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In allen Klassenzimmern sind zweisitzige Bänke, in den Lehrsälen für Physik und Chemie jedoch, die in acht Stufen ansteigen, viersitzige aufgestellt. Die Experimentiertische sind nach dem Muster von solchen in hiesigen Universitäts-Instituten angefertigt, von demjenigen im Physikzimmer lässt sich ein Teil auf Schienen in den Vorbereitungsraum hinausfahren. Im physikalischen Sammlungs- raum sind feststehende, nach allen Seiten verglaste Doppelschränke aufgestellt. Als Verdunklungs- vorrichtung sind Holzjalousien mit dickem Leinen beklebt ausgewählt, die an den Seiten in Ein- schnitten laufen und sich um eine Rolle aufwickeln lassen. Hier ist auch über dem Tafelgestelle eine fest aufspannbare weisse Leinwand für das Skioptikon angebracht.
Im chemischen Laboratorium sind zunächst drei Arbeitstische zu je 4 Plätzen mit doppelten Reposituren und Schränken angebracht.
Dies Zimmer, sowie die Physik- und Chemie-Lehrsäle haben für Verbrennungszwecke Ab- dampfnischen erhalten. Die hier entstehenden Gase werden durch Lockflammeu den Abzügen zu- geführt, welche selbst in die Abluftöffnungen unter Dach münden.
Der Festsaal hat eine lichte Höhe von 7,10 m, eine Breite von 12 m und eine Länge von 16 m. An seiner Südseite befindet sich in der Höhe des Treppenpodestes, von dem aus auch der Eingang stattfindet, eine 12 m lange und 3 m breite Empore, die ein Harmonium und auf 3 hinter einander erhöhten Stufen die Sitzplätze für den Gesangchor trägt. An der gegenüber liegenden Wand befindet sich auf einem Podium ein grosses und davor ein kleines Rednerpult.
UÜber demselben befindet sich in einem gemalten Lorbeerkranze eine grosse Kaiserbüste auf der Fläche des vermauerten Mittelfensters. Die beiden Seitenfenster an dieser Wand, sowie das in der Mitte der Westseite befindliche Fenster sind mit einfacher, aber schön ausgeführter Glas- malerei versehen, während die 3 Fenster an der Südwand mit entsprechend farbigem Kathedralglase ausgestattet sind. Die Wände des Saales sind mit farbigen Mustern geziert, die Decke ist kasseten- artig getäfelt in bunten Tönen abgesetzt. Thüre und Rednerpult zeigen Holzschnitzereien. Ausser der Hauptthüre führt noch eine Thür in der Nordostecke aus dem Saale durch das Gesangszimmer.
Der Festsaal ist mit vier fünfarmigen Kronleuchtern und 6 je zweiflammigen Wandleuchtern ausgestattet, die für Gasglühlicht eingerichtet sind. Auf dieselbe Weise können künstlich beleuchtet werden das Vestibul und das Haupttreppenhaus, das Direktor- und das Beratungszimmer, zwei Klassenzimmer, die Bibliothek, die Lehrsäle für Physik, Zeichnen und das chemische Laboratorium.
Mit Wasserleitung versehen ist jeder Korridor, die Lehrsäle für Physik, Chemie und Zeichnen, das Beratungs-, Bibliotheks- und Direktor-Zimmer und die Kellerräume. Ferner befindet sich auf dem Schulhofe ein Wasserausguss mit Hahn und Sprengvorrichtung.
Die Abortanlagen sind in dem Kellergeschosse vollständig getrennt von den andern Räumen untergebracht. Durch den Anschluss an die hochgelegene städtische Wasserleitung ist eine kräftige Spülung vorhanden, auch ist durch Ventilationsrohre und Wasserverschluss dafür gesorgt, dass übel- riechende Gase die Luft in den Räumen nicht verderben können, während durch die Centralheizung das Spülwasser vor dem Einfrieren geschützt ist.
Natürlich ist das ganze Gebäude an die Strassenkanalisation angeschlossen.
Die Heizung wird durch zwei Niederdruck-Dampfkessel im Kellerraume bewirkt; die Leitung nach dem Festsaale und der Turnhalle kann abgestellt werden, weil sie nicht immer nötig ist.
. Die Turnhalle mit 328, 10 qm Grundfläche endlich ist westlich vom Hauptgebäude im gleichen Stile und von demselben Materiale errichtet. Der Turnraum hat eine Länge von 20, Breite von 12 und Höhe vön 7 m. Vor dem Eingange zu demselben befinden sich 2 Räume zur Aufbewahrung von Garderobe und dergl., über denselben eine geräumige Empore. Der Fussboden des Turnraumes soll mit Linoleum auf Asphaltschicht mit Zementunterlage belegt werden. Die künstliche Beleuchtung soll durch Gasglühlicht, die Erwärmung durch die Zentralheizung vom Hauptgebäude aus geschehen. Zur Beleuchtung des Hofes ist an der Südost-Ecke der Turnhalle ebenfalls eine Gasflamme angebracht.
Sämtliche Bauten sind nach den Plänen und unter der Oberleitung des Herrn Stadt- baumeisters Broeg und unter der besonderen Bauleitung der Herren Stadtbauassistenten Kühn und Schäfer ausgeführt. Der Bau wurde wesentlich gefördert durch die eingehenden Beratungen der Stadtbaukommission unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeisters Schüler, bestehend aus den Herren Reg.-Baumeister Sardemann, Architekt Eichelberg, Fabrikant Hering und Kunstschlosser- meister Seebinger.


