant 493 figures et neuf planches en héliotypie(VIII+ 554 S. 4⁰). Bruxelles 1896. DieConclusions dieses Werkes sind später vom Verfasser selbst als kleine handliche Ausgabe ohne die gelehrten Nachweise, aber mit einigen gut gewählten Abbildungen heraus- gegeben unter dem Titel: F. Cumont, Les mystères de Mithra. Bruxelles, H. Lamertin, 1900. VIII u. 84 S. 80, und dieser französischen Ausgabe ist bald eine deutsche Bearbeitung gefolgt von dem Theologen G. Gehrich: Die Mysterien des Mithra, von F. Cumont. Autorisierte deutsche Ausgabe. Mit 9 Abbildungen im Text und auf 2 Tafeln, sowie einer Karte. Leipzig, Teubner, 1903. 176 8. 80.

³) A. Dieterich, eine Mithrasliturgie, Leipzig 1903, Teubner. VI und 230 S. 8. Schon vorher hat Dieterich in Vorträgen und Monographien sich wiederholt über die Bedeutung des Mithraskultus in dem Kampfe der verschiedenen Religionssysteme vor dem definitiven Siege des Christentums verbreitet. Man vergleiche besonders seinen Aufsatz überdie Religion des Mithras in den Bonner Jahrbüchern, Heft 108/9, 1902.

) F. Cumont, un livre nouveau sur la liturgie paienne in der Revue de l'instruction publique en Belgique. Bruxelles, Lamertin 1904.