Aufsatz 
Über Mithrasdienst und Mithreen / von Georg Wolff
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und griechisch-kleinasiatische Elemente gemischt waren, ging auch das Griechentum eine Ver- bindung mit dem Mithraskult ein. Dagegen haben sich in der Heimat des reinen Hellenentums, an der Küste Kleinasiens und im festländischen Hellas, keine Mithreen gefunden. Und doch hat das Griechentum für die Entwickelung des mithrischen Kultus einen wichtigen Beitrag geliefert. Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß das große Reliefbild des stiertötenden Mithras in Vorderasien in den Kultus aufgenommen und dem Werke eines Künstlers der pergamenischen Schule, der stieropfernden Nike, nachgebildet ist.

In den Gesichtskreis des römischen Volkes trat der Kultus des persischen Sonnengottes nach der gewöhnlichen Annahme zuerst durch Pompejus' Siege über die cilicischen Seeräuber, die zweifellos eifrige Mithrasverehrer waren. In noch weit höherem Maße war dies der Fall im Reiche des Mithridates, der wie seine gleich ihm nach dem Gotte genannten Vor- fahren sich als Nachkommen und Erben der Perserkönige erklärte und den Schutzgott des achämenidischen Hauses auch als den seinen, als den Urquell seiner königlichen Macht und der erhofften Weltherrschaft betrachtete. Vielleicht ist es zu weit gegangen, wenn man gesagt hat, daß der Kampf zwischen Rom und Mithridates zugleich ein Kampf um die Herrschaft zwischen der griechisch-römischen und der iranischen Welt- und Gottesauffassung war. Sicherlich aber bildet die gemeinsame Religion ein Moment der Erklärung für die Tatsache, daß Mithridates, als er für den letzten großen Krieg alle Feinde der römischen Aristokratie aufbot und zu diesem Zwecke auch mit Sertorius in Spanien anknüpfte, sich der Seeräuber als Vermittler bediente. Mag dem sein, wie ihm will: die Möglichkeit einer siegreichen Propaganda des iranischen Kultus durch Waffengewalt war durch Mithridates' Sturz für lange Zeit beseitigt; nicht für immer: auch die Arsaciden waren Mithrasverehrer und noch mehr die Sassaniden, die ihre Herrschaft als direkte Erneuerung des Achämeniden- reiches ansahen. Aber wie in der klassischen Zeit des iranischen Volkes, so war auch bei jenen Epigonen Mithras nicht der herrschende Gott, sondern nur der erste Diener des Ormuzd, der Führer der Yazatas.

Inzwischen hatte der persische Lichtgott in ganz anderer Art doch seinen Thron im feindlichen Westen aufgeschlagen. Unscheinbar wie die ersten christlichen Gemeinden ver- breitet sich der Kultus im weiten römischen Reiche, befördert durch die Dislokationen der Truppen nach der Eroberung des Ostens und die Verbreitung asiatischer Sklaven über alle Teile des Westens. Soldaten, Sklaven, Freigelassene waren zuerst hauptsächlich seine Verehrer und seine Missionare. Wie hierin, so berührt sich auch in gar manchen anderen Punkten der selbständig gewordene Mithrasdienst mit seinem späteren siegreichen Rivalen, dem Christentum. Ich denke dabei nicht an den äußerlichen Umstand, daß die Verehrer des Sonnengottes denn das ist er im Westen immer mehr geworden ihre Kulthandlungen in unterirdischen Grotten vornahmen, wie die Christen zum Teil in Kellern und Katakomben. Denn bei jenen gehörte dies zum Wesen des Kultus und ging auf altiranische Vorstellungen zurück, während es bei den Christen nur ein notgedrungenes Hilfsmittel gegen die Ver- folgungen war. Ich denke dabei auch nicht in erster Linie an die Tatsache, daß die Geburt des Mithras am 25. Dezember gefeiert wurde. Die ungefähre Lage des Tages erklärt sich bei dem Lichtgotte aus der Nachbarschaft des Wintersolstitiums, die genaue Ubereinstimmung mit dem Weihnachtsfeste kann auf Zufall beruhen. Auffallend ist schon, daß der erste der sieben Wochentage als Sonntag geheiligt war, noch mehr, daß es im Mithrasdienste eine