Teil dieser Zeit brachte er in Paris zu, wo ihm außer der Übung in der lebenden Sprache Gelegenheit geboten war, das auf der Hochschule besonders gepflegte Studium des Altfranzösischen bei der Durcharbeitung von Handschriften praktisch zu verwerten.
Die definitive Anstellung gewährleistete dem jungen Manne die äußeren Bedingungen zur Unterhaltung eines eigenen Hausstandes. Klein heiratete am 24. Mai 1887 und gründete damit ein Familienleben, wie es schöner und glücklicher wohl kaum gedacht werden kann. Er hatte die Freude zu beobachten, welch treue Pflege die geliebte sorgsame Gattin den Kindern angedeihen ließ, wie sie ihm, dem Vielbeschäftigten, in den ersten Jahren den größten Teil der Erziehung der Kinder abnahm, und wie sich dann später in diesen Talente entfalteten, die meist nur Ausnahmen sind. Sein offenes natürliches Wesen drückte seinem Hause den Stempel der Gediegenheit auf, und es entsprach so ganz seinem Charakter, wenn er mit dem heranwachsenden Sohn, der ihm zugleich sein bester Freund war, schon jetzt ernstere Dinge besprach und ihn mit seinen Ansichten darüber vertraut machte.
Als Oberlehrer wirkte Klein segensreich über zwei Dezennien an der Oberrealschule. Daß er bei der angestrengten und gewissenhaften Ausübung seiner Berufstätigkeit doch noch Zeit fand, wissenschaftlich zu arbeiten, das beweisen eine ganze Reihe beliebter Schulausgaben französischer Schriftsteller sowie eine wissenschaftliche Abhandlung, die er im Jahresbericht der Oberreal- schule 1887 veröffentlicht hat. Seine Arbeit galt aber nicht nur persönlichen Interessen, gern widmete er seine Kraft auch gemeinnützigen Zwecken, und so sehen wir ihn als Mitarbeiter im Volksbildungsverein tätig, wo er in der Kom-— mission, der die Herausgabe der Wiesbadener Volksbücher oblag, viele Jahre ein geschätztes Mitglied war. Ferner stammen aus seiner Oberlehrerzeit die meisten seiner Dialektdichtungen, durch deren Vortrag er so oft und gern zur Unterhaltung im großen Zuhörerkreis wie auch im kleinen Kreise befreundeter Familien in hervorragender Weise beitrug.
Eine der bewundernswertesten Eigenschaften unseres entschlafenen Freundes war die ihm eigene Art im Umgang mit seinen Kollegen. Er brachte es fertig, jedem die Wahrheit zu sagen, ohne zu verletzen, und war deshalb überall beliebt. Der Verein der Wiesbadener akademisch gebildeten Lehrer hatte ihn daher auch gern zu seinem Vorsitzenden gemacht, und ausnahmslos hatte das Lehrerkollegium der Oberrealschule die Wahl dieses Mannes zum Direktionsgehilfen mit Freude be- grüßt. Als dann die neue Schule am Zietenring eines Führers bedurfte, da war es allen Beteiligten klar, daß er der rechte Mann für diesen Platz war. Besaß er doch außer großer Liebe zur Jugend gerade die Eigenschaften in hohem Maße, die zu einer leitenden Stellung in der Schule in erster Linie befähigen: nie ermüdenden Fleiß, ein seltenes organisatorisches Talent und, was hier wohl das allerwert- vollste ist, ein feines Taktgefühl. Daß einem solchen Vorgesetzten von seinen Lehrern unbedingtes Vertrauen entgegengebracht wurde, war selbstverständlich,


