Aufsatz 
Rede , gehalten am 10. März 1913 bei der Schulfeier zur Erinnerung an den Geburtstag der Königin Luise, sowie an die Gründung der preußischen Landwehr und an die Stiftung des Eisernen Kreuzes - Rede des Herrn Professor Dr. Max Haesecke, gehalten am 10. März 1913 bei der Schulfeier zur Erinnerung an den Geburtstag der Königin Luise, sowie an die Gründung der preußischen Landwehr und an die Stiftung des Eisernen Kreuzes
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Erfolg, der einen unwiderleglichen Beweis erbracht hat für die dem deutschen Volke inne- wohnende gewaltige Kraft, wenn es einmütig mit Selbstverleugnung und Aufopferung sein ganzes Streben ausschließlich in den Dienst des Vaterlandes stellt. Auch hier muß ich mir eine eingehende Schilderung der Erhebung des deutschen Volkes im Jahre 1813, die in der Gründung der preußischen Landwehr ihren militärisch organisierten Mittelpunkt erhielt, versagen. Ihre im Verein mit der übrigen wehrfähigen Mannschaft zur Befreiung des Vaterlandes in zahlreichen, blutigen Kämpfen vollbrachten Heldentaten, an denen sogar Jungfrauen in edler Begeisterung mit der Waffe teilnahnmen, und andere Einzelheiten jener großen Zeit sind euch ja überdies aus dem Geschichtsunterrichte, aus den Dichtungen der Freiheitskämpfe, sowie aus den Werken der Malerei und bildenden Kunst wie ich wohl annehmen darf zur Genüge bekannt.

Aber zu einer bedeutsamen Erinnerung regt uns die heutige Schulfeier ganz be- sonders an, das ist das Gedächtnis an die Stiftung des Eisernen Kreuzes, jener denkwürdigen Kriegsauszeichnung, durch deren Verleihung König Friedrich Wilhelm III. die Brust der todesmutigen Vaterlandsverteidiger schmücken und das Andenken an ihre Taten ehren wollte. Es ist bezeichnend für den plutigen Ernst solcher Zeiten, die von dem einzelnen das Opfer seiner ganzen Persönlichkeit, ja sogar die begeisterte Bereitwil- ligkeit zZum Tode für das Vaterland fordern, daß nicht ein glanzvolles Metall, nicht Gold oder Silber, das Symbol vergänglicher, irdischer Güter und Schätze, zu dem kriegerischen Ehrenzeichen das Material geliefert hat, sondern eben dasselbe prunklose Eisen, aus dem unsere schneidigen, todbringenden Waffen geschmiedet sind. Die Form und Farbe des schwarzen Kreuzes aber, ein Symbol des Todes, verleiht gerade diesem Ehrenzeichen vor anderen die ganz besondere Auszeichnung, daß es nur immännermordenden Kampfe von denen erworben werden kann, die zum Opfer ihres Lebens und bereit sind, für das Vaterland zu sterben. Das schwarze Kreuz enthält endlich aber auch einen Hinweis auf jenes Kreuz, an dem das größte Opfer für die ganze Menschheit dargebracht worden ist, als auf das Zeichen, unter dem wir im Glauben unserer Väter glaubensstark auch ferner- hin zu siegen hoffen.

Nun, meine lieben Schüler, ich sehe es euren leuchtenden Augen an, daß ich nicht nötig habe, euch das Eiserne Kreuz weiter zu beschreiben oder seine hohe Bedeutung noch eingehender zu erläutern; sind sie doch schon längst auf diese ruhmvolle Kriegs- auszeichnung gerichtet, die auf der Brust eines eurer ältesten Lehrer ¹) für die tatkräftige Teilnahme deutscher Lehrer an den blutigen Kämpfen des großen Krieges von 1870/71 wider den Erbfeind ein sichtbares und ehrendes Zeugnis ablegt. Wahrlich, nicht viele Schulen unseres Vaterlandes dürften heute in der beneidenswerten Lage sein, die Erinnerung an das Eiserne Kreuz nicht nur durch den Anblick eines solchen, sondern auch durch

¹) Professor Alfred Berlit, geb. 1846, machte den Feldzug von 1870 71 als Leuntant d. Res. beim Infant. Regt. Nr. 83 mit, nahm als solcher an den Rämpfen bei Sedan, vor Paris und an der Loire teil und erhielt am 24. Dewember 1870 das Eiserne Kreuz II. Kl.