Aufsatz 
Lehrplan für den französischen Unterricht / Realprogymnasium Marburg
Entstehung
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wird. So zwingen aber auch die in neuerer Zeit sich immer schwieriger gestalteten Berufs- und Erwerbsverhältnisse dazu, dass an die Jugend jetzt grössere Anforderungen in deren Wissen und Können gestellt werden. In richtiger Erkenntnis dieser gegen- wärtigen schwierigen Verhältnisse sollten daher die Schüler der höheren Lehranstalten aus Dankbarkeit gegen ihre Eltern die von diesen mit namhaften Opfern ihnen dargebotene Gelegenheit zur Erwerbung einer guten Vorbildung für das Leben treu und gewissen- haft benutzen, wozu sie durch die von den Lehrern ihnen wiederholt gegebenen Ermahnungen aufgefordert werden.

In dem seit fünf Jahren der Wahlperiode der städtischen Behörde unverändert

gebliebenen KuratoriumR ist leider in der letzten Zeit durch den am 30. November v. J. erfolgten Tod des Herrn Prof. Dr. Lucae, des Vertreters des Stadtrats, eine Anderung eingetreten. Der Verstorbene war zwar durch seine andauernde Krankheit längere Zeit verhindert gewesen, an den Sitzungen teilzunehmen, brachte aber stets, wie auch der bisherige und mit dem Schlusse der letzten Wahlperiode ausscheidende Vertreter des Bürger-Ausschusses, Herr Rentier Spörhase, der Schule und deren Lehrer ein warmes Interesse und Wohlwollen entgegen. In den Mitgliedern des Lehrer- Rollegiums ist schon seit dem Jahre 1880 eine Anderung nur insoweit eingetreten, als in den letzten Jahren mit Genehmigung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums einige Kandidaten des höheren Schulamts teils zur Ableistung ihres Probejahres eintraten, teils mit einigen Stunden Unterricht an der Anstalt beschäftigt wurden. So gab err Fladung wöchentlich 2 Stünden Natur- geschichte in Quinta und Ilerr Dr. Höhnemann seit Michaelis 2 Stunden Geo- graphie in Untertertia und 2 Stunden Naturgeschichte in Sexta. Beide Herren waren mit Erfolg bemüht, die übernommenen Verpflichtungen pünktlich zu erfüllen. Auch muss hier dankend erwähnt werden, dass beide lerren gern und öfters eine Vertretung verhinderter Kollegen übernahmen. Die beiden Probandi Herren Dennert und Nau vollendeten im Sommersemester ihr zu Michaelis 1887 begonnenes Probejahr. Mit dem Beginn des Wintersemesters trat zwecks Ableistung seines Probejahres der Kandidat des höheren Schulamts Herr Schäfer aus Brotterode hier ein.

Da das letzte Schuljahr mit dem 23. März schloss, so konnte in dem Programm die auf den 22. März angeordnete Gedenkfeier Sr. Majestät des hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm I. nicht mehr erwähnt werden. So manches Jahr war der Tag des beginnenden Frühlings und des Geburtsfestes Sr. Majestät des hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm J. ein wahrer Freuden- und Feiertag vieler Millionen Deutscher gewesen; dieses Mal jedoch war der 22. März ein Tag tiefer Trauer und der ab- gehaltene Schulaktus dem pietätvollen Andenken des allverehrten und allgeliebten Fürsten gewidmet, der selbst im hohen Greisenalter wegen seines Heimganges auf-— richtig und innig betrauert wurde. Nach Absingung des Chorals:„Jesus meine Zu-— versicht“, Verlesung des 101. Psalmen und einem gesprochenen Gebet, hielt Herr Dr. Schäfer die Gedächtnisrede, in welcher derselbe in kurzen Zügen ein Lebens- bild des grossen Kaisers gab, der für alle Zeiten ein leuchtendes Vorbild dem deutschen Volke bleiben wird. Die Gedenkfeier wurde geschlossen mit dem Lieder- verse„Wenn ich einmal soll scheiden“.

Die Verfügung Kgl. Provinzial-Schulkollegiums vom 24. April v. IJ. Nr. S. 1788 (erhalten am 27. April) ernannte die Dirigenten der höheren Lehranstalten der Provinz Hessen-Nassau zu seinem Commissar zur alsbaldigen Vereidigung der Lehrer, Be- amten etc. etc. der Anstalten auf Kaiser Friedrich. Dieselbe fand am 28. April morgens in vorgeschriebener und einer dem feierlichen Aktus angemessenen Weise statt. Der Krankheitszustand des als zweiter deutscher Kaiser seinem greisen Vater