Direktor Professor Dr. Otto Klein.
Am 29. Oktober 1006 wurde die Schule in tiefe Trauer versetzt. Im besten Alter riß der unerbittliche Tod den Mann hinweg, der seine ganze Kraft der jungen Anstalt gewidmet hatte, dessen stetes Sinnen und Trachten der gedeih- lichen Entwicklung der neugegründeten Schule und dem Wohl der ihr anvertrauten Jugend galt. Ein Lebensbild dieses trefflichen Mannes gerade an dieser Stelle möge dazu beitragen, dem Verstorbenen in den Annalen der Schule für immer ein ehrenvolles Andenken zu sichern.
Otto Klein wurde am I1. Dezember 1857 zu Katzenelnbogen geboren; er war also ein Sohn unserer engeren Heimat. Sein Vater, der selbst Lehrer war, leitete den ersten Unterricht des Sohnes, den dann spätéer, als das Niveau der Elementarbildung erreicht war, der Ortspfarrer übernahm. So verlebte der Knabe seine ersten Jugendjahre in der stillen, ländlichen Abgeschiedenheit, fern vom Stadtgetriebe, fern von der damaligen Residenz, dem Mittelpunkt des Nassauer Landes, ein Umstand, der auf seine geistige Entwicklung nicht ohne Einfluß blieb. Der enge Gesichtskreis ließ hier die Keime seiner geistigen Befähigung zu klarer und bestimmter Entfaltung kommen; denn keine Ablenkung und Zerstreuung von außen her konnte hier unter den Augen von Vater und Mutter, die dem einzigen Kinde die ganze Sorgfalt der Erziehung zuteil werden ließen, störend eingreifen. Daß gerade eine ruhige, gleichmäßige Ausbildung in ganz allmählich sich erweiterndem Rahmen die erste Vorbedingung für ein gesundes Gedeihen der Geisteskräfte ist, das zeigte sich auch hier. Die überaus scharfe Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis, die wir so oft Gelegenheit hatten bei dem Verstorbenen wahrzunehmen, hatte sich schon frühzeitig durch den engen Verkehr mit Natur und Menschen ausgebildet. Und die festhaftenden Eindrücke der Jugendzeit lieferten später dem gereiften Manne die meisten Stoffe zu seinen mit so vielem Humor gewürzten Dialektdichtungen, in denen wir ganz besonders die köstliche Kleinmalerei in der Schilderung von Selbsterlebtem und Selbst- geschautem bewundern. Und was hat er damals alles erlebt, was hat er, noch ein Knabe, alles gesehen! Seine Erlebnisse waren keine großen Ereignisse, die jedem auffallen mußten, nein, es waren an sich meist unscheinbare Episoden


