Aufsatz 
Lehrplan für den französischen Unterricht / Realprogymnasium Marburg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 19—

zwei Punkte hervorgehoben und zur Nachachtung bezw. Berichterstattung mitgeteilt. Der zweite Punkt ist von allgemeinerem Interesse und bezieht sich auf einen hygienischen Misstand,„welcher aus den bisher befolgten, weder der Zeit, noch der Art nach genügend befundenen Reinigungen der Schulräume hervorgeht. So seien in mehreren höheren Lehranstalten infolge von Staubanhäufungen Augenkrankheiten entstanden und verbreitet worden, abgesehen von dem Nachteil, welchen das Einatmen dieser mit Staub erfüllten Luft auf erkrankte Lungen bringen kann und abgesehen von der Möglichkeit einer UÜbertragung ansteckender Keime.“ Die als notwendig erkannte öftere und gründlichere(mit feuchten Tüchern vorgenommene) Reinigung beansprucht aber eine weit grössere Arbeitszeit und-Kraft.

Die Verfügung Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 13. Februar d. J.(J.N. S. 492) genehmigt den Lehrplan für den französischen Unterricht mit einer Bemerkung bezüglich des Kanons der auswendig zu lernenden Gedichte und Prosastücke.

III. Chronik der Schule.

Das nunmehr verflossene Schuljahr 1888/89 wurde am 10. April v. J. begonnen und hat somit mit Einschluss der zweiwöchentlichen Osterferien einige Wochen über ein Kalenderjahr gedauert: eine Unregelmässigkeit, deren Ursache die Abhängigkeit unseres Schuljahres vom wandelbaren Osterfeste ist, und welche daher in den jJahren 1892, 1895, 1897, 1898 und 1900 in ähnlicher Weise wiederkehren wird. Um die bewirkten Störungen, sowohl im Unterrichtsgang als auch bei den austretenden Schülern in Militär- und Lehrzeit-Verhältnissen zu vermeiden, wäre der Schluss des Schuljahres stets auf die letzten Tage des März zu legen.

Die Eröffnung des neuen Schulfahres geschah in herkömmlicher Weise durch den unterzeichneten Fektor in gemeinsamer Versammlung der Lehrer und Schüler mit Gebet und einer Andacht nebst Ansprache. Hieran schloss sich die Aufnahme von 44 Schülern, welche tags zuvor die Aufnahme-Prüfung bestanden hatten. Nach Vorschrift wurden diese Schüler mit den Gesetzen der Schule bekannt gemacht, wobei auch die in das neue Schuljahr übergehenden früheren Schüler zugegen waren, um die bestehenden Verordnungen letzteren ins Gedächtnis zurückzurufen, da die Erfahrung längst gelehrt, wie notwendig eine solche Erinnerung ist, wenn gute Sitte und Ordnung in der Schule herrschen und die Schüler sich an beide gewöhnen sollen. Gar leicht tritt in den höheren Lehranstalten der erziehliche Zweck gegen die Bildungs- aufgaben zurück, so dass eine öftere Erklärung ihrer doppelten Bestimmung nicht nur vorteilhaft, sondern notwendig erscheint. Zu solchen Ansprachen wurden von dem Unterzeichnelen, seit ihm die Leitung der Schule anvertraut ist, auch die nach jeden grösseren Ferien mit Gesang und Gebet begonnenen ersten Unterrichtsstunden benutzt.

Die zu Ostern vor. J. eingetretene Schülerzahl entspricht den in den letzten Jahren aufgenommenen Schülern, so dass die auf Anordnung der vorgesetzten Behörde erfolgte Erhöhung des Schulgeldes für einige Klassen keinen Einfluss auf die Frequen⸗z der Anstalt geäussert hat. Es ist diese Erscheinung zugleich ein Beweis, dass die Eltern erkennen, welche grosse Wichtigkeit eine gute Schulbildung für ihre Söhne hat, und wie insbesondere bei den immer ausgebreiteter werdenden Kolonial- und Handelsbeziehungen unséres Volkes eine grundlegende Kenntniss nebst einiger Ubung in dem mündlichen Gebrauch der wichtigsten neueren Sprachen immer notwendiger

3*