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Machet es nicht wie die Landsleute und Zeitgenoſſen des Demoſthenes, die zwar gerne der Groß⸗ thaten von Marathon und Salamis gedachten und in dem Ruhmesglanze ihrer Vorfahren ſich ſonnten, aber deren Tugenden ſich anzueignen nicht die ſittliche Kraft hatten, vielmehr durch Leichtſinn, Unthätigkeit, Sorg⸗ loſigkeit und Genußſucht, aus denen ſelbſt die feurige Beredſamkeit eines Demoſthenes ſie nicht aufzurütteln vermochte, es verſchuldeten, daß ſie dem raſtlos thätigen, entſchloſſenen und zielbewußten Macedonier Philipp endlich bei Chaeronea unterlagen!—
Dankbar erheben wir, um mit Oskar Jäger zu reden, an dieſem nationalen Feſttage unſere Herzen zu Gott empor, der den Hoffärtigen widerſteht und den Demütigen ſeine Gnade gibt, der Scepter und Reiche zerbricht und wiederherſtellt, wie es ihm gefällt, und der an jenem ewig denkwürdigen Tage unſere Nation neu erſtehen ließ, damit ihre reichen Kräfte, ihr ſelbſt und den Völkern der Erde zum Heile, nicht mehr in gegenſeitigem Hader ſich zerfleiſchen, ſondern in einem großen und freien Staatsweſen all das Gute ſchaffen, um deſſen willen Völker und Staaten nach Gottes Ordnung beſtehen.
In dieſem Sinne und Geiſte begehen wir den heutigen Gedenktag. Wir freuen uns und danken Gott, daß uns Deutſchen durch den großen Tag von Sedan„Kaiſer und Reich“ wieder gewonnen ſind. Für Kaiſer und Reich wollen wir einſtehen für und für und, wenn es ſein muß, wie die tapferen Väter kämpfen und bluten. Heute aber erheben wir den Ruf„für Kaiſer und Reich!“ als Friedensruf und als Ruf der Freude, den Ruf, in den Sie alle mit mir einſtimmen wollen:„Kaiſer und Reich— ſie ſollen blühen, gedeihen und allzeit leben hoch, hoch, hoch!“
2. Anſprache am 18. Januar 1896.
Was wir geträumt ſeit langer Zeit, Erbetet unverwandt, Das ſteht nun da in Wirklichkeit:
Ein einig Vaterland! er langgehegte, in dem Märchen vom Dornröschen verkörperte Traum unſerer Nation von der Ver⸗ einigung aller deutſchen Stämme und von der Wiederaufrichtung eines großen und mächtigen deut⸗ ſchen Reiches in neuer Kraft und Herrlichkeit iſt in unſern Tagen endlich Wahrheit und Wirklichkeit geworden. Drei Jahrhunderte hat der Genius bes deutſchen Volkes an dem gewaltigen Werke gear⸗ beitet. Heute vor 25 Jahren hat er ihm das Siegel der Vollendung aufgedrückt, an jenem denkwürdigen Tage der Kaiſerproklamation in dem Schloſſe Ludwigs XIV. zu Verſailles,„dem alten Sitze jener feindlichen Macht, die ſeit Jahrhunderten die Erniedrigung und Zerſplitterung Deutſchlands auf ihre Fahne geſchrieben hatte“. Wahrlich, eine wunderbare Fügung und Vergeltung! Wollte jemand wähnen, die Geſchicke der Völker würden durch den blinden Zufall regiert: ein tieferer Blick in die Völkergeſchichte, die tragiſche


