Aufsatz 
Lehrplan für den französischen Unterricht / Realprogymnasium Marburg
Entstehung
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folgenden Sohnes Friedrich war leider ein derart hoffnungsloser geworden, dass achon nach 99 Tagen der Regierung nach Gottes unerforschlichem Ratschluss ein Ziel gesetzt wurde. Wenn es Kaiser Friedrich nicht, wie es sein sehnlichster Wunsch gewesen, vergönnt war, sein heissgeliebtes Deutsches Volk, zu dessen glorreichem Sieg im Jahre 1870 und 71 er wesentlich beigetragen, durch eine milde und wohl- wollende Regierung zu beglücken, so war sein unvergleichliches Dulden in seinem namenlosen Leiden um so lehrreicher und vielen tausend Unglücklichen werden seine letzten Schriftzüge an seine geliebte Tochter:„Lerne leiden, ohne zu klagen“, ein kaiserlicher, ein wirksamer Prost in irdischem Elend sein. Am 15. Juni, als die so lange gefürchtete Trauerkunde das Deutsche Reich, ja die ganze civilisierte Welt durchdrang, versammelte der Unterzeichnete die im Schullokal anwesenden Lehrer und Schüler um ½ 9 Uhr in der Aula und gab den Gedanken und Gefühlen seines tief bewegten Herzens und Sinnes Ausdruck, und er durfte annehmen, in der Trauer-— versammlung gleichen Gefühlen und Gedanken zu begegnen, bezw. sie anzuregen. Der Unterricht fiel an diesem Tage aus.—

Am 30. Juni fand auf Anordnung allerhöchster Behörde die eigentliche Gedenk- feier des in Gott ruhenden Kaisers und Königs Friedrich statt. Herr Leimbach schilderte mit beredten Worten das Leben und Wirken des im besten Mannesalter abgerufenen Ierrschers. der lange Jahre hindurch in der Fülle seiner Kraft der Stolz und die Freude der ganzen deutschen Nation in solchem Grade war, wie die Geschichte kaum einen zweiten Regenten zu nennen vermag. Der Festredner zeigte aber auch, wie in vielen Zügen seines Lebens der edle, hochherzige und tapfere Fürst ein Vorbild der Jugend genannt werden kann.

Die Sedanfeier wurde im vorigen Jahre am 1. September, weil der 2. September auf einen Sonntag fiel, abgehalten. Unter angenehmer Beteiligung der Eltern der Schüler und Freunde der Schule verlief die Feier, bestehend in Gesang und Decla- mation patriotischer Lieder und Gesänge nebst einem Redeakt, in welchem der Unterzeichnete(als Fortsetzung der Festrede zur Sedanfeier vorigen Jahres)„Feld- marschall Fürst Blüchers Thaten seit dem Jahre 1813 bis zur zweiten Besiegung Napoleon I.“ schilderte. Er suchte insbesondere die unbeschreiblichen Verdienste, welche der greise Feldherr namentlich an der zweiten Besiegung des französischen Tyrannen hatte, gebührend hervorzuheben und zu zeigen, wie sehr ihm das Deutsche Volk hierfür zu ewigem Dank verpflichtet ist.

Am Nachmittag des 1. Septembers wurden Klassenspaziergänge in Begleitung von Lehrern ausgeführt. So ging die II mit dem Unlerzcichmelen nach Nieder- weimar; OIII mit Ierrn Oberlehrer Dute nach Bürgeln; UIII mit Herrn Böhmel nach Hermershausen; IV und V mit den Herren Dr. Schäfer und Hölzerkopf nach der Dammühle und VI mit Herrn Haase nach Wehrshausen.

In Ausführung allerhöchster Verfügung vom 9. Juli v. J.(S. S. 17) fand am 18. Oktober beim Beginn des Unterrichts eine Versammlung aller Lehrer und Schüler statt, um diesen Tag als einen Gedenktag des in Gott ruhenden Kaisers Friedrich zu begehen. In derselben suchte der Unterzeichnele darzulegen, in welcher Weise Leben, Thaten und Charakter der beiden Heldenkaiser Motive zu den zu haltenden Vorträgen der Lehrer darbieten könnten. Eingeleitet und beschlossen wurde der Aktus mit einem Choral. So wollte es denn ein verhängnisvolles Schicksal, dass der für

Deutschland seit langer Zeit mit Freudenfeuern gefeierte Siegestag— der 18. Ok- tober— nicht von neuem als Freudentag aller Deutschen hier und in allen Ländern

und Zonen festlich und fröhlich begangen werden sollte, sondern als ein Gedenktag