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und Verehrung, sowie dem Ihm schuldigen Dank, da er dem deutschen Volk, ja ganz Europa den Frieden erhalten hatte. Am Schlusse des Wochenunterrichts am 10. März fand an Stelle der Andacht eine liturgische Trauerfeier wegen des tags zuvor erfolgten Ablebens Kaisers Wilhelm I. statt. Der Religionslehrer der Anstalt, Herr Pfarrer Schindewolf, leitete die Feier, welche mit dem Choral„Christus, der ist mein Leben“ begann. Hierauf wurden abwechselnd mit einigen Versen dieses Liedes, sowie der Lieder 131, 146, 131, 116 und 32 des deutschen evangelischen Gesangbuches folgende Bibel⸗ abschnitte verlesen: Psalm 9, 1— 12; 1. Mose 49, 29 u. ff. Hiob 19, 25— 27; Johs. 14. 1— 6; Offenbarung. Hieran reihte eine Ansprache. mit Zugrundelegung von Sprüche Salomos 20, 28, die mit Gebet schloss. Die Feier war wohl geeignet bei Lehrern und Schülern einen tiefen und bleibenden Eindruck hervorzurufen. Am 22. März wird eine Gedenkſeier des verstorbenen Kaisers Wilhelm I. abgehalten werden.
Als eine besondere Schuffeier des letzten Schuljahres ist die am 100 jährigen Ge- burtstage des deutschen Volksdichters Vhland zu erwähnen, welche am 26. April, vor- mittags 11 Uhr, abgehalten wurde. Der Lehrer des Deutschen in den oberen Klassen, Herr Leimbach, hielt einen ansprechenden Vortrag, in welchem er eine getreue und anziehende Schilderung des gefeierten Dichters entwarf. Der Redner führte aus, wie Uhland mit vollem Recht ein Dichter der Jugend genannt zu werden verdiene, indem er mehr denn irgend ein anderer dieser so recht aus dem Herzen und in die Herzen gesungen und ihr zugleich in jeder Beziehung ein leuchtendes sittliches Vorbild gegeben habe. Dabei wurde auch seiner echt patriotischen Gesinnung gedacht, die ihn be- fähigte, seiner Ueberzeugungstreue und seiner Begeisterung für das Wohl des Volkes die schwersten Opfer zu bringen. Zum Beginn und zum Schluss der Feier wurden vom Sängerchor ausgewählte Lieder des gefeierten Dichters gesungen.
Am 10. Oktober fand die Einweihung des neuen Gebäudes der städtischen Knaben- schule statt, zu welcher der Unterzeichnete als Vertreter des Lehrerkollegiums des Realprogymnasiums von der Stadtschulkommission freundlichst eingeladen war. Nachdem der Schulaktus der ebenso ansprechenden als angemessenen Einweihungsfeier, welche in dem grossen Saale der Turnhalle abgehalten wurde, vorüber war, wurden die Räumlich⸗ keiten der neuen Bildungsstätte der städtischen Schuljugend unter Führung des Herrn Stadtbaumeisters Brög von den Teilnehmern an der Feier besichtigt; dieselben zeigten, dass sowohl bei der Anordnung der Lokalitäten, als auch bei den Einrichtungen für Beleuch- tung, Heizung, Ventilation und dgl. die neuesten erprobten Anlagen für Schulhäuser hierselbst eingeführt sind. Ein solcher auf der Höhe der Zeit stehender Schulbau wird gewiss auch seinen günstigen Einfluss auf die anderen städtischen Schullokale äussern, und auch in diesen werden paritätisch die anerkannt zweckmässigsten Einrichtungen soweit thunlich eingeführt werden..
Am 31. Oktober v. J. fand, wie es schon seit der Gedenkfeier von Luthers Ge- burtstag im Jahre 1883 geschehen ist, in der letzten Vormittagsstunde eine Schulfeier zur Erinnerung an die Einführung der Reformation der Kirche statt.
Mit dem Schulschluss am 23. Dezember wurde auch in diesem Jahre eine liturgische Andaeht als Vorfeier des nahe bevorstehenden Weihnachtsfestes verbunden.
Die Turnfahrt der oberen Klassen II und III wurde in diesem Schuljahr unter Führung der Herren Schürmann und Haase und des VUnterzeichneten am 13. Juni aus- geführt, und zwar war für diesmal ein weiteres Ziel in Aussicht genommen. Die öfteren Ausflüge von Schülern und Erwachsenen aus unserer Gegend nach dem Siegesdenkmal auf dem Niederwald oberhalb Rüdesheim am Rhein hatten auch bei den grösseren Schülern unserer Anstalt den Wunsch einen Ausflug dahin zu unternehmen, immer lebhafter hervor⸗ gerufen, welchem um so mehr zu willfahren war, als sich mit der nicht teuren Dampf-


