aus dem einförmigen Landleben, in denen sein offenes Auge so vieles sah, an denen sein heller Geist so manches entdeckte, was dem weniger scharf beobach- tenden Städter verborgen bleibt.
Der Frühling des Jahres 1873 brachte in das Leben des 15jährigen Jünglings eine große Wendung. Die Sorge für seine weitere Ausbildung ließ in den Eltern den Entschluß reifen, sich von dem geliebten Sohn zu trennen. Das Wiesbadener Realgymnasium sollte den wißbegierigen Schüler aufnehmen und zu dem späteren Universitätsstudium vorbereiten. Die unterste Klasse dieser Anstalt war damals die Obertertia, und in diese wurde der Jüngling eingereiht. Rasch hatte er sich den neuen Verhältnissen angepaßt, bald war er, der immer beschieiden, aber dabei bestimmt auftrat, den Lehrern ein lieber Schüler, den Kameraden ein treuer Freund.
Schon früh war in dem Gymnasiasten der Gedanke gereift, sich dereinst dem Lehrerberuf zu widmen, und nach bestandenem Abiturientenexamen bezog er im Frühjahr des Jahres 1878 mit s seiner Klassenkameraden die Universität Straßburg, um neuere Sprachen und Germanistik zu studieren. Die wieder deutsch gewordene Hochschule des Elsaß übte damals an sich schon eine gewaltige Zugkraft auf die deutsche Jugend aus, die man noch dadurch zu verstärken suchte, daß man die besten Lehrkräfte dorthin zog. So hatte auch der junge Student für die Einführung in die Wissenschaft in der Wahl dieser Universität einen glücklichen Griff getan, denn Männer wie Den Brink, speziell Vertreter des Englischen, und der Romanist Eduard Böhmer verstanden es, den Jüngling zu fesseln und zu fördern. Und als er nach 2 Semestern Straßburg verließ, um die Hochschule zu Marburg zu beziehen, da war er sich wohl bewußt, daß für ihn, ohne daß er ein Streber gewesen wäre, die beiden ersten Semester nicht verloren waren. Auch in Marburg hatte sich Klein rasch eingelebt, auch hier war er bald von seinen Lehrern und ebenso von seinen Kommilitonen geschätzt, deren Vertrauen ihn auch zeitweise an die Spitze des neuphilologischen Vereins stellte. In gerader Richtung steuerte er nun auf sein Ziel los und wurde in seinen speziell romanistischen Studien ganz besonders dadurch gefördert, daß er dem Vertreter dieses Fachs an der Universität, Professor Stengel, persönlich nahe getreten war, sodaß er schon am 4. November 1881 aufgrund einer Arbeit über die Dichtungen des Mönchs von Montaudon zum Doktor promoviert wurde und ein Jahr später das Staatsexamen bestand.
Wieder war ein Abschnitt in dem Entwicklungsgang des strebsamen jungen Mannes erreicht. Nun galt es nach Erlangung der zu dem gewählten Beruf erforderlichen wisseuschaftlichen Befähigung, dieselbe praktisch zu betätigen. Schon am 1. April 1883 trat er zu diesem Zweck als Probandus in das Lehrer- kollegium des Gymnasiums zu Weilburg, von wo er aber bereits am 1. Mai abberufen wurde, um an der Realschule zu Bockenheim eine wissenschaftliche Hilfslehrerstelle zu übernehmen. Am 1. Oktober 1884 wurde er zum Oberlehrer an der hiesigen Oberrealschule erwählt. Während des Wintersemesters 1885— 86 war er zum Zweck eines Studienaufenthaltes im Ausland beurlaubt. Den größten


