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verraten: jetzt führten ſächſiſche Regimenter bei St. Privat die letzten Schläge in den Schlachten um Metz, und Kronprinz Albert, der vor vier Jahren noch bei Königgrätz den Rückzug des geſchlagenen öſterreichiſchen Heeres ritterlich gedeckt hatte, erwies ſich jetzt als der beſteu einer unter den Führern des preußiſch⸗deut⸗ ſchen Heeres.(Creitſchke.)
Durch dieſe Einigkeit der deutſchen Stämme allein wurde es möglich, was niemand zu hoffen gewagt, daß innerhalb der kurzen Friſt eines einzigen Monats, nach einer ununterbrochenen Reihe von Siegen ſeit jenem erſten Schlage bei Weißenburg, die gefürchtete Kriegsmacht Frankreichs völlig zertrümmert und vernichtet wurde; daß, während der eine Teil des franzöſiſchen Heeres aus der vom Sieger eingeſchloſſenen Rieſenfeſtung Metz ſich erfolglos einen Ausweg zu erkämpfen ſuchte, der andere Teil, ein Heer von 86000 Streitern an der äußerſten Grenze des Landes, eingeklemmt zwiſchen den deutſchen Heeren und der belgiſchen Grenze, die Waffen ſtrecken, daß endlich Kaiſer Napoleon III., der 18 Jahre lang die Geſchicke Europas beſtimmt und die politiſchen Verhältniſſe völlig umzugeſtalten vermocht hatte, ſeinen Degen unſerem Könige zu Füßen legen und ſich auf Gnade und Ungnade ergeben mußte.
Das reichte weit, unermeßlich weit über die Grenze deſſen hinaus, was auch der Kühnſte zu hoffen gewagt; das waren Erfolge ſo groß und wunderbar, daß die Völker aller Zungen, die Bewohner aller Zonen dadurch in ſtarres Staunen verſetzt wurden.
Und ſchon damals, als der Telegraph die erſte Nachricht von dem wunderartigen Ereignis brachte, als die Kunde von der Gefangennahme des franzöſiſchen Imperators und ſeines ſtolzen Heeres von Stadt zu Stadt, von Volk zu Volk bis an die fernſten Geſtade des Weltmeers ſich verbreitete, da fühlten alle und zumal jedes deutſche Herz bis in die entlegenſte Hütte, daß mit dieſem Ereignis ein Wendepunkt im Leben der Völker eingetreten ſei, der für lange Zeit maßgebend ſein und bleiben werde.
Wohl war der Krieg mit der Kapitulation von Sedan noch lange nicht zu Ende— noch viele Monate hindurch wurde gekämpft und noch manches teure Leben dem Vaterlande geopfert—; wohl bedurfte es noch vieler blutiger Schlachten, noch vieler faſt übermenſchlicher Anſtrengungen unſerer heldenmütigen Krieger, bis die Widerſtandskraft des Feindes vollends gebrochen und der Friede erzwungen wurde. Erſt als die mächtige Hauptſtadt Frankreichs nach langer Belagerung und nach heißem Ringen mit den von allen Seiten zum Entſatze herandrängenden Heeresmaſſen des Diktators Gambetta, gegen die unſere Truppen weithin bis zum Kanal und zur Loire ſchwere Kämpfe zu führen hatten, in unſere Hände gefallen und der letzte ver⸗ zweifelte Vorſtoß der Franzoſen gegen das ſüdliche Elſaß unter Bourbaki geſcheitert war: erſt da hatte der Krieg ſein Ende erreicht.— Aber wenn auch die Schlacht bei Sedan den Krieg nicht beendigt hat, ſo hat ſie ihn doch entſchieden; denn ſie hat ſowohl die militäriſche wie die politiſche Organiſation Frankreichs zertrümmert. Der Sieg war ſeit jener Entſcheidungsſchlacht geſichert, die Üüberlegenheit des deutſchen Volkes über das franzöſiſche verbürgt. Was noch folgte an Großthaten und Siegen, ſo groß und ruhmvoll im einzelnen es auch iſt, es war doch nicht in gleichem Grade erhebend und erſchütternd wie die tragiſche Kataſtrophe von Sedan.
Als damals vor 25 Jahren an jenem Samstag Morgen die ungeheuere und ſchier unglaubliche Kunde des bei Sedan Geſchehenen ſich verbreitete, da war der Eindruck ſo ergreifend und überwältigend, daß er nicht ſeines gleichen gehabt hat in dem ganzen Kriege.„Napoleon III., der ſchnöde Urheber des ungerechten Krieges geſchlagen und gefangen, ſein Thron und ſeine Macht für immer gebrochen!“ Das war


