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Ganz besonders bringe ich dann im Namen der Schule, die zu vertreten ich die Ehre habe, den wärmsten Dank der Stadt Marburg dar, die unter so einsichtiger, thatkräftiger und arbeitsfreudiger Leitung so Grosses ge- schaffen hat. Wie die Stadt Marburg und ihre Vertretung ihre höhere Lehranstalt, ihre Oberrealschule, schätzt und zu fördern besrebt ist, dafür legen diese Mauern, diese Räume ein glänzendes Zeugnis ab. Wohl selten hat eine Stadt einen derartigen Schulbau aufgeführt, wohl noch nie hat eine Gemeinde von der Grösse Marburgs so reiche Mittel für ein Schulhaus aufgewendet, besonders nachdem sie erst vor kurzer Zeit für ihre Bürgerschulen und die höhere Mädchenschule neue praktische und schöne Gebäude errichtet hat. Deshalb freuen wir uns auch Alle darüber, dass unser Allergnädigster Kaiser durch einen besonderen Gnadenbeweis dieses Wirken anerkannt hat, und ich danke dem Herrn Regierungspräsidenten, von seiner früheren Wirksamkeit in unseren Mauern her noch allseitig verehrt, dafür, dass er dies in so schöner Weise betont hat. Wir dankeu aus vollem Herzen Allen, die unsern Neubau in so schneller und guter Weise gefördert haben. zunächst dem Oberhaupte unserer Stadt für seine Initiative, dem Magistrate und der Stadtverordneten-Versammlung für die einsichtige und umsichtige Bewilligung der reichen Mittel für unsern Neubau. Wir verschliessen uns der Erkenntnis nicht, dass an die Stadtverwaltung immer grössere Ansprüche heran- treten, dass sie mehr und mehr grösseren Anforderungen gerecht werden muss. Desto mehr ist es mir ein Herzens- bedürfnis, heute in dieser feierlichen Stunde mit besonderem Danke hervorzuheben, dass ich in der verhältnismässig kurzen Zeit, die ich hier bin, und die mit der Bauzeit ungefähr zusammenfällt, immer ein geneigtes Ohr gefunden habe, dass die Anträge und Bitten, die ich im Interesse der Anstalt stellen zu müssen glaubte, eine wohlwollende Prüfung und Bewilligung gefunden haben. Auch möchte ich nicht verfehlen, noch im Namen der Schule zu danken Allen, die mit Rat und That den Bau gefördert haben: der Baukommission, dem städtischen Bauamte und seinen Vertretern, den Künstlern, Lieferanten, Meistern, Aufsehern und allen Arbeitern, die dabei beteiligt waren. Ich weiss es, dass mit Lust und Liebe gearbeitet worden ist. Es war eine Freude zu sehen, wie rüstig der Bau fort- schritt, wie emsig und verständig geschafft wurde. Möge uns das allseitige Interesse an unserer Anstaſt stets erhalten bleiben! Möge auch das Wohlwollen der Behörden und besonders unserer vorgesetztenBehörde weiter währen! So begrüsse ich vor Allem auch Sie, hochgeehrter Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer als den Dezernenten für unsere Schule. Wir hoffen zu Gott, dass es uns noch lange beschieden sein môge, unter Ihrer wohlwollenden Leitung zu stehen, von Ihrer reichen Einsicht und Erfahrung Nutzen zu ziehen. Verbindlichsten Dank bringe ich auch dar allen hohen Vertretern von Behörden und Korporationen, allen verehrten Gästen, die durch den zahlreichen Besuch ihre Teil- nahme an unsere Anstalt beweisen und dadurch unsere Freude vermehren. Allen, vorzüglich Euer Magnificenz, statte ich den ergebensten, herzlichsten Dank ab fär die uns dargebrachten guten Wünsche! deren Erfüllung wir hoffen. Ihnen, hochverehrter Herr Direktor Dr. Hempfing, danke ich auf das Innigste für den Glückwunsch, den Sie uns zu- gleich im Namen der andern ehemaligen Kollegen unserer Anstalt So liebenswürdig dargebracht haben. Wir freuen uns Ihre Erfahrung und ihren Rat ferner benutzen zu können und bitten Sie uns auch weiterhin die treue Kollegialität zu wahren. Dem Vertreter des hiesigen Kgl. Gymnasiums, Ihnen, sehr geschätzter Herr Professor Dr. Weidenmüller, sage ich verbindlichsten Dank für Ihre liebenswürdigen Worte. Ich bedauere mit Ihnen lebhaft, dass Herr Direktor Dr. Buchenau leider verhindert ist, heute selbst an unserer Feier teilzunehen. Aber ich bitte Sie, ihm und dem Lehrerkollegium Ihrer Anstalt meinen wärmsten Dank zu sagen für die echt kollegiale Weise, in der sie mich auf- zunehmen so liebenswürdig waren. Marburg hat Raum für das Gedeihen und Blühen zweier Vollanstalten, und ich hoffe, dass die beiden Schwesteranstalten auch weiter in treuer Kollegialität in ehrlichem Wettstreite miteinander ringen werden, zum Nutzen und Segen für Stadt und Land. Ferner danke ich noch von Herzen allen verehrten Kollegen unserer Anstalt, die mich ährend des Baues und des Umzuges so wacker unterstützt haben, und auch Euch, Ihr lieben Schüler, für die Freudigkeit, mit der Ihr beim. Umzuge geholfen habt.
Aber noch eins liegt mir am Herzen: ein Herzensdank an alle die, welche uns zu dieser Feier reiche Gaben dargebracht haben! Hat die Stadt für das Praktische, Nützliche und Gute in durchaus würdiger Weise ge- sorgt, so wollten ehemalige Schüler, Freunde, Gönner, Lehrer und auch die Schüler der Anstalt für das Schöne, für einen besonderen Schmuck Sorge tragen. Der schöne Raum, in dem wir weilen, ist durch die treue Anhäng- lichkeit aller dieser Freunde, die Sie, sehr geehrter Herr Fabrikant Hering, so herzlich zum Ausdruck gebracht haben, ganz besonders ausgeschmückt worden. Die gemalten Fenster, geziert mit den Wappenbildern der Heimatstadt und des heimatlichen Regierungsbezirks, des Staates. dem wir angehören, und des grossen deutschen Vaterlandes, das schöne Bild des Begründers der Macht und Grösse des preussischen Staats, der prächtig geschnitzte Lehnstuhl, sie alle weihen dieseu Saal zum Festsaale fürſunsere Anstalt. Die Schüler werden, sowie sie diesen herrlichen Raum be- treten, ergriffen und fühlen sich gehoben über die Alltäglichkeit des Lebens hinaus. Hier wollen wir gemeinsam zu unserm Gott beten, hier wollen wir mit erhobenem Gefühle unsere Schulfeiern mit Angehörigen und Freunden zu- sammen begehen. Damit unsere Schulgemeinde aber auch ausserhalb des Hauses auf Ausflügen und Märschen das Gefühl der Zusammengehörigkeit hegen und pflegen kann, ist uns auch der Apparat für ein Prommler- und pfeifer- Korps und Abzeichen für die jungen Künstler verehrt worden, und heute haben diese zum ersten Male ihre Kunst gezeigt. Und wie das Bataillon sich im Kriege und Frieden um seine Fahne schaart, so haben auch wir nun dieses Symbol der Kameradschaft, der Treue untereinander, in erster Linie durch einträchtiges Zusammenwirken von Lehrern und Schülern vor uns, eine schöne neue Schulfahne, zu deren Beschaffung auch durch eifriges Werben eines lieben Kollegen manche ehemalige Schüler in dankenswerter Weise beigetragen haben. Dank, innigen Dank allen Gebern!
Unsere Fahne trägt über dem Wappen unserer Heimatstadt das Motto:„Leben, Licht, Liebe“, das gern gebrauchte Wort des grossen Humanisten Herder. Dies haben wir uns als Leitstern erwählt, und wir glauben: mit Recht. Wird doch auch in unserer Anstalt der Humanismus gepflegt, bemühen wir Lehrer uns doch alle, unsere Zöglinge heranzuziehen zu freier, edler Menschlichkeit, damit sié als gesittete Menschen körperlich und geistig heranwachsen, reich an Wissen und Können, sodass sie für Stadt und Land zu reichem Segen gedeihen mögen.


