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III. Chronik der Schule.
Die Eröffnung des Schuljahres, welches mit der öffentlichen Prüfung am 23. Mär⸗z schliesst, fand am 19. April v. J. durch den unterzeichneten Rektor in gemeinsamer Ver⸗ sammlung der Lehrer und Schüler mit Gebet und einer Andacht und Ansprache in ge⸗ wohnter Weise statt. Mit diesem Aktus war die Aufnahme der 44 neueintretenden Schüler verbunden, welche am 18. April die Aufnahme-Prüfung befriedigend bestanden hatten. Die neu aufgenommenen Schüler wurden nun nach Vorschrift mit den Gesetzen der An⸗ stalt bekannt gemacht und durch Handschlag verpflichtet, dieselben treu zu befolgen, wobei noch besonders hervorgehoben wurde, dass die Teilnahme an einer Verbindung gleichfalls streng verboten sei und mit schweren, bis dahin selten ausgesprochenen Strafen geahndet werde. Die hierbei anwesenden älteren Schüler. welche die Anstalt weiter besuchten, wurden gleichfalls ermahnt durch genaue Beachtung und Aufrechterhaltung der Ordnung und guten Sitte, in und ausser der Schule, sowie durch Fleiss und Aufmerksamkeit den hinzugetretenen Schülern ein gutes Beispiel zu geben.
Das Kuratorium ist in dem verflossenen Jahr unverändert geblieben. Die Mitglieder desselben sind:
Herr Oberbürgermeister Schüler, Pastor Bernhard. Stadtschulinspektor, Professor Dr. Lucae, Stadtratsmitglied, „ Rentier Spörh ase, Ausschussmitglied, der Rektor der Anstalt.
Die Mitglieder des Lehrerkollegiums sind aus der Zusammenstellung S. 2 zu ersehen. Darnach erteilten(vergl. S. 3) auf ihren Wunsch die Herren Dr. Brockmeier und Fladung, beide Candidaten des höheren Schulamts, Unterricht in der Geographie in Tertia, bezw. Rechnen in Quinta. Sie lagen ihren übernommenen Obliegenheiten mit grosser Pünktlichkeit, vielem Interesse und gutem Erfolge ob. Am 26. Januar folgte Herr Dr. Brockmeier einem Auftrag zur Versehung einer Lehrerstelle an das Realgym⸗ nasum in Siegen.
Ein festlicher Schulaltus wurde an dem Tage abgehalten, an dem nun schon seit einer Reihe von Jahren eine Schulfeier stattfand. Der 2. September, der sogen. Sedantag, wurde als ein nationaler Gedenktag in der festlich geschmückten Aula unter zahlreicher Beteiligung der Eltern der Schüler und Freunde der Anstalt mit Gesang patriotischer Lieder und Deklamation von zur Bedeutung des Tages in Beziehung stehen⸗ den Gedichten sowie mit einem Redeakt gefeiert. Der VUntereeichnete sprach über den Feldmarschall Blücher, Fürst von Wahlstatt, indem er dessen thatenreiches Leben und Wirken bis zur Wiedererhebung Deutschlands im J. 1813 zu schildern suchte.
An dieser Stelle wurde seit zwei Decennien von dem zweiten feierlichen Schulaktus, der Feier des allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät unseres allverehrten und allge- liebten Kaisers und Königs Wilhelm des Siegreichen berichtet. Alljährlich erkannte das deutsche Volk an diesem Tage die grosse Gnade Gottes, dass seinem noch in bester Manneskraft stehenden, greisen Regenten wiederum ein weiteres Jahr verliehen worden, und Er so zu einem Alter gelangt war, wie uns ein gleiches die Weltgeschichte von keinem anderen grossen Fürsten berichten kann. In den ersten Tagen des März ver⸗ breitete sich aber die Trauerkunde im ganzen deutschen Volke von dem ernstlichen Er⸗ kranktsein des innigst geliebten Kaisers. Leider war denn auch die grosse Besorgnis nur zu begründet gewesen. Denn schon am 9. März durchlief die Schreckenskunde von dem Ableben des hochseligen Kaisers ganz Deutschland, ja die ganze civilisierte Welt, wie solches zuvor in ähnlicher Weise bei einem anderen Fürsten noch nie der Fall gewesen war. Die grosse Teilnahme und tiefe Trauer war entsprechend der grossen Liebe
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