ruhmes so jäh hinabgestürzt, zerschmettert und zerstückelt unter den Füßen eines rohen und selbstsüchtigen Eroberers, der Wohlstand seiner Bewohner vernichtet, das Mark des Landes ausgesogen und des Volkes moralische Kraft gebrochen,— das ist das erschüt- ternde Bild, das uns der heutige Tag zunächst anzuschauen nötigt; und der tiefe, die Seele zerreißende Schmerz unserer Väter über all das unsagbare Leid dieses furchtbaren Geschickes, das ist die Empfindung, die das Anschauen dieses ergreifenden Bildes auch in uns, in jedem vaterlandsliebenden Herzen heute von neuem hervorrufen muß, eine Empfindung, die ihren Höhepunkt erreicht vor dem geweihten Bilde der Königin Luise. Es kann in dem eng begrenzten Rahmen dieser Festbetrachtung natürlich nicht meine Auf- gabe sein, alle die Gründe zu erforschen und näher zu untersuchen, die zu jenem furcht- baren Zusammenbruche unseres Vaterlandes im Jahre 1806 geführt und es zum größten Teil unter das entehrende Joch einer schmachvollen Fremdherrschaft gebeugt haben. Eine der- artige vorurteilsfreie, gründliche und gewissenhafte Untersuchung ist Sache der Geschichts- schreibung und die Mitteilung ihrer wohlbegründeten und gesicherten Resultate Aufgabe des Geschichtsunterrichts, soweit dieser ein Verständnis hierfür vorauszusetzen berechtigt oder ein solches zu vermitteln imstande ist. Aber den Grund des damaligen nationalen Unglücks will ich hier nicht verschweigen, den die unglückliche, von Napoleon so tief gedemütigte Königin diesem gegenüber als Ausdruck einer erschütternden Wahrheit selbst angegeben hat mit dem Bekenntnis:„Dem Ruhme Friedrichs des Großen war es wohl erlaubt, über unsere Kräfte uns zu täuschen!“ Ach! Verhüte es der gnädige Gott, daß eine solche Begründung nationalen Unglückes sich noch einmal an und in unserem Vater- lande wiederholt! Darum möge jenes Wort aus königlichem Munde eine ernste Warnung sein und eine nachdrückliche Mahnung für unser ganzes Volk, seine zur Verteidigung der heiligsten Güter erforderliche Rüstung— und diese beschränkt sich ja keineswegs auf militärische Schlagfertigkeit und Kampfbereitschaft— allezeit in einem solchen Zustande zu erhalten, daß der Hinblick auf frühere glänzende Ruhmestaten unserer Armee nicht auch zu einer Selbsttäuschung verleitet, die wir abermals so bitter büßen müßten. Denn, wahr- lich, nur starke, sittliche Kräfte unserer Volksseele werden ein unerschüttertes Vertrauen auch zu unserer ungeschwächten, in einer gewaltigen Heeresmacht vorhandenen physischen und materiellen Kraft begründen können, dem wir so oft und so gern in dem begeisterten Gesange Ausdruck geben:„Lieb Vaterland, magst ruhig sein!“
Und damit wollen wir uns einem anderen, solche Begeisterung darstellenden Bilde zuwenden, das uns der heutige Tag ebenfalls vor Augen führt, und das unserer Schul- feier eine weit über die engen Grenzen unserer Anstalt hinausreichende Bedeutung einer die Herzen erhebenden und das Gewissen schärfenden Säkularfeier für unser ganzes Volk verleiht: Das Volk stand auf, der Sturm brach los! Dem schweren Falle folgte eine gewaltige Erhebung, der schmachvollen Erniedrigung eine glänzende, ruhmvolle Erhöhung, durch herrliche Waffentaten ausgezeichnet und gekrönt durch einen siegreichen


